"Love Island" hat alles, was ihr nie im Fernsehen sehen wolltet

Seit Mitte September auf RTLII - und bereits jetzt hat sich die Sendung "Love Island" ganz tief in unser Hirn eingebrannt. Leider.

Ganz viel nackte Haut, Klischees am laufenden Band und hohle Dialoge: so lässt sich die Sendung "Love Island" wohl am besten zusammenfassen. Die Sendung war in Großbritannien ein großer Erfolg, bei RTLII, wo sie seit Mitte September läuft, scheinen die Quoten ein wenig mau zu sein. Kein Wunder.

Eines aber gleich vorweg: die KandidatInnen bei "Love Island" können 50.000 Euro gewinnen. Diese kleine, aber wichtige Tatsache erleichtert einer das Zusehen (mit ziemlich vielen "WTF?!"-Momenten) tatsächlich. Denn: ja, es ist wirklich schlimm, was RTLII da in den deutschsprachigen Raum geholt hat. Das Konzept: elf Singles müssen sich bei einer Paarungszeremonie immer neu "verpartnern", ob sie wollen oder nicht.

"Single darf hier niemand bleiben!"


Die erste Folge fängt gleich einmal sehr vielversprechend an: "Die Betten sind frisch bezogen!", schreit Moderatorin Jana Ina Zarella in die Kamera. Denn darum geht es hier: zwei Menschen müssen miteinander in einem Bett schlafen - ob sie sich überhaupt mögen, das ist zweitrangig. Denn: "Single darf hier niemand bleiben!", wie die Moderatorin festhält. Das klingt fast wie eine Drohung.

Bei der Vorstellung der KandidatInnen ziehen sich alle gleich einmal aus, um dann in der Sendung (immer) halbnackt zu bleiben. (Das steht wohl im Vertrag.) Sie unterhalten sich über vergangene und noch geplante Schönheits-OPs, wer heißer ist als die/der andere, und wann der nächste "Zickenterror" ausbricht. Das Frauenbild ist - wenig überraschend - ein sehr sexistisches. Aber auch die Männer werden als Mucki-Fanatiker und Triebtäter inszeniert.

"Jetzt hat Jan die Macht"


Denn in der ersten Folge dürfen sich die Männer aussuchen, mit wem sie sich "verpartnern". Mitspracherecht haben die Frauen keines - sie dürfen lediglich einen Schritt nach vorne machen, wenn ihnen der Mann gefällt. Tut er das nicht, ist das aber ziemlich egal. ​"Die Männer suchen euch aus, egal ob ihr das gut findet", warnt die Moderatorin gleich. "Jetzt hat Jan die Macht."

Kurzum: Männer suchen sich eine Frau aus. Obwohl sie nicht auf sie steht. Wonach das klingt? Ja genau, nach Übergriff. Berührungsängste haben die "geilen Typen" auch keine - gleich mal das "Mädchen" anfassen, das einen eigentlich gar nicht wollte - why not? ​Der Typ, der aussieht wie Jan Böhmermann mit zu viel Muskelmaterial, geht zu einer, die bereits einen anderen abbekommen hat (gegen ihren Willen). Fazit der Moderatorin: "Für dich sieht es gut aus, Stephanie!" Die lächelt nur müde. Schließlich hat sie gleich zwei Typen abbekommen, die sie nicht wollte. Was für ein Glück.

"Die Dolche ins Gift getaucht. Mädels halt."


Als die letzte Extra-Konkurrentin dazukommt, die für "Zickenterror" sorgen soll, grinsen die Typen wie pubertierende Jungs, die zum ersten Mal Brüste sehen. Und damit niemandem langweilig wird, stehen sogenannte Challenges am Programm. Heute: die Frauen dürfen die Männer durch Löcher in der Wand anfassen. "Geil, die Hand an meinem nackten Arsch!"

​Also in Sachen Objektifizierung kommen auch die Männer auf ihre Kosten. Trotzdem bleiben sie auf der Macht-Skala weiter oben, weil sie einfach Männer sind. Und als Linda mit Silvain Schluss macht, stellt dieser sogleich klar: "Ich wollte dich eigentlich von Anfang an nicht!" Beziehungstipps sollte man sich aus dieser Sendung nicht unbedingt holen.

Doch dass hier irgendwer die "wahre Liebe" sucht, glaubt zwischen Models und Möchtegern-Stars ohnehin niemand. "Love Island" ist nur eine weitere (und besonders traurige) Entwicklung im Trash-Fernsehen. Und das Schlimmste daran: es macht nicht einmal Spaß, dabei zuzusehen. Sexismus, Inhaltslosigkeit und Langeweile vermengen sich hier zu jeder Menge verschwendeter Lebenszeit.

 

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