Liebe Frau Gürtler, liebe Frau Gedeck - wie wärs mit Frauensolidarität?

"Ich will keine Feministin sein" - dieser Satz scheint unter Promifrauen neuerdings total in zu sein. Elisabeth Gürtler oder Martina Gedeck haben ihn erst kürzlich wieder gesagt. Aber warum können sich privilegierte Frauen eigentlich nicht mit anderen Frauen solidarisieren, fragt sich stellvetretende WIENERIN-Chefredakteurin Ursula Neubauer.

"Ich bin keine Feministin." Ein Satz, den zwei bekannte Frauen in Interviews mit "Der Standard" letztens gesagt haben. Einmal wehrt sich Elisabeth Gürtler, langjährige Sacher-Chefin und Leiterin der Spanischen Hofreitschule, mit Händen und Füßen dagegen. Das andere Mal Schauspielerin Martina Gedeck. Und das ist weder cool, noch nur eine Wortklauberei, sondern einfach nur tragisch.

Denn wenn schon die erfolgreichen, privilegierten Frauen nicht zum Feminismus stehen, nicht einsehen, warum es wichtig wäre, dass gerade sie sich dazu bekennen und echte Vorbilder sind für andere Frauen, wie soll dann eine männerdominierte Gesellschaft verstehen, dass bis zu echter Gleichberechtigung noch viel zu tun ist? Und das Thema ein wichtiges ist?!

Mich betriffts nicht, das ist die Hauptsache?

Sowohl Elisabeth Gürtler, als auch Martina Gedeck erklären in den besagten Interviews, dass sie selber nie Benachteiligung erlebt hätten. Ja, das ist schön für die beiden. Und? Was heißt das? Dass man sich nur für Dinge einsetzen kann, die einen selbst betreffen oder betroffen haben? Hätten das alle Menschen, die jemals für etwas gekämpft haben, auch so gesehen, unsere Welt würde wohl anders ausschauen. Und sie müssten ja noch nicht einmal aktiv für Frauenrechte kämpfen, aber durch ihre Ablehnung dem Feminismus gegenüber legitimieren sie jedes (eher männliche) Argument, das sagt: Brauchen wir eh alles nicht. Ist doch eh alles gut. Nein, ist es nicht! (Und dass man das immer wieder sagen muss, wo wir grade erst den Equal-Pay-Day hinter uns haben, ist traurig).

Oder stimmt es vielleicht einfach, dass Frauen stutenbissig werden, sobald sie erfolgreich sind? Weil sie sich ihren Platz im noch immer männerdominierten Erfolgsolymp gesichert haben - und gegenüber anderen Frauen verteidigen wollen? Nur so ein Gedanke ...

Frauen und Solidarität - das gibt's wohl nicht

"Ich stehe dafür, dass Frauen für gleiche Leistung gleich behandelt werden", sagt Elisabeth Gürtler in diesem Interview, gleich nachdem sie sagt, dass sie keine Feministin sei. Aus meiner Sicht ein Widerspruch. Denn der Feminismus steht genau dafür: für die echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern, für die Selbstbestimmung von Frauen, für Menschenwürde, die keinen Unterschied macht zwischen den Geschlechtern. Aber wenn Frauen, die glorreiche Wegbereiterinnen sein könnten, so tun als wäre der Feminismus eine Krankheit, dann haben wir echt ein Solidaritätsproblem.

Frau Gürtler ist gegen die Frauenquote (über die man auch diskutieren kann, aber besseren Hebel, um veraltete Strukturen aufzubrechen, haben wir im Moment einfach keinen). Frau Gedeck findet weibliche Heldinnenfiguren im Film langweilig. Na bravo. Die Frau also lieber wieder schön in die untergebene Opferrolle drängen? Ist ja nur ein Film? Ist ja nur ein Film. Sagt ja nur eine Schauspielerin. Die aber durch ihre Prominenz enormes Gehör findet! Dass sie diese Aufmerksamkeit nicht nutzt, um auch gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen und ignoriert, dass die Art, wie Frauen in TV und Kino dargestellt werden, einen Einfluss auf die Gesellschaft hat, das ist wirklich traurig!

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Gut, dass es aber auch Frauen wie Maria Furtwängler gibt, die hat unlängst mit einer Studie über das Ungleichgewicht der Geschlechter im Fernsehen auf Missstände hingewiesen. Diese Missstände gibt es nämlich. Wirklich. Und sie betreffen viele Frauen. Liebes Österreich, können wir bitte auch ein paar mehr Maria Furtwänglers haben! Danke!

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