Liebe und Freundschaft

C. und M. sind unzertrennlich. Sie telefonieren täglich, feiern am Wochenende bis in die Morgenstunden und verreisen gemeinsam. Doch plötzlich findet C. keine Zeit mehr für Treffen, am Telefon ist sie kurz angebunden. C. verbringt ihre Zeit lieber mit ihrem neuen Freund. Warum Freundschaft durch Liebe kompliziert wird, lesen Sie hier.

Die Freundschaft zwischen Singles kann so einfach sein. C. und M. waren ungebunden, niemand musste auf einen Partner Rücksicht nehmen, beide konnten spontan ausgehen oder bei der anderen die neueste Folge der Lieblingsserie ansehen. Gut, schon C.s letzte Beziehung war eine Zerreißprobe für ihre Freundschaft. C. hatte sich abgekapselt, meldete sich nicht mehr und zeigte wenig Interesse an gemeinsamen Treffen, stattdessen redete sie bei raren Zusammentreffen nur noch vom ihrem Liebsten. Damals hatte sie Besserung versprochen, nie wieder wolle sie so einen Fehler machen.

Freundin oder Liebe?
Doch plötzlich wird aus einem Flirt, über den beide gerade noch gelacht haben, mehr. Die Schmetterlinge in C.s Bauch schlagen Purzelbäume, sie trifft sich mit ihm statt mit M., plant die Wochenende mit ihm und den ersten romantischen Urlaub. Dass M. plötzlich zu kurz kommt, fällt C. dabei gar nicht auf. Sie wird schon Verständnis haben, frisch Verliebte brauchen eben mehr Zeit füreinander.
M.s Verständnis hat allerdings Grenzen. Klar, sie würde ihre Abende auch mit dem Mann an ihrer Seite verbringen, wenn dort einer wäre. Und der nächste Urlaub wäre sowieso für ihn reserviert. Aber M. würde sich zumindest einen Abend pro Woche für ihre beste Freundin freihalten, oder sie zurückrufen, wenn sie ihren Anruf verpasst, und mit ihr über andere Dinge reden, als ihren Freund.

Geben und nehmen
Vernachlässigt, enttäuscht, eifersüchtig? Vermutlich ist es eine Mischung aus all diesen Gefühlen, die M. empfindet. Vielleicht kann sich M. nicht genügend in ihre Freundin hineinversetzen, vielleicht ist aber auch das Geben und Nehmen in der Beziehung aus dem Gleichgewicht geraten. Genau dieses braucht eine Freundschaft, ebenso wie Freiwilligkeit und ein Mindestmaß an Gemeinsamkeit, um überhaupt zu funktionieren, sagt der Freundschaftsforscher Dr. Horst Heidbrink von der Fernuniversität Hagen.
Damit die Beziehung Bestand hat, müssen beide Partner außerdem kontinuierlich daran arbeiten. Oft hilft schon ein klärendes Gespräch zwischen Freundinnen, in dem offen über Gefühle gesprochen wird. Die vernachlässigte Seite sollte dabei einerseits Verständnis für die neue Lebenssituation der anderen zeigen, gleichzeitig aber ihre eigenen Gefühle aussprechen, Vorwürfe oder Eifersucht helfen dagegen wenig weiter.
Wer gemeinsam nach Lösungsansätzen sucht, wird bestimmt fündig - vorausgesetzt, beide wollen die Freundschaft aufrecht erhalten. Diese kann an die neue Situation angepasst werden: Wie wär es zum Beispiel mit einem regelmäßigen Frauenabend, einem wöchentlichen Telefongespräch oder einem monatlichen Sonntagsbrunch ohne männliche Begleitung? Und dem Versprechen, dass beide die Initiative ergreifen, wenn es zum Telefonate oder Treffen geht?

Wie sich die Beziehung zu Dritten auf die Freundschaft auswirken kann und ob sich ein Schlussstrich oder eine Neuauflage lohnt, erfahren Sie auf Seite 2.

Ende der Freundschaft
Woran zerbricht eine Freundschaft? Laut Horst Heidbrink läuft sie aus, meist weil sich die Lebenssituation verändert, oder wird aktiv beendet, oft aufgrund eines Vertrauensbruchs.

Glück
Liebe ist der Glücksfaktor Nr. 1: 88 Prozent der Singles brauchen einen Partner, um glücklich zu sein, für 82 Prozent ist die Zeit mit Freunden der Weg zum Glück. Vor allem unter 30-Jährige und Frauen setzen Liebe und Freundschaft auf der Glücksskala fast gleich hoch an, zeigt eine Umfrage von Elitepartner.de.

Vertrauen
Eine Cinzano-Umfrage zeigt: Für 70 Prozent der befragten Frauen hat Vertrauen den größten Wert in einer Freundschaft, gefolgt von Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. 71 Prozent können sich ein Leben ohne Freunde nicht vorstellen.

Der unbekannte Dritte
Dass viele Freundschaften allerdings an Dritten scheitern, zeigt eine Studie von Michael Argyle und Monika Henderson. Sie haben 150 Personen nach den wichtigsten Gründen für das Zerbrechen einer Freundschaft gefragt. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) nannt Kritik oder Eifersucht auf eine dritte Person als Grund für das Freundschaftsaus. Ob der Dritte ein anderer Freund, die neue Liebe oder ein Familienmitglieder ist, wurde nicht erhoben. Dass die Kritik am Lebenspartner die Freundschaft belastet, scheint aber naheliegend.


Neuauflage oder Schlussstrich?
Wer sich trotz aller guten Vorsätze nicht mehr viel zu sagen hat, weil sich die Freitzeitaktivitäten verändern oder die Freundeskreise langsam gewechselt haben, dem hilft vielleicht nur noch ein Schlussstrich. Verordnen Sie sich und ihrer Freundin eine Pause von vier Wochen mit absoluter Funkstille und ziehen Sie danach Bilanz. Vermissen Sie einander, würden Sie manchmal gerne zum Telefon greifen, um ihr den neuesten Klatsch zu erzählen? Geht es ihr genauso? Dann wagen Sie einen Neustart. Ist der Wunsch nach dem Freundschaftsneustart nur einseitig vorhanden, lohnt sich eine Neuauflage nicht.

Genügend Aufmerksamkeit für den Partner und die beste Freundin? Wie bringen Sie Beziehung und Freundschaft unter einen Hut?

 

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