Lily Collins bekommt Kompliment für "magersüchtigen" Körper

In Netflix neuem Film „To the Bone“ kämpft Lily Collins als „Ellen“ gegen die Magersucht. Schon vor der Ausstrahlung häufen sich Komplimente und Kritik.

Allein der Trailer zu „To the Bone“ hat für Aufsehen gesorgt. Das Magersuchts-Drama ist nach„13 Reasons Why“ die nächste Produktion über psychische Erkrankungen und nicht weniger kontrovers.

Hauptdarstellerin Lily Collins hat für die Rolle der Anorexie-Patientin Ellen unter ärztlicher Aufsicht an Gewicht verloren. Ihr abgemagertes Aussehen hat ihr erschreckenderweise ernst gemeinte Komplimente eingebracht, wie sie in einem Interview mit The Edit, Net-a-Porter's Onlinemagazin, verriet.

„Eines Tages bin ich aus meiner Wohnung gegangen und eine Frau im Alter meiner Mutter, die ich seit langem kenne, sagte zu mir 'Oh, wow! Sieh dich nur an!' Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass ich das Gewicht für eine Rolle verloren habe. Und sie hat erwidert 'Nein, ich möchte wissen, wie du das machst. Du siehst großartig aus!' Ich bin zu meiner Mutter ins Auto gestiegen und habe gesagt: 'Deswegen gibt es dieses Problem überhaupt!'

Zu dünn für Magazine

Ganz anders reagierten die meisten Magazine. Collins wollte ihren anderen, Film „Rules don't Apply“ promoten, aktuelle Fotos wollte aber kaum jemand veröffentlichen, da sie zu dünn sei.

„Ich habe meiner Pressesprecherin gesagt, könnte ich jetzt einfach mit den Fingern schnippen und so zehn Pfund zunehmen, ich würde es sofort tun. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas sagen würde!“

Lily Collins litt selbst jahrelang an Anorexie, die Arbeit an To the Bones half ihr bei der eigenen Genesung.

„Es gibt eine Szene im Film, da sprechen wir in der Gruppentherapie über die Euphorie, die wir erleben. Ich habe es noch nie erlebt, dass dieser seltsame Vergnügen, dass wir in der Krankheit empfinden, so in Worte gefasst wurde. Und in diesem Moment habe ich als Lily das alles verstanden, nicht nur als mein Charakter Ellen.“

Wie stellt man eine Essstörung dar?

Natürlich war da die Befürchtung, die intensive Rolle würde zu einem Rückfall führen. Noch vor ein paar Wochen sagte Collins dem Shape Magazin: „Ich hatte schreckliche Angst, die Arbeit würde mich wieder zurückwerfen. Ich musste mich daran erinnern, dass sie mich eingestellt hatten, um eine Geschichte zu erzählen, nicht um ein bestimmtes Gewicht zu haben."

Kritik aus einer ähnlichen Richtung gab es in den letzten Wochen. Der Film würde Magersucht glorifizieren. Anorexie-Patienten, die akut betroffen sind, könnten sich in ihrer Krankheit ermutigt fühlen. Ehemalige Opfer, die sich in Genesung befinden, könnten durch die Bilder getriggert werden.

Außerdem erzähle "To the Bone", wie der Großteil der Stories über Essstörungen lediglich die Realität weißer, anorektischer Mädchen aus der Mittelschicht und das sei eine bereits bekannte Geschichte - dabei sind Essstörungen längst ein Problem, das leider weite Teile der Gesellschaft trifft. Und nicht alle davon sind weiblich, weiß oder dünn.

 

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