Laut eines Ethiktest für Volksschüler können Mädchen nicht mutig sein

In Deutschland gibt es einen sexistischen Ethiktest für VolkschülerInnen zu Geschlechterrollen. Und der wertet die Antwort "Mädchen sind mutig" als falsch.

Was ist typisch Mädchen? Schminken? Rosa mögen und lange Haare haben? Und was ist dann