Makellos ohne Make-up

Sie wollen jünger aussehen? Vergessen Sie Antifaltencremen. Viel wichtiger ist, dass Ihr Teint ebenmäßig wirkt: Neue Pflegeprodukte versprechen, den Hautton zu „korrigieren“ und Pigmentflecken sanft aufzuhellen. Wir klären, was dahintersteckt.

Geht's um Anti-Aging, konzentrieren sich die meisten ausschließlich auf ihre Falten. Um diese halbwegs im Zaum zu halten, wird geschmiert, gecremt, massiert - oder auch das Sparbuch beim Schönheitsmediziner auf den Tisch gelegt.

Was gern vergessen wird: Ein jugendliches Aussehen hängt zum Großteil davon ab, wie strahlend und gleichmäßig der Teint ist. Die Falten sind eher Nebensache. Das belegt auch eine von Procter & Gamble durchgeführte Studie: Die Teilnehmer bekamen eine Reihe von Porträtbildern vorgelegt. Die eine Testgruppe sah unretuschierte Fotos. Die andere bekam Bilder vorgelegt, auf denen zwar die Falten der abgebildeten Personen belassen wurden, aber Verfärbungen wie Pigmentund Sonnenflecken und Hautschatten digital weggezaubert worden waren.

Ergebnis: Bei der Altersschätzung schnitten die Gesichter mit der gleichmäßig hellen Haut deutlich besser ab. Sie wurden um bis zu zehn Jahre jünger geschätzt als im Original, obwohl sie die gleiche Anzahl an Falten aufwiesen.

Jung = elfenbeinteint.
Vereinfacht gesagt: Um jünger auszusehen, braucht's also kein Lifting, sondern oft nur etwas, was Hautverfärbungen aufhellt und den Teint ebenmäßiger erscheinen lässt. Keine Pigmentflecken (die bei den meisten über die Jahre automatisch auftreten), keine durchscheinende Blutgefäße, keine Rötungen, keine Verfärbungen oder Augenschatten. Die Beautyindustrie hat auf die „erhellenden" Erkenntnisse reagiert. Sie bietet mittlerweile eine ganze Armada von korrigierenden Pflegeprodukten. Experten sprechen sogar vom schnellst wachsenden Segment im AntiAgingBereich. Für den Konsumenten ist die Einteilung der Produkte aber verwirrend: Braucht man jetzt eine Creme gegen Pigmentflecken? Ein sogenanntes Brightening-Produkt, das den Teint gleichmäßiger und strahlender wirken lassen soll? Oder sind doch Whitener die bessere Wahl? Letztere versprechen, die Haut gleichmäßig aufzuhellen - und boomen vor allem in Asien, wo der Porzellanteint seit Jahrzehnten als Nonplusultra gilt. In Asien sind mittlerweile auch in vielen Sonnencremen Aufheller enthalten. Keine schlechte Strategie, ist die Sonne doch hauptverantwortlich für unschöne Flecken und Hautverfärbungen.

Irrwege zum Elfenbeinteint:
618–907 n. Chr.
Tang-Dynastie (China)
Um den Teint aufzuhellen, glaubte man, Perlen essen zu müssen: Wer es sich leisten konnte, löffelte feinvermahlenes Perlmuttpuder als Brei.
794–1185
Heian-Periode (Japan)
Ein schneeweißer Teint war charakteristisch für Geishas. Um diesen zu erreichen, schreckte man auch vor Gesichtspackungen mit Vogelkot nicht zurück.
Ende 18. Jh. – Mitte 19. Jh.
Romantik
Gering dosiertes Arsen verhalf der Haut der Adeligen zu einer tödlichen Blässe und ließ die Adern deutlicher zum Vorschein kommen. Daher kommt auch der Begriff „blaues Blut“.
1837–1901
Viktorianisches Zeitalter
Eine zerbrechliche und blasse Erscheinung galt als absolutes Schönheitsideal. Um dem zu entsprechen, tranken Frauen literweise Essig und Zitronensaft.
ab 1900
…griff man für den Alabasterteint in den Chemietopf und dokterte mit Wasserstoffperoxid und Quecksilber herum. Ein Desaster für die Haut und die Gesundheit. Dennoch wird heute in Teilen Afrikas beides immer noch eingesetzt.
1989
Der Weis(s)heit letzter Schluss schien in den späten Achtzigern Koji-Säure zu sein. Sie ist in Asien bis heute als Bleichmittel für die Haut stark verbreitet. In Europa ist die Substanz umstritten, da sie Bakterien mutiert und bei sensibler Haut Kontaktdermatitis auslösen kann.

Rosige Ansichten. Hierzulande, wo die Bräune meist noch gern und stolz zur Schau gezeigt wird, werden vor allem hauttonkorrigierende Seren und die oben erwähnten Brightening-Produkte verkauft. Sie stellen nicht das Aufhellen in den Vordergrund, sondern werben für eine ebenmäßige Hautfarbe und mehr Strahlkraft. Spezielle Wirkstoffcocktails reduzieren die Überproduktion des hauteigenen Schutzfarbstoffs Melanin. Einige Produkte sind mittlerweile genauso effektiv wie korrigierende Cremen vom Beautydoc und dabei schonender. Sinn machen die hauttonkorrigierenden Produkte übrigens ab dem 30. Lebensjahr. Denn ab diesem Zeitpunkt bauen die Zellen ab. Die Haut nimmt einen "graueren" Ton an, wird fleckiger, der Roséton, der typisch für ein jugendliches Gesicht ist, schwindet.

Lichtschutz. Nur mit „Schadensbegrenzung" durch Spezialcremen ist es allerdings nicht getan. Damit die neue Ebenmäßigkeit auch erhalten bleibt, ist täglicher Sonnenschutz ein Muss. Experten empfehlen, Tagescremen mit mindestens LSF 15 zu verwenden. Denn jede UV-Bestrahlung lockt Pigmentflecken hervor.

Vorsicht ist auch bei photosensibilisierenden Hausmitteln geboten, wie zum Beispiel Johanniskraut. Es macht die Haut lichtempfindlicher. Ätherisches Bergamottöl, das oft in Parfums enthalten ist, hat eine ähnliche Wirkung.
Zwei Wirkstoffe, die die Ebenmäßigkeit der Haut hingegen fördern, sind Echinacea-Extrakt und Vitamin K. Beide lindern Hautrötungen und Couperose (eine Gefäßerweiterung, die zu sichtbaren roten Äderchen auf Nase und Wangen führt). Vitamin K ist außerdem gut bei der akneähnlichen Hauterkrankung Rosacea und hilft in manchen Fällen sogar gegen Augenringe.

 

Aktuell