Lieber Boulevard, wir müssen über die Berichterstattung von Sportlerinnen reden!

Gedankensplitter. Wie österreichische Boulevard-Medien über Sportlerinnen berichten ist nicht zeitgemäß und diskriminierend.

In wenigen Tagen wird es für Österreichs Sportlerinnen und Sportler bei Olympia ernst und die ersten Bewerbe stehen an. Jahrelang haben sich die AthletInnen auf die Wettkämpfe vorbereitet, für viele sind die Olympia-Bewerbe ein wahr gewordener Traum.

Österreichs Boulevard-Medien schaffen es allerdings immer wieder, sich -besonders bei weiblichen Sportlerinnen- auf DAS WESENTLICHE (nämlich das Aussehen) zu fokussieren. Stellen Sie sich vor, eine Sportlerin fährt nach Olympia, ohne, dass man über ihren sexy Körper berichtet? Nein, das ist undenkbar!

Wieso ist es für österreichische Boulevardmedien immer noch so normal, Sportlerinnen auf ihr Äußeres zu reduzieren, anstatt sie für ihre Erfolge zu feiern?

Schwimmerin Lisa Kaiser und ihr Luxuskörper

Erst kürzlich in der "Kronen Zeitung" (Ausgabe vom 03.08.2016) gesehen: Olympia-Hoffnung und Schwimmerin Lisa Zaiser wird mit den Worten "Nixe" und "Luxuskörper" angeteast. (Liebe Krone, kleine Info: Wer Frauen auf seiner Titelseite objektiviert und damit auf das Äußerliche reduziert, darf 3 Seiten weiter nicht über das "zurückgebliebende Frauenbild der Ausländer" hetzen.)

Ja, Lisa Zaiser hat sicher einen tollen und athletischen Körper! Wissen Sie auch warum? Weil sie Schwimmerin ist und darin sogar so gut ist, dass sie bei Olympia Österreich vertreten darf. Und ihr "Luxuskörper" hat sie bestimmt nicht dorthin gebracht und ist daher in der Berichterstattung über eine Sportlerin irrelevant!

Hat schon irgendjemand darüber nachgedacht, dass es für Frauen und Sportlerinnen vielleicht unangenehm ist, ständig darauf angesprochen zu werden, wie sie aussehen? Was, wenn Frau Zaiser einfach ihre Leistung bringen will und dafür auch geschätzt werden möchte?

Beim Sport geht es um Leistung und nicht um das Aussehen. Sponsorenverträge dürfen nicht daran scheitern, dass Skifahrerinnen nicht so schön geschminkt sind wie Lindsey Vonn und Surferinnen nicht so zierlich und schön sind wie Models. Die beste Sportlerin hat das beste Material verdient - und nicht die Schönste.

Man kann auch ohne das Wort "sexy" über Sportlerinnen berichten

Wenn wir über männliche Sportler und ihre sportliche Leistung berichten können, ohne die Worte "sexy", "Aussehen" und "Hammerbody" im Artikel zu verwenden - dann muss das auch bei Frauen gehen. Alles andere ist einfach nur heuchlerisch und sexistisch und fördert ein Frauenbild, das nicht zeitgemäß ist und schon gar nicht in Medien verbreitet werden sollte.

Und dann werden vielleicht irgendwann auch einmal lesen: "Österreichs beste Schwimmerin zeigt bei Olympia, was sie drauf hat!".

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