Liebe Männer: 15 Ideen, wie ihr den Alltag von Frauen ein bissi leichter machen könnt

Auch 2022 sind Frauen noch benachteiligt. Zum feministischen Kampftag ein paar Anregungen, wie ihr, liebe Männer, einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit leisten könnt.

Liebe Männer: 15 Ideen, wie ihr den Alltag von Frauen ein bissi leichter machen könnt

"Wozu braucht es denn noch einen Weltfrauentag? Männer und Frauen sind doch eh schon gleichberechtigt!" – Allen, die Derartiges behaupten, können wir nur sagen: Von tatsächlicher Gleichberechtigung der Geschlechter sind wir leider auch noch 2022 weit entfernt.

Einige Benachteiligungen sind offensichtlich (wie die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen) oder die Doppel- und Dreifachbelastung, der Frauen nach wie vor oftmals ausgesetzt sind.

Andere Diskriminierungsformen sind etwas subtiler und werden leichter übersehen. So wissen viele Männer zum Beispiel gar nicht, dass sich Frauen bzw. nicht cis-männlich gelesene Personen weit weniger frei und sorglos im Alltag bewegen können oder wie es sich anfühlt, ständig auf sein Äußeres reduziert zu werden.

Wir haben 15 Ideen gesammelt, wie ihr, liebe Männer, zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Alltag beitragen könnt. Schaut mal:

1. Kommuniziert euer Gehalt offen: Frauen verdienen in Österreich sowie in den meisten anderen Ländern nach wie vor deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Expert*innen sind sich einig, dass es für faire Entlohnung dringend mehr Gehaltstransparenz braucht. Sprechen wir also offener über Gehälter, werden Ungleichheiten schneller sichtbar und lassen sich eher korrigieren.

2. Wechselt in der Nacht die Straßenseite: Als weiblich gelesene Person nachts allein unterwegs zu sein, kann ganz schön Angst machen. Bereits im Kindesalter werden Mädchen darauf gedrillt, immer in Alarmbereitschaft zu sein, am besten nie allein draußen herumzulaufen und sich nicht zu knapp zu kleiden (das könnte Männer ja ~auf Gedanken bringen~). Fast alle Frauen haben in ihrem Leben ein oder mehrere Erfahrungen mit sexueller oder gewalttätiger Übergriffigkeit gemacht. Ängste auf dem Nachhauseweg sind also nicht unbegründet. Das Mindeste, was ihr als Männer tun könnt, ist Abstand halten, die Straßenseite wechseln oder versuchen, zu vermitteln, dass ihr keine Gefahr darstellt (etwa durch lautes Telefonieren).

3. Weist andere Männer bei gewalttägiger und diskriminierender Sprache zurecht: Euer Kumpel haut einen sexistischen Witz raus oder spricht abwertend über seine Freundin? Macht ihm klar, dass das nicht cool oder witzig ist, anstatt drüber zu lachen!

4. Lasst Frauen ausreden bzw. zu Wort kommen: Oft werden Frauen in Besprechungen übergangen oder männliche Kollegen fallen ihnen ins Wort. Achtet vermehrt darauf und gebt Kolleginnen die Möglichkeit, ihre Gedanken einzubringen. Weist andere Männer darauf hin, wenn sie gerade einer Frau ins Wort fallen (oder gar Vorschläge, die zuvor bereits von einer Frau gebracht wurden, als die eigenen präsentieren).

5. Übernehmt Care-Arbeit: Nach wie vor sind es in der Regel die Frauen, die sich um die Kinder kümmern und die Pflege von alten bzw. kranken Angehörigen übernehmen (was oftmals finanzielle Schwierigkeiten und Armut im Alter nach sich zieht). Geht in Karenz, nehmt die Vaterrolle wahr und schiebt Pflegeaufgaben nicht automatisch Frauen in eurem Umfeld zu.

6. Lasst das mit dem Manspreading! Geht nicht davon aus, dass euch immer der meiste Platz zusteht und sich Frauen bitte nach euch richten sollen. Ihr sitzt breitbeinig in der U-Bahn während sie mit überschlagenen Beinen in der Ecke kauern muss? Hallo? Nicht cool!

7. Seid euch eurer Privilegien bewusst: Bei eigentlich allem, was ihr sagt und tut, solltet ihr im Hinterkopf haben, dass ihr es als Männer in der Regel etwas leichter habt bzw. eure Situation/Ausgangslage eine andere ist. Reflektiert eure Privilegien und nutzt sie, um auf Benachteiligungen und Diskriminierungen hinzuweisen.

8. Macht Hausarbeit und überlasst sie nicht automatisch der Frau: Wie Care-Arbeit sollten auch Hausarbeiten nicht zwangsläufig der Frau zukommen. Ihr lebt gemeinsam in einem Haushalt? Dann solltet ihr anfallende Aufgaben fair zwischen euch aufteilen! Eigentlich logisch, oder?

9. Schlagt nicht die eigenen Hawara für Posten bzw. fördert Frauen im Job: Gerade im beruflichen Kontext haben es Frauen oft schwerer und bekommen seltener die Möglichkeit für Aufstiegschancen, da Führungspositionen meist von Männern besetzt sind und diese wiederum andere Männer für offene Stellen vorschlagen. Auch die komplizierte Vereinbarkeit von Job und Kinderbetreuung erschwert die Aufstiegschancen für Frauen (weshalb es hier strukturelle Anpassungen bräuchte). Achtet auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Team und gebt Frauen die Chance auf berufliche Weiterentwicklung.

10. Lernt, über Gefühle zu sprechen: Geschlechterstereotype können auch Männer benachteiligen, etwa indem ihnen eingeredet wird, dass es "unmännlich" sei, über Emotionen zu sprechen. Für funktionierende Beziehungen ist dies aber notwendig.

11. Kommuniziert offen über Sex und Consent: Anschließend an den vorherigen Punkt, ist es wichtig, auch offen über sexuelle Bedürfnisse sowie Grenzen und Consent zu sprechen (ohne Consent, kein Sex!). Fragt, ob ein Kuss okay ist und geht nicht davon aus, dass Schweigen Zustimmung bedeutet.

12. Achtet auf die Bedürfnisse eurer Partnerin: Geht nicht davon aus, dass der Sex vorbei ist, nur weil ihr gekommen seid. Und natürlich auch abgesehen von Sex: Achtet darauf, was eure Partnerin braucht, seid für sie da und bietet emotional support.

13. Informiert euch darüber, wie ihr ein besserer Liebhaber werdet: Siehe Punkt 12. Do your homework, please.

14. Lest Bücher von Autorinnen: Werft mal einen Blick in euer Bücherregal. Wie viele Bücher von Autorinnen/nicht cis-männlichen Personen seht ihr? Wie sieht es mit den Podcasts aus, die ihr hört? Lauter weiße Männer? Erweitert euer Weltbild, achtet beim Konsum von Medien (oder auch den Menschen, mit denen ihr im Alltag interagiert) auf Diversität und verlasst ab und zu eure Bubble.

15. Achtet bei Veranstaltungen auf das Geschlechterverhältnis: Wie viele weibliche Acts treten bei dem Festival auf? Wie viele sind für einen Preis nominiert? Achtet auf Ungleichheiten und Benachteiligungen und macht darauf aufmerksam.

 

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