Leise rieselt ...

WIENERIN-Chefredakteurin Sylvia Margret Steinitz über die "Tücken" ein Gruppenfoto der gesamten Redaktion in den Kasten zu bekommen.

Es gibt Leute, die behaupten, ich sei eh lieb. Aber ich kann auch sehr lästig sein, wie die Entstehungsgeschichte des Fotos oben zeigt. Es war mitten in der Schlussproduktion, als ich mir einbildete, in der Jänner-Nummer bräuchten wir un-be-dingt ein Gruppenfoto. „Das geht aber nur noch heute", erklärte die Chefin vom Dienst, Katrin Scheiblhofer. „Und es sind nicht alle da ..." - „Egal", rief ich, „das produziert ein bissi Festtagsstimmung!" Die Kolleginnen mussten Layouts und Artikel im Stich lassen, zogen sich ergeben an und stapften in den Hof. Im Kammerl fand ich einen Sack Kunstschnee. Sehr gut, draußen war's eh nicht winterlich.

Fotochefin Geli Goldmann hatte, auf der Feuertreppe stehend, das Kommando: „Näher zusammen!" Man drängte sich aneinander, ein paar Stimmen ertönten: „Aber nicht den Schnee auf uns schmeißen, das geht so schwer raus!" „Ah, geh", zwitscherte ich, wuselte um die Gruppe herum und verteilte munter weiße Häufchenauf Mützen und Schultern. „Aber nicht werfen!", flehte die Artdirektion. „Keine Sorge!", erklärte ich mit liebreizendem Lächeln und verbarg eine Ladung hinter meinem Rücken. Als endlich alle standen und in hinterrücks zwei weiße Wolken in die Luft. „Neeeiiiin!", schrie die Redaktion. „Jaaaa!", rief ich und fand das alles superlustig. Einige bekamen eine Ladung in die Augen („Ich seh' nix mehr!"), andere in den Ausschnitt („Waaah, mir rieselt alles in den BH!"). Währenddessen fraß Redaktionshund Nr._1 ein Viertelkilo Kunstschnee, den er in der folgenden Nacht portionsweise ausspeiben sollte. Da nahm ich Redaktionshund Nr. 2 lieber auf den Arm. Zu spät.

Als das Bild im Kasten war, sah der Hof aus, als hätte sich eine Sekte zum Ausdruckstanz versammelt: Unter Verrenkungen und Stampfen versuchten die Kolleginnen, den Schnee aus Haaren und Kleidung zu kriegen. Das Ergebnis sieht halt ein bisserl aus wie das Bewerbungsfoto für ein städtisches Hip-Hop-Projekt. So sorry! Aber zählt nicht die gute Absicht? Tage später entdecke ich übrigens immer noch Plastikfuzerl an den unmöglichsten Stellen. Kunstschnee, sag ich Ihnen, ist noch hartnäckiger als eine lästige Chefredakteurin.


Alles Liebe für 2013!

 

Aktuell