Lehrer*innen fordern handyfreie Zonen an Schulen

Smartphones werden im Unterricht zunehmend zum Störfaktor. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer wünscht sich daher strikte Regelungen gegen die überbordende Smartphone-Nutzung an Schulen.

Kinder am Handy

"Es piepst, klingelt und vibriert in den heimischen Schulklassen, und zwar immer mehr", sagt Paul Kimberger, Vorsitzender der Gewerkschaft im Morgenjournal auf Ö1. "Die Rückmeldungen von meinen Kolleginnen und Kollegen sagen mir, dass Handys immer mehr zu Konzentrationskillern und Störfaktoren im Unterricht werden". Aus diesem Grund fordern Lehrer*innen nun klare Regeln im Umgang mit Mobiltelefonen an Schulen.

Handys schon im Kindergarten

Das Problem fange bereits bei den Kleinsten an: Schon in Kindergärten würden etliche Kinder von ihren Eltern mit Handys ausgestattet. Kimberger dazu: "Das halte ich für skurril!". Auch in der Volksschule sei die Lage nicht besser. Kimberger fordert daher einen "äußerst restriktiven Umgang" mit dem Smartphone.

Egal, welches Alter – handyfreie Zonen wären laut Kimberger allgemein dringend notwendig: "Es muss völlig handyfreie Bereiche geben in der Schule. Nur, wenn es dem Stoff und der Wissensvermittlung dient, ist es durchaus einmal sinnvoll, Handys im Unterricht einzusetzen, ansonsten haben sie dort nichts verloren."

Schulen können Regeln selbst bestimmen

Wie genau die Regelungen zur Handynutzung aussehen sollen, können österreichische Schulen momentan selbst festlegen. "Gesetzlich ist das im Moment so geregelt, dass jede Schule in der Hausordnung dementsprechende Regeln verordnen kann, auch ein Handyverbot", erklärt Kimberger.

Laut dem Vorsitzenden der Gewerkschaft wäre es besonders wichtig, den Kindern den richtigen Umgang mit dem Handy zu vermitteln und sie für Risiken der Geräte zu sensibilisieren, anstatt Handys in der Schule komplett zu verbieten. Darüber hinaus sei es sinnvoll, wenn Schulen entsprechende Regeln und Sanktionen gemeinsam mit Eltern und Schülervertreter*innen festlegen.

Kinder "digitalem Stress" ausgesetzt

Der niederösterreichische Bildungsdirektor Johann Heuras warnt im Ö1-Interview: "Sobald Kinder Smartphones besitzen, sind sie digitalem Stress ausgesetzt, und das muss die Schule meiner Meinung nach nicht unterstützen." Laut dem Bildungsdirektor stören Handys die Aufmerksamkeit, wirken sich schädlich auf den Lernerfolg aus und behindern reale Kommunikation. Zumindest bis zur 6. Schulstufe hätten Handys im Unterricht nichts verloren, so Heuras. Danach könne man das Handy punktuell durchaus zur Wissensvermittlung einsetzen.

Trotz allem spricht sich Heuras gegen ein generelles gesetzliches Verbot aus: So solle sich lieber die individuelle Schulgemeinschaft mit den Fragen zur Handynutzung beschäftigen und Regeln vereinbaren, die für alle Beteiligten sinnvoll seien: "Das hat wesentlich größere Akzeptanz als große Verbote."

 

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