Lesbos: Essensrationen für Kinder und Jugendliche auf 1.000 Kalorien pro Tag reduziert

Auch das Trinkwasser wird knapp: Pro Familie gibt es nur noch neun Liter am Tag. Das gilt auch für Familien mit mehr als sechs Personen.

Mädchen schiebt kleines Kind im Kinderwagen

Die dramatische Lage im Flüchtlingslager 'Moria' auf der griechischen Insel Lesbos spitzt sich immer weiter zu. Die Versorgung der Menschen kann kaum noch gewährleistet werden. Die Gefahr eines Ausbruchs des Coronavirus macht die Situation noch angespannter.

"Das größte Flüchtlingslager Europas wird sich selbst überlassen“

Wie die Seenotrettung Mission Lifeline berichtet, hat man die Essensversorgung für Kinder und Jugendliche im Lager Moria, in dem sich momentan rund 20.000 Geflüchtete aufhalten, nun auf 1.000 Kalorien pro Tag herabgesetzt. Auch bekommen die Menschen mittlerweile weniger zu trinken. Mission Lifeline schildert auf Twitter die verheerenden Zuständen vor Ort: "Wasserversorgung im Camp #Moria wird nach & nach eingestellt. Die Krätze ist ausgebrochen, es gibt fast keine Medikamente. Immer weniger Menschen ist es gestattet, das Camp kurzzeitig zu verlassen. Das größte Flüchtlingslager Europas wird sich selbst überlassen."

Die Menschen haben kaum Möglichkeit, sich zu waschen

"Die Wasserversorgung im nicht-offiziellen Teil ist komplett eingestellt. Im Hauptquartier ist die Versorgung, wie auch gerade im Moment, immer wieder unterbrochen, mittlerweile seit zwei Stunden. Die machen so langsam das Ding dicht“, so Axel Steier, Sprecher von Mission Lifeline gegenüber FOCUS Online. Die Organisation teilte am Mittwoch ein Video auf Twitter, worin zu sehen ist, wie Leute im Lager vergeblich versuchen, sich an Wasserhähnen die Hände zu waschen. Duschen sei nicht möglich, wie eine Stimme im Video erklärt.

Corona wäre eine Katastrophe

Auf Lesbos gibt es bis dato zwei bestätigte Corona-Fälle. Bisher hat das Virus das Camp in Moria anscheinend noch nicht erreicht, allerdings hätten die Menschen auch kaum Möglichkeit, sich testen zu lassen, erklärt Steier. Laut dem Mission Lifeline-Sprecher würde man die Geflüchteten im Lager festhalten und ihnen medizinische Versorgung verwehren: "Gestern wurden Menschen davon abgehalten, das Camp zu verlassen, um einen Arzt aufzusuchen, darunter auch eine hochschwangere Frau.“

Der Ausbruch des Coronavirus im Flüchtlingslager wäre fatal. In einem Interview des Radiosenders radioeinserklärt Steier: "Wenn dort jemand infiziert ist, dann ist es in kürzester Zeit so, dass fast alle infiziert sein werden. Es ist jetzt schon eine Riesenkatastrophe! Wenn Corona kommt, rechnen wir mit bis zu 1.000 Toten."

Ihr wollt helfen?

In den letzten Monaten hat sich die Lage in Griechenland dramatisch verschärft. Extrem viele Menschen, die vor Krieg, Terror und Not geflüchtet sind, müssen jetzt in überfüllten Flüchtlingslagern unter prekären Umständen ausharren. Das Hilfspaket der Caritas versorgt diese Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Medikamenten und stellt Notunterkünfte bereit. Vor allem Kinder, Schwangere und alte Menschen sind auf Unterstützung angewiesen.

Mehr unter caritas.at

 

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