Mach mal langsam: 5 Tipps für nachhaltiges Reisen

Flugreisen gehören zu den größten Klimakillern. Aufs Fliegen zu verzichten heißt aber nicht, aufs Reisen zu verzichten. Regine Gwinner, Expertin für nachhaltiges Reisen, erklärt uns, wie das geht.

Nachhaltig Reisen

1. ETAPPENSIEGE

In 40 Stunden mit dem Zug nach Spanien wie so manche Politiker*innen? Klingt anstrengend. Die Expertin hat eine auf den ersten Blick paradoxe Empfehlung: sich noch mehr Zeit lassen.

"Der Punkt ist, dass das Reisen immer abgegrenzt vom Urlaub gesehen wird", sagt Reiseprofi Regine Gwinner. "Aber eigentlich muss man so denken: Ich hab Urlaub, und da gehört die Reisezeit dazu." Bei langen Anfahrten empfiehlt die Expertin, die Stopps einfach länger ausfallen zu lassen, statt zum nächsten Umstieg zu hetzen. "Sagen wir, ich will an die Costa Brava. Ich kann in vier Stunden hinfliegen und dann bin ich da - oder ich kann sagen: Mein Urlaub beginnt mit dem Einsteigen in den Zug. Dann bin ich erst mal in Paris und kann in einer tollen Stadt einen Kaffee trinken, eine Rundfahrt machen, vielleicht auch über Nacht bleiben, bevor ich weiterfahre. Ich habe dann eineinhalb, zwei Tage eingesetzt -a ber ich habe auch schon richtig etwas erlebt, wenn ich ankomme."

2. BAHNFIT SEIN

Bahnfahren will gelernt sein. Auf die Vor-und Nachteile kann man sich auch vorbereiten.

"Der große Vorteil des Bahnfahrens: dass man einsteigt und dann auch Zeit füreinander hat", so die Expertin. "Ich war immer viel mit meiner Familie unterwegs, mit zwei kleinen Kindern; wir haben immer viele Spiele gespielt im Zug. Man kann sich bewegen, die Kinder müssen nicht still sitzen. Wenn Sie etwa mit dem Nachtzug fahren, können Sie zu viert ein Abteil reservieren und dann die Tür zumachen - und das finde ich den absoluten Luxus." Ein paar praktische Tipps können die Reise erleichtern: "Ein Rucksack ist immer besser als Handgepäck, weil man dann die Hände frei hat, und es ist leichter, wenn man beim Umsteigen Treppen benutzen muss." Am besten vorher gut überlegen, was man braucht und wie man die Reise verbringen will.

DIE EXPERTIN: Regine Gwinner ist Geschäftsführerin des Fairkehr-Verlags, Chefredakteurin des Anderswo-Magazins und Expertin für nachhaltiges Reisen (wirsindanderswo.de).

3. KLIMASIEGER REISEBUS

Das Busfahren hat bei vielen ein schlechtes Image. Dabei ist es die klimafreundlichste Reiseart, günstig und flexibel.

"Busse sind unter Klimagesichtspunkten unschlagbar", sagt die Nachhaltigkeitsexpertin. "Sie sind flexible, kleine Einheiten und inzwischen schon sehr gut ausgestattet. Und sie verbinden auch Orte direkt, wo man mit der Bahn öfter umsteigen müsste." Der einzige Nachteil: Sie sind ans Straßensystem gebunden, und bei Reisen zur Haupturlaubszeit kann es schon sein, dass man mal im Stau und außerhalb der EU an Landesgrenzen ausharren muss. Vor allem unter jungen Leuten seien Busse aber eine sehr beliebte innereuropäische Alternative zum Billigflieger, so die Expertin. Ein Tipp: "Busse sind etwa praktisch, wenn ich in Europa ein Fahrrad mitnehmen möchte; oder dort, wo ich sehr viel mit dem Nahverkehr fahren müsste. Da kann es sehr attraktiv sein, einen Bus mit Fahrradplatz zu nehmen und auf einer langen Strecke einfach durchzufahren."

4. BAHNPROFIS WISSEN WEITER

Bahnfahren auf längeren Strecken wird schnell zum logistischen Aufwand - hier können Reisebüros und Bahnagenturen eine Hilfe sein.

Umsteigezeiten, Anschlusszüge, unterschiedliche Bahnanbieter über mehrere Ländergrenzen hinweg - eine lange Reise per Schiene wird schnell unübersichtlich. Es zahlt sich aus, online bei Bahnagenturen zu recherchieren oder in spezialisierte Reisebüros zu gehen. Die ÖBB bieten mit den ÖBB Rail Tours(railtours.oebb.at) Bahnpauschalreisen an, bei denen man in Kombi die Fahrt inklusive Hotel buchen kann, ebenso wie Konzert-oder Musicalkarten am Ziel. Große Reisebüros wie Ruefa haben spezielle Angebote für Bahnreisen (bahnkarten.at) oder beraten persönlich im Ruefa Bahn & Fähren Center in Wien (Lasallestr. 2,1020).

Das Portal Omio (omio.at) arbeitet mit österreichischen, deutschen und italienischen Bahn-und Busunternehmen zusammen. Selbst Diskontanbieter wie Hofer Reisen (hofer-reisen.at) haben günstige Pakete für Städtereisen per Bahn.

Internationale Anbieter wie Railteam (railteam.eu) kooperieren länderübergreifend mit Bahnen, etwa in Belgien, Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien, und können dadurch gute Angebote machen. Mit ein bisschen Recherche kann man innerhalb Europas also sehr gut auf das Reisen per Flugzeug verzichten.

5. GEMEINSAM FÄHRT SICH 'S BESSER

In der Gruppe statt allein im Auto zu sitzen schont das Klima und wird immer mehr zum Trend.

Der CO2-Footprint des Autofahrens ist deutlich unter dem eines Fluges - vor allem, wenn man in der Gruppe unterwegs ist. Fahrgemeinschaften könnten sich daher immer mehr zu einer brauchbaren Kurzstreckenalternative entwickeln. Weil das Mitfahren besonders in Deutschland sehr verbreitet ist - viele Studierende kreuz und quer über ein großes Land verteilt und einige auch mit Auto -, ist es ein heißer Tipp für flexible und klimafreundliche Citytrips. "Ich weiß von unseren sehr jungen Kollegen, dass sie viel mit Fahrgemeinschaften unterwegs sind, wo sie auf Plattformen zurückgreifen. Das funktioniert schon sehr gut", so Regine Gwinner. Diese Reiseart ist aber auch nicht unbedingt etwas für jede*n: "Es ist halt auch was sehr Kommunikatives und Persönlicheres, als wenn ich in den Bus oder die Bahn einsteige. Auf jeden Fall eine günstige Möglichkeit, zu reisen und mit Leuten unterwegs zu sein!"

 

Aktuell