Leben ist Wandel

BEHF-Architektin Susi Hasenauer hat sich nach vielen Kundenträumen auch ihren eigenen Wohntraum erfüllt – und lässt sich dabei viel Freiraum für kommende Veränderungen.

Architekten - im Sinne des Berufsbildes - verwirklichen die Träume anderer. Ergänzen oder ersetzen das ästhetische Empfinden ihrer Kunden und setzen es dank Wissen, Erfahrung und Talent in eine erlebbare Realität um. Ein wenig um die Ecke gedacht, irgendwie eine Art Wohn- oder Geschäftsraum-Therapie. Doch wie therapiert sich der Therapeut selbst? Nach welchen Gesichtspunkten, aus welcher Inspirationsquelle schöpfen Fremd-Gestalter bei der Konzeption ihres eigenen Lebensraumes?

Susi Hasenauer von BEHF Architekten fand die Basis, 320 Quadratmeter Gründerzeit-Wohnung direkt am Rudolfsplatz in der Wiener Innenstadt, nach intensiver Internet-Suche. Schwieriger war da schon das Konzept. »All die Fragen, die man dem Kunden im Zuge eines Einrichtungsprojekts stellt, sich selbst zu stellen, ist wirklich nicht einfach. Schließlich ist jede Entscheidung, die man dann trifft, gefühlsmäßig eine Entscheidung für die Ewigkeit. Und man hat im Beruf Vorgaben, die es zu erfüllen gibt, die sich aus dem Gespräch mit ihm ergeben«, bestätigt Hasenauer. Und so ist die Küche dann wirklich noch im Entwurfsstadium. »Wir haben sicher 40 Varianten in Erwägung gezogen und wieder verworfen.«

Die schwierigste Übung beim Einrichten der eigenen Wohnung ist, »von Zeit zu Zeit aus sich herauszutreten und sich im Zusammenhang mit dem Alltag des Wohnens zu visualisieren«, betont die Architektin. Dazu ist viel Zeit und Ruhe vonnöten - wenn auch die meisten Fehlentscheidungen problemlos wieder rückgängig gemacht werden können. Das beginnt schon beim ungeliebten Thema Stauraum - »dem A und O der Raumgestaltung: Eine sehr edel gestylte Wohnungsplanung bekommt schnell Risse, wenn es zum Beispiel darum geht, wo denn die frisch gewaschene Wäsche aufgehängt werden soll«, schmunzelt Hasenauer. »Wir haben uns hier entschieden, im Verbund mit der Küche einen - zugegebenermaßen knallhart kalkulierten - Wirtschaftsraum zu schaffen. Der Praxistest wirds zeigen.«

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»Einrichtung folgt dem eigenen Lebensrhythmus.«

»Der wichtigste Faktor beim Einrichten: viel Zeit.«

Susi Hasenauer, BEHF Architekten

Bei Fremdaufträgen hilft in solchen Fragen die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden, gegenseitiger Respekt, Vertrauen - »und Loslassen. Ich rate allen, die sich einen Architekten zur Seite stellen, den Prozess einfach zu genießen und sich unbedingt die nötige Zeit zu nehmen. Natürlich entstehen Kosten, und man könnte im Prinzip auch alles selbst machen. Letzten Endes ist die Beratung aber nur ein kleiner Teil des Budgets - der Löwenanteil sind die Baukosten. Und Profi s bringen nun einmal wesentlich schneller brauchbare Ergebnisse als der durchschnittliche Heimwerker«.

Das ganze Leben ist Veränderung. Hasenauer zählt nicht zu den Menschen, die Wert auf Statik legen. »Bei mir sind die Dinge im Fluss. Ungefähr im Jahresrhythmus werden Dinge ausgetauscht. Kommt etwas dazu, fällt etwas anderes weg. Man tut gut daran, nicht aus dem Stegreif heraus endgültige Fixpunkte zu setzen. Ich finde, eine Wohnung muss zuallererst einmal eine Zeit lang eingewohnt werden. Wie geht die Sonne auf, wie geht sie unter? Alles Erfahrungswerte, die eben Zeit brauchen. Simulationen helfen hier nur bedingt.« So bekommen Lebensräume ihren gewachsenen Charakter, halten persönliche Vorlieben und Eigenheiten ihren Einzug ins Wohngefühl - wie das altehrwürdige Minotti-Sofa oder das »Steinböckchen«, ein afrikanisches Andenken.

Zum Schluss die Frage nach dem Lieblingsmaterial: Susi Hasenauer ist als Architektin das Jonglieren mit reichhaltigen Baustoffpaletten gewohnt. Erklärter Favorit ist ihr jedoch der Klassiker schlechthin: Holz. »Holz ist sehr wandelbar, kann beruhigend urig, aber auch sehr stylish sein bis hin zur Hochglanzoptik. Holz ist aber immer angenehm warm.« Schön zu sehen ist das am Rudolfsplatz dann auch bei den zahlreichen Eigenanfertigungen, vor allem den Tischen in klarer Formgebung - »auch wenn ich hier von einem kommenden Trend zu mehr Üppigkeit abweiche«.

 

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