Laverne Cox: Ich bin meine eigene Superheldin geworden

Laverne Cox ist die erste transgender Person, die einen Emmy für ihre Performance bekommen hat. Sie hat damit den Weg für die Sichtbarkeit von trans Menschen geebnet. Im Pride Month unterstützt sie in Kooperation mit SodaStream die Non-Profit-Organisation ILGA World.

Laverne Cox

Was ist Ihre Botschaft für die LGBTQ-Teenager auf der ganzen Welt?

Laverne Cox: Wenn ich an LGBTQ+-Kinder auf der ganzen Welt denke, erinnere ich sie gerne daran, dass speziell Trans- und nonbinäre Menschen in indigenen Kulturen auf der ganzen Welt heilige Positionen innehatten. Trans- und geschlechtsuntypische Menschen galten seit Anbeginn der Zeit als gesegnet. Daran müssen wir denken. Unsere Kronen wurden bereits für uns gemacht, wir müssen sie nur auf unsere Köpfe setzen. Wir müssen durch die Welt gehen mit dem Gefühl, königlich und gesegnet zu sein, und dass wir es verdienen, hier zu sein.

Als ich ein Kind war hatte ich eine Vision von meinem Leben und wie ich werden wollte. Ich bin diese Frau geworden. Mit der Hilfe von vielen großartigen Menschen, bin ich zu meiner eigenen Superheldin geworden. Es klingt ein wenig deprimierend, dass wir uns selbst retten und unsere eigenen Superheld*innen sein müssen, aber letztendlich müssen wir das. Das bedeutet nicht, dass wir es allein tun müssen. Ich hatte großartige Psycholog*innen, ich hatte großartige Lehrer*innen, ich hatte wirklich, wirklich Glück. Eine Vision für dein Leben muss von dir kommen, er muss von innen kommen. Aber es ist wichtig zu wissen: Wenn du die Initiative ergreifst, gibt es da draußen Hilfe für dich.

Was würden Sie Menschen raten, die zu Ihnen aufschauen und sich wünschen die gläserne Decke zu durchbrechen?

Ich denke, es geht im Leben darum, die beste Version von sich selbst und authentisch zu sein und Menschen gut zu behandeln. Die Heilung von Trauma ist ein großer Teil davon. Wenn man eine trans Person ist, egal wo, hat man mit einer Menge Trauma zu kämpfen und das ist okay. Es gibt dafür Hilfe. Ein großer Grund dafür, dass ich heute bin, wie ich bin ist, weil ich zur Therapie gegangen bin und weiter an meinem Schmerz arbeitete: an den Traumata, an der Posttraumatischen Belastungsstörung, an all den Dingen, die mir passiert sind. Das ist entscheidend, um vollständig zu werden und Menschen gut zu behandeln.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, vor der die trans-Community heute noch steht? Wie können wir alle sie dabei unterstützen?

Ich sage schon seit Jahren, dass ich glaube, dass das größte Hindernis weltweit die Annahme ist, dass wir immer nur das Geschlecht sind, das uns bei der Geburt zugewiesen wurde. Es wird angenommen, dass Trans-Frauen keine Frauen sind, dass Trans-Männer keine Männer sind und dass nicht-binäre Menschen nicht existieren. Das ist der Kern jeder Diskriminierung, die Trans-Menschen erfahren. Wenn wir erst einmal akzeptieren können, dass wir trans Personen die sind, für die wir uns ausgeben, und dass unsere Menschlichkeit respektiert werden sollte, dann denke ich, dass all die politischen Maßnahmen automatisch kommen. Wir werden nicht mehr denken, dass es in Ordnung ist, jemanden zu entlassen, aus einer Wohnung zu vertreiben oder ihm einen Job zu verweigern, nur weil er trans ist. Ich denke also, es geht darum, unsere Menschlichkeit anzuerkennen und zu verstehen, dass wir die sind, die wir sagen.

Sie sprechen viel darüber, dass Sie sich wünschen nicht nur gesehen sondern auch repräsentiert zu werden. In welchen Bereichen wünschen Sie sich noch mehr Repräsentation?

Ich habe das speziell im Zusammenhang mit trans Personen auf der Leinwand gesagt. trans Personen und geschlechtsuntypische Menschen hat es im Fernsehen und im Kino schon immer gegeben. Wir wurden immer gesehen, aber nicht immer repräsentiert. Das bedeutet, dass die volle Menschlichkeit und Vielfalt der Trans-Geschichten nicht erzählt wurden. Es geht mir darum, dass mehr Geschichten über unsere Leben in jedem Aspekt der Gesellschaft erzählt werden. Ich merke aber, dass es jetzt, wo mehr trans Menschen sichtbar werden, einen politischen Backlash gibt. Es passiert gerade eine beispiellose Gewalt gegen meine Community, und deshalb müssen wir das ansprechen. Wir müssen trans Personen schützen. Unsere Sicherheit ist wichtig. Wir dürfen keine Gesetze verabschieden, die uns diskriminieren.

Als Teil Ihrer Partnerschaft mit SodaStream arbeitet die Marke das dritte Jahr mit dem ILGA World zusammen. Was bedeutet diese Zusammenarbeit mit einer Non-Profit-Organisation für Sie?

Ich finde es großartig, dass ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf dieser Rainbow Story SodaStream an die ILGA geht. Das ist eine NGO, die sich für die LGBTQI+-Gemeinschaft auf der ganzen Welt einsetzt. Es geht mir darum, etwas zurückzugeben und zu helfen. Ich weiß, dass ILGA unglaubliche Arbeit für unsere Community auf der ganzen Welt leistet. Hier helfen zu können bedeutet mir sehr viel.

 

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