Leichtathletin spricht über Tabuthema Abtreibung im Spitzensport

Falsche Informationen über Verhütung, Leistungsdruck und fehlende Ansprechpersonen - Abtreibungen im Spitzensport werden seit Jahrzehnten stigmatisiert und bringen junge Athletinnen oft in prekäre Situationen. Eine ehemalige Goldmedaillen-Gewinnerin möchte dem Tabuthema nun endlich ein Ende setzen.

Die amerikanische Top-LeichtathletinSanya Richards-Ross spricht erstmals offen über das Tabuthema Abtreibung im Spitzensport.

Nachdem die Athletin kürzlich bekannt gab, selbst bereits abgetrieben zu haben, geht sie nun in einem Interview mit dem Magazin Now (Sports Illustrated) einen Schritt weiter: Laut der Spitzensportlerin sind Abtreibungen unter Leicht-Athletinnen keine Seltenheit. "Ich kenne keine einzige weibliche Leichtathletin, die nicht auch abgetrieben hat. Und das ist traurig", so Richards-Ross.

Sportlerinnen verzichten oft bewusst auf die Pille

Ein Grund für die zahlreichen Abtreibungen sind Falsch-Informationen, die innerhalb der jungen LeichtathletInnen-Gemeinschaft weitergegeben werden: "Es hört sich vielleicht blöd an, aber in unserer Gemeinschaft wollen viele die Pille nicht nehmen, weil sie dadurch Wassergewicht zulegen würden", erklärt die 32-jährige Olympionikin. Außerdem würden weit-verbreitete Sportler-Mythen über das Schwangerwerden unter jungen Athletinnen verbreitet werden. "Es gibt Menschen, die dir sagen, dass du als Spitzensportlerin gar nicht schwanger werden kannst, weil dein Zyklus kürzer ist. Es gibt also viele Mythen und schlechte Ausbildung, die während unserer Zeit im College eingelernt werden."

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Das Thema Abtreibung im Spitzensport fand bisher kaum Beachtung in den Medien, obwohl es viele junge Frauen betrifft. Diese fühlen sich mit ihren Problemen oft alleine gelassen. "Zu dieser Zeit in deinem Leben, wenn du gerade im College bist, fühlst du dich oft nicht wohl dabei mit deiner Mutter über so etwas zu reden. (...) Also bekommen viele die Informationen nur über Gleichaltrige".

Richards-Ross, die selbst während der Olympischen Spiele 2008 abgetrieben hat (und zwei Wochen später die Goldmedaille für die USA holte), hofft mit ihrer Offenheit für eine Entstigmatisierung von Abtreibungen zu sorgen. "Ich hoffe, dass meine Worte eine Diskussion auslösen, damit speziell junge Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wie ich damals, nicht das gleiche durchmachen müssen", so die Sportlerin.

Richards-Ross erwartet derzeit ihr erstes Kind.

 

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