Liebe Männer, bitte hört auf, eure Beine breit zu machen

Die spanische Hauptstadt Madrid setzt ein starkes Zeichen gegen Manspreading. Das ist auch in Wien längst überfällig.

Ich sehe nur Lackschuhe. Wie immer in der U-Bahn starre ich auf mein Handy. Daher sehe ich nur grindige Lackschuhe und dicke, behaarte Beine, die unter einem zu kurzen Nadelstreifenanzug hervorschauen.

Breitbeinig setzt er sich mir gegenüber und pustet mir - so laut er kann, wie es scheint - ins Gesicht, wegen der Anstrengung des Hinsetzens. Neben ihm hätte wohl nur eine 30-Kilo-Person Platz, weil er sich so breit macht wie nur irgendwie möglich. Dabei spüre ich seine penetranten Blicke und will kotzen. Okay, Mann, wir haben kapiert, dass du da bist. Applaus!

Bitte setzt euch doch einfach so hin, dass andere nicht bedrängt werden

Eine Situation, die jede Frau aus öffentlichen Verkehrsmitteln kennt: Männer, die sich so breitbeinig wie möglich hinsetzen, um die Sitznachbarin (un-)absichtlich zu berühren, oder weil sie einfach nicht kapieren, dass sie stören. Schließlich glauben sie, ihnen gehört die Welt. Das Phänomen ist als "Manspreading" bekannt, und hat fast jede Frau schon ein- oder mehrmals zur Weißglut getrieben.

Doch es gibt Hoffnung: In Madrid wird jetzt gegen Männer, die breitbeinig in den Öffis sitzen, vorgegangen. Die städtischen Verkehrsbetriebe planen in allen Fahrzeugen und Wägen Schilder anzubringen, die Mitfahrenden signalisieren, dass sie ihren Beinen nur so viel Platz einräumen sollen, damit auch alle anderen bequem sitzen können.

Gestartet wurde der Aufruf von Frauenrechtsaktivistinnen unter dem Hashtag #MadridSinManspreading und einer Online-Petition, die die Stadt dazu aufforderte, etwas gegen Manspreader zu unternehmen.

"Dude, stop the spread, please – it’s a space issue"

Die Idee kennen wir bereits aus New York, wo ebenfalls Schilder angebracht wurden, auf denen die Beinspreizer aufgefordert werden, sich zu benehmen: "Dude, stop the spread, please – it’s a space issue."

Dass dieses Problem keine "Kleinigkeit" ist, sondern tief verwurzelt in der Vorstellung, dass den Männern der öffentliche Raum gehört, darauf haben seither viele hingewiesen. Frauen machen sich unsichtbar, während Männer Platz einfordern.

Und dieses Verhalten wird Buben bereits im Kindesalter heransozialisiert, wie Ina Hunger, Professorin für Sportwissenschaft an der Universität Göttingen, in einer Studie festgestellt hat. Sie beobachtete Kleinkinder beim Spielen und wie sie sich dabei bewegen. Das Ergebnis: Buben wurde gesagt, sie können sich "austoben" und somit mehr Platz einnehmen, während Mädchen eher auf einem kleinen, begrenzten Raum gespielt haben.

Ich finde jedenfalls: Liebe Wiener Linien, von Madrid könntet ihr euch etwas abschauen. Traurig ist es zwar schon, dass manche mit Schildern und Kampagnen darauf hingewiesen werden müssen, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen - aber von alleine ändert sich offenbar nichts.

 

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