Liebe Männer, hört endlich auf uns die Welt zu erklären

Jede Frau kennt es, jede hasst es: wenn Männer uns ständig und ungefragt Dinge erklären, die wir schon wissen und meist Sekunden zuvor bereits selbst erläutert haben. „Mansplaining“ nennt man das – und so funktioniert es.

„Mansplaining“ – ein Wort, das vor einigen Jahren aus dem Boden gestampft wurde und ein Phänomen beschreibt, für das wir lange schon den richtigen Begriff gesucht haben. Das Wort besteht aus einer Mischung aus „man“ und „explaining“ (erklären) und dient der Versicherung darüber, dass Männer - immer und zu jedem Thema - einen Wissensvorsprung besitzen. Die Autorin Rebecca Solnit brachte das Wort in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ auf den Punkt. Sie schreibt, dass die Folgen von Mansplaining verheerend sind: Frauen werden davon abgehalten, ihre Meinung zu sagen und sie werden zum Verstummen gebracht, was ihre Selbstzweifel nährt. Männer hingegen könnten ihr übermächtiges Selbstbewusstsein noch weiter stärken.

Das Online-Magazin ATTN hat kürzlich ein Video herausgebracht, das konkrete Beispiele für Mansplaining zeigt - und seitdem tausendfach geteilt wurde:


7 Arten, wie Männer uns die Welt erklären


Grund genug, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir haben die 7 häufigsten Arten, wie Männer uns die Welt erklären, zusammengenfasst:

1: „Ich bin jetzt dran!“: Der Unterbrecher

Gerade wenn frau ansetzt, um etwas zu erklären, unterbricht einen der nächste Herr in der Runde und führt das Argument weiter. Mit belehrender Stimme und Besserwisser-Pathos. Das beste Beispiel erklärt die Schriftstellerin Rebecca Solnit selbst, die aufgrund dieses Ereignisses das Wort „Mansplaining“ in Umlauf gebracht hat: Ein Mann auf einer Party fragt sie nach ihren Büchern. Sie will gerade über ihr neuestes Buch über Eadweard Muybridge reden, als der Mann sie mitten im Satz unterbricht und fragt: „Haben Sie schon von dem neuen Muybridge-Buch gehört?“ Unwissend, dass Solnit selbst es geschrieben hat. Doch Rebecca Solnit ging – in ihrer naiven Art, wie sie schreibt – sogar davon aus, dass es noch ein anderes, besseres Buch als ihres gäbe. Oder um es in ihren Worten zu sagen: „Mit dieser selbstgefälligen Miene, die ich von schwadronierenden Männern so gut kenne, den Blick auf den fernen, unscharfen Horizont der eigenen Autorität gerichtet.“ Was hilft: darauf hinzuweisen, dass man unterbrochen wurde, weiterreden, oder bei ganz hoffnungslosen Fällen ein Getränk holen und nie wieder kommen.

2: „Das erkläre ich dir jetzt mal genauer“: Der Experte

Gepaart mit einem tiefen Durchatmer und einem mitleidigen Blick, bevor der eigentliche Vortrag beginnt, ist diese Form der männlichen Welterklärungen wohl eine der häufigsten. Unabhängig davon, ob frau diese Erklärung überhaupt hören will, oder die Lösung nicht selbst schon längst parat hat. Ganz schlimm wird es bei Themen, mit denen sich Männer besonders gut auszukennen scheinen (siehe dazu Punkt 6). Denn der Experte gibt einer auch immer gleich das Gefühl: „Das wirst du nie wissen. Wie auch? Du bist ja eine Frau.“ Aber, Achtung: ihre Erklärungen dürfen nicht in Frage gestellt werden! Der Experte sucht nämlich Bewunderung und Anerkennung. Da ist ihm jedes Mittel recht, um die anderen abzuwerten ("Dein Studium ist ja nichts wert."). Selbstverherrlichung ist nicht umsonst das Nummer-Eins-Ziel von Mansplainern.

3: „Ich bin zwar kein Experte, aber ich kenne mich trotzdem besser aus“: Der Besserwisser

