Leicht bekleidet in die Schule

Heiß oder zu hot? In dieser Woche ist man in Österreich ein bisschen hitzegeplagt. Wenn man Glück hat, arbeitet man an einem Ort mit Klimaanlage. So eine gibt´s in Schulen nicht. Deshalb sind SchülerInnen grad sehr spärlich bekleidet - gibt´s da Grenzen?

Hitzefrei, sowas gibt´s hierzulande eher selten. Bis gar nicht. Aber heiß ist es trotzdem. Vor allem auch in Klassenzimmern, wo rund 30 Kinder oder Jugendliche zusammengepfercht sind. Das kompensiert die Schülerschaft meiner Lehrerinnen-Freundinnen über die Kleidung. Und hat momentan fast gar nichts mehr an.

"Ich weiß genau, welche Schülerin welchen BH trägt"

"Letztens geh ich die Stufen hinauf, vor mir ist eine Gruppe von Mädels und in Wahrheit seh ich nur nackte Arschbacken", erzählt eine. "Also nicht, dass nicht jeder grundsätzlich anziehen soll, was er will. Aber die nackten Hintern interessieren mich halt wirklich nicht ..." Eine andere ergänzt: "Bei uns ist es genauso, die Shorts und Röcke sind so kurz, die Tops so eng, dass man sich fragt: Wo ist das Gewand geblieben? Bauchfrei ist bei uns auch grad wieder in - aber ganz ehrlich: Ich könnte genau sagen, welche Schülerin welchen BH trägt, ob Tanga oder nicht, das muss wirklich auch nicht sein."

Es gut und nackig sein lassen oder nicht?

Drauf ansprechen? Es ignorieren? Da sind sich meine Lehrerinnenfreundinnen uneinig: "Also ich finde schon, dass viele der Outfits in der Schule nichts verloren haben, aber angesprochen hab ich noch niemanden." Eine andere macht das immer: "Mir wird wirklich zu wenig der Fantasie überlassen ... Letztens hab ich einem Mädel gesagt, es soll sich in Zukunft etwas mehr anziehen, da meinte sie: ,Sie laufen doch auch in den Klamotten herum, die Ihnen gefallen und es ist außerdem verdammt heiß.´Aber: Wir sind nun einmal eine Handelsakademie, in der man entsprechend Wert auf Kleidung legt. Ich hab ihr außerdem gesagt, dass ich auch aufgrund der Hitze lieber im Bikini und Strandkleid herumlaufen würde, die Schule aber mein Arbeitsplatz ist, und das hier nicht angemessen wäre. Ein bisschen Angemessenheit würde auch den SchülerInnen nicht schaden."

In vielen Schulen wird jedes Jahr im Sommer diskutiert, ob man Kleidungsregeln aufstellen soll. Meistens wird daraus nichts. In besagter HAK, von der vorhin schon die Rede war, hat man sich vor einiger Zeit jedenfalls das Tragen von Jogginghosen verboten - weil es mit der Ausrichtung der Schule nicht zusammengehe.

Der kleinste Nenner?

Der Anblick der halb- oder dreiviertel-nackten SchülerInnen und das Thema erhitzen auf jeden Fall alle Sommermonate wieder die Gemüter. Was man sich auf LehrerInnenseite wünscht: Dass eh gerne jeder anziehen soll, was ihm oder ihr gefällt, aber dass die intimsten Körperstellen in der Schule doch besser verdeckt werden. Aber es sind eh bald Ferien ...

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

Aktuell