Liebe

Großes Kino: Mit Michael Hanekes Cannes-Sieger Liebe schickt Österreich ein elektrisierendes Meisterwerk ins Rennen um den Auslands-Oscar 2013. Virtuos: Jean-Louis Trintignant & Emanuelle Riva als Ehepaar am Abgrund.

Ein Mann, seine Frau, eine Pariser Altbauwohnung. Zärtlich streicht Anne (Emmanuelle Riva) über alte Fotos ihres inzwischen über 80-jährigen Ehemanns Georges (Jean-Louis Trintignant). Jahrzehnte gelebter Gemeinsamkeit zwischen Leiden- und Komplizenschaft festgehalten in einem verstaubten Fotoalbum. Schön war es damals. Auch wenn Georges sich ziemlich verändert hat.

“Du warst ein Monster!“ Von einem Scheusal hat der gepflegte, ältere Herr rein gar nichts. Liebvoll fuzelt er das Rindsschnitzel für seine Frau in kindgerechte Bissen, reicht charmant ein Glas Rotwein und versucht, den schwierigen Alltag der launischen Herrin seines Herzens so “normal“ wie möglich ablaufen zu lassen.

Liebe

Ein Ding der Unmöglichkeit, denn Annes Licht ist dabei zu verlöschen. Eine verstopfte Halsschlagader und ein Schlaganfall haben bei der Musikerin zu einer halbseitigen Lähmung geführt. Eine missglückte Operation und zunehmende Demenz zwingen die widerspenstige Intellektuelle zuerst in den Rollstuhl dann ins Bett.

Mit bestechender Klarheit, aufopfernder Hingabe, übermenschlicher Kraft und großer Zärtlichkeit begleitet Georges die zerbrechlich gewordene Anne auf ihrem letzten Weg. Die gemeinsame Tochter (Isabelle Huppert) weint. Sein Versprechen, Anne niemals als Pflegefall in ein Heim abzuschieben, hält Georges eisern. Auch wenn er damit nicht nur die eigenen Grenzen der Belastbarkeit überschreitet ...

Amour ohne fou, Kunst ohne Kitsch, Sensibilität ohne Sentimentalitäten, Kraft ohne Prahlerei. Liebe ohne Kompromisse.
Kein Film von Michael Haneke geht so sehr unter die Haut wie dieses berührende Kammerspiel zweier hervorragenden Schauspieler. Den Oscar hat Österreich schon so gut wie in der Tasche!
 

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