Lizzo zeigt sich im Bikini und alle drehen durch (leider nicht im positiven Sinne)

Auch im Jahr 2020 ist unsere Gesellschaft längst noch nicht bei Body Neutrality angekommen und reagiert auf die Bikinifotos mit Fatshaming. Das zeigen die aktuellen, ziemlich verstörenden Reaktionen auf Lizzos Urlaubsbilder.

Lizzo

Eine Frau geht an den Strand und trägt dort einen Bikini. "Na und?” wäre hier eine (wie wir finden) passende Reaktion. Handelt es sich bei dieser Frau allerdings um internationalen Popstar Lizzo und hat diese Frau keine von der Gesellschaft gewünschte 90-60-90-Figur, dann ist das ein Grund ordentlich auszurasten und drauflos zu schimpfen. Glaubt zumindest das Internet (bzw. mehrheitlich die Männer im Internet).

Das einzig Widerliche sind die Kommentare

Am Freitag teilte Klatschblatt Page Six einen Post mit Fotos von Lizzo in einem roten Bikini auf Twitter, begleitet von den Worten "Lizzo rockt knappen roten Bikini während ihres Strandaufenthalts in Brasilien".

Was dann geschah, ist kaum in Worte zu fassen: Hunderte kommentierten den Post und ließen sich über die Figur der "Juice"-Sängerin aus. Eine kleine Auswahl: "Ich fühle mich belästigt", "Musste mich grade übergeben", "Ich bin für meine Körpergröße selbst etwas stärker und würde NIE so etwas tragen. Mein Gott, sie sieht grauenhaft aus!" oder "Das Einzige, das sie rockt, ist Diabetes". Das waren noch die harmloseren Statements.

"Sorge" um Gesundheit

Viele der User*innen brachten zum Ausdruck, dass sie Lizzos Figur für ungesund halten und es problematisch finden, dass man positiv darüber berichtet. Newsflash: Der Gesundheitszustand eines Menschen ist nicht durch Kleidergröße, Gewicht, geschweige denn allein durch ein Foto einer Person feststellbar.

Unsere "Lifestyle-Choices" (also was wir essen, wie oft wir Sport machen) haben auch nur bedingt Einfluss auf unser Gewicht und Aussehen: Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden, zu 70 Prozent von den Genen abhängt. Darüber hinaus zeigen Forschungen, dass die Wahrscheinlichkeit gesunder Entscheidungen umso geringer ist, je unglücklicher jemand mit seinem Körper ist - was wiederum beweist, dass Fatshaming tatsächlich Einfluss auf unsere Gesundheit hat.

Schluss mit Bodyshaming

Zum Glück gab es unter den Twitter-Poster*innen immerhin ein paar (mehrheitlich Frauen), die die Problematik der zahlreichen Tweets erkannten und Lizzo für ihr Selbstbewusstsein feierten:

Hören wir doch also bitte endlich damit auf, die Körper von Frauen (komischerweise sind es ja hauptsächlich die) ständig zu beurteilen und zu kommentieren. Mit hasserfüllten Postings und oberflächlichen Diagnosen ist nämlich niemandem geholfen, im Gegenteil.

 

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