Let's talk about Blümchensex!

Pornos, Bondage oder neues Sexspielzeug? Eigentlich hat der Großteil der Bevölkerung am liebsten sehr durchschnittlich Sex. Und das ist auch voll okay!

Paar kuschelt

Es ist Freitagabend und ich liege erschöpft vor dem Fernseher. Müde von der Arbeitswoche, vom Familienleben, vom ganz normalen Alltagsstress. Mit der einen Hand am Smart­phone scrolle ich mich durch Social Media. Im TV rennt mal wieder Fifty Shades of Grey. Was mir schon seit Längerem immer wieder auffällt: Irgendwie dreht sich alles – oder zumindest vieles – um Sex. Bondage-Film hier, Erotikroman da, Sex-Podcast dort und Sex-Positive-Party da drüben. "Wer schafft das im echten Leben?", denke ich mir. Denn wenn ich mich in meinem Freundinnenkreis so umhöre, klingen die Geschichten eher nach Blümchensex als nach wilden Orgien. Die Vertrautheit mit dem*der Partner*in steht da eher im Vordergrund als neue Experimente. Ist das deshalb fad? Ich finde nicht.

Gut, verglichen mit vorherigen Generationen wird heutzutage schon recht offen über Sexualität gesprochen – öffentlich sowie auch privat. Ob heterosexuell oder gleichgeschlechtlich, in einer offenen Beziehung, single oder in einer monogamen Partnerschaft: Wir haben die Wahl, und das ist auch gut so. Doch was ist, wenn einem das, was in den Medien propagiert wird, persönlich zu steil ist?

The winner is...

...Blümchensex. Umfragen zeigen: Die Mehrheit wünscht sich im Bett nichts allzu Ausgefallenes. Mehr als zwei Drittel ziehen Slow Sex einem Quickie vor, möchten es lieber romantisch statt mit Dirty Talk; die zweitliebste Sexposition ist nach wie vor die Missionarsstellung. Top unter den geheimen Wünschen ist es, einen Dreier zu haben – nicht etwa Bondage; das gab nur die Hälfte jener an, die sich den Dreier wünschen. Auch beim Thema Ort wollen die meisten mal wieder in der Natur oder im Hotel Sex haben. Und zur Häufigkeit: Die meisten haben mehrmals im Monat Sex, nur drei ­Prozent täglich. Die Umfragedaten stammen aus dem Amorelie-Sexreport 2022 und zeigen, dass "Blümchensex" wieder im Kommen ist – oder nie wirklich out war.

Offenheit

Oft wird einem durch die Medienindustrie vorgespielt, was in puncto Sexualität alles möglich ist – das kann verwirrend und beeinflussend sein. Die Paar- und Sexualberaterin Claudia Sima erklärt: "Ich habe ab und zu Anrufe von sehr jungen Menschen, die die Pornowelt als real einstufen und im Zuge dessen mit Ängsten und auch unerfüllbaren Erwartungshaltungen in die Sexualität gehen".

Viele haben deshalb Angst, ihrem*ihrer Partner*in wirklich zu sagen, was ihnen gefällt, und dann vielleicht bewertet oder sogar als nicht normal bezeichnet zu werden – unabhängig davon, ob es Kuschelsex ist, um als fad eingestuft, oder BDSM, um als pervers abgestempelt zu werden. Deshalb gilt als erster Schritt: sich selbst erforschen und die wirklich eigenen Bedürfnisse herausfinden, um so dem*r anderen das auch mitteilen zu können. Sex soll Spaß machen und ein gutes Gefühl mit sich bringen – das ist, was zählt und zu einem erfüllten Sexualleben führt.

 

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