Gewalt gegen Frauen, Menstruationsbeschwerden, Feminismus – egal um welches Thema es geht, der Besserwisser kennt sich immer besser aus. Schließlich hat er schon einmal einen Absatz in einem wichtigen Magazin darüber gelesen, oder sogar ein Facebook-Posting über Feminismus („gegen Männer!“) gesehen, dem er voll und ganz zustimmt. Oder er hat einen besten Freund, der einen Freund hat, dessen Schwester der gleichen Meinung ist, obwohl sie eine Frau ist. Es sind also immer harte Fakten, die auf den Tisch gelegt werden. Ganz egal, ob sich die Gesprächspartnerin seit Jahren mit diesem Thema auseinandersetzt, es vielleicht sogar beruflich macht, oder sich mit Menstruationsbeschwerden und sexueller Belästigung einfach besser auskennt, weil sie eine Frau ist – das gilt alles nicht. Auch der (mehrmalige) Hinweis darauf, dass man sich eventuell doch vielleicht besser auskennen könnte und dass man nicht mehr darüber diskutieren möchte oder sich sogar unwohl fühlt, stoppt den Besserwisser nicht in seiner Erklärungswut. Will frau aus der Diskussion aussteigen, ist das für ihn lediglich ein weiteres Zeichen für ihre endlose Ahnungslosigkeit. Das Gute daran: wir müssen ihm ja nicht zuhören, wenn wir nicht wollen.

4: „Na schau her, ich zeig‘ dir das“: Die Vaterfigur

Glühbirnen, Computer, Autoreifen – noch immer herrscht in vielen Köpfen die Vorstellung vor, diese Aufgaben seien für Frauen nicht zu bewältigen und deshalb müsse ein starker, kluger Mann her, der einer das Ruder aus der Hand reißt und sofort weiß, wie der Hase läuft. Das Schlimmste daran ist ja: wir sind daran gewöhnt, manche von uns kennen es schließlich noch von unseren Eltern, wo traditionelle Geschlechterrollen normal waren. Da hat der Vater die Glühbirnen gewechselt und die Mutter sich gar nicht erst daran versucht. Was hilft: sich mehr zuzutrauen, auszuprobieren und auch mal Fehler zu machen. Schließlich sind Männer nicht autofahrend und glühbirnenwechselnd auf die Welt gekommen, auch sie mussten es irgendwann lernen. Das scheinen die meisten von ihnen aber bereits vergessen zu haben.

5: „Die bessere Frage ist ja… ;)“: Der Patron

„Patronizing“ – noch so ein Begriff, der zu so vielen Situationen passt. Wenn jemand „patronisiert“, dann redet er zu einem anderen herab, weiß alles besser und ist um Längen weltmännischer als der Rest. Das Schlimmste daran ist aber: der Rat ist in seinen Augen „gut gemeint“, er wollte „nur helfen“, meist noch mit einem Schulterklopfen – und wenn das nicht geht, wie auf Twitter, Facebook & Co., dann kommt das verhasste Zwinkersmiley zum Einsatz. Das Problem daran: auch ein gut gemeinter Rat kann abwertend sein – nämlich dann, wenn man die Erfahrungen und das Wissen anderer nicht ernst nimmt, und das Ganze noch mit einem „Ist ja schon gut“-Zwinkersmiley aka Schulterklopfen abrundet.

6: „Das kannst du als Frau ja gar nicht wissen“: Das Clubmitglied

Autos, Fußball, Poker – alles Themen, auf die Männer das Expertentum gepachtet haben. Da hilft es auch nicht, wenn frau sich an diesen anspruchsvollen Gesprächen („Das Tor war schon geil!!“) ebenso beteiligt oder es sie schlicht und einfach nicht interessiert – weil intellektuell unterfordert – und sie ihre Meinung offen kundtut. Denn die Erklärung für ihr Desinteresse haben sie dann gleich parat: „Da kennen sich Frauen nicht aus.“ Ebenso beliebt: „Ach, das ist zu kompliziert für dich.“ Einer unserer Lieblingsdialoge in dieser Hinsicht kommt aus der Serie „Veronica Mars“ – „Weißt du überhaupt, wie man Poker spielt?“, wird Veronica darin gefragt. Sie sagt: „Nein, aber es muss wirklich schwer sein, wenn ihr Männer das alle könnt.“

7: „ICH denke…“: Der Hahn im Korb

Gruppendiskussionen – ein leidiges Thema. Frauen, denen schon der Arm einschläft, weil sie so lange aufzeigen, nie an die Reihe kommen und ihn dann doch irgendwann wieder fallen lassen, weil Männer, die die aufzeigenden Frauen ignorieren, ohne jede Ankündigung und gerade heraus einfach ihre Meinung laut herausbrüllen. Das Interessante daran: sogleich wird es still im Raum - auch wenn nur ein einziger Mann unter dutzenden Frauen sitzt. Seine Stimme alleine verleiht ihm eine merkwürdige Autorität. Was helfen kann: die Männer auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen - und das so oft es eben sein muss. Von selbst kommen sie nicht drauf, schließlich sagt die Gesellschaft ihnen ständig, dass ihre Meinung mehr wert ist als die von Frauen – ergo werden sie sie auch weiterhin ungefragt kundtun.

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