Loslassen in der Mongolei

Nicole Janata packte ihren Rucksack und machte sich auf, um in der Weite der Steppe endlich wieder Luft zu bekommen.

Das Stadtleben, der Computer-Job und ein Burn-out standen Nicole Janata bis zum Hals. Also packte sie ihren Rucksack und machte sich auf, um in der Weite der Steppe endlich wieder Luft zu bekommen.

Text & Fotos Nicole Janata

Mongolei? Was um Himmels willen machst du in der Mongolei? Etwa Urlaub?Außer ein paar Bildern von der schönen Landschaft, der wildromantischen Vorstellung eines Campingurlaubs zu zweit und einer ordentlichen Portion Neugierde habe ich so gut wie keine Ahnung, was mich in diesem mir völlig unbekannten Land erwarten wird. Beim Zwischenstopp am Moskauer Flughafen kommen mir erste Zweifel: So viel Natur und ich vier Wochen lang mittendrin? Sind die einzigen zwei Tage Zelten in Jesolo vielleicht zu wenig an Erfahrung? Kann ich meinen Burn-out vom gestressten urbanen Leben mit zwei Jobs und kaum Freizeit nicht auch bei einem Selbstfindungsseminar im Waldviertel bewältigen? Angst vor der Weite, vor dem Nichts? Vor dem Nichts zu zweit? Zu spät. Außerdem – tief in mir sagt ein ruhiges Gefühl: Alles wird gut ...


Start in Ulan-bator: UB (sprich „you beeee“) nennt man sie, die Hauptstadt der Mongolei mit knapp einer Million Einwohnern. UB ist keine Schönheit. Die Plattenbauten und das Heizkraftwerk in der Abendsonne mit der steirisch anmutenden Hügellandschaft dahinter wirken wie ein perfekt ausgeleuchtetes Bühnenbild für ein abstraktes Stück. Die Peace Avenue – Hauptstraße durch UB – ist eifrig bemüht, ein modernes, urbanes Bild abzugeben. Tosender Verkehr, Internet-Cafés, junge Mongolinnen, die ihre Nationaltracht gegen High Heels und Röhrenjeans eingetauscht haben; bettelnde Straßenkinder, familientaugliche Cafés mit angeschlossener Striptease-Bar, eine Jurte neben ­einer Werbefläche für Calvin Klein Jeans.

Ups – was ist das denn? Einige Relikte der letzten Partynacht haben den staubigen Mittelstreifen der vierspurigen Hauptstraße als Catwalk auserkoren. Kleidungsstücke fliegen durch die Luft, übrig bleiben Plateaustiefel und Pants. Transvestiten im Land des Dschingis Khan! Ach ja, Dschingis Khan – er begegnet uns überall: als Werbeträger auf Wodka-­Flaschen, Shirts, Teppichen, Tassen.

Was Nicole Janata außerdem über die Mongolei zu erzählen hat, lesen Sie in der August-WIENERIN.


Hoch zu... Kamel: Autorin Nicole Janata erkundet die Mongolei.


 

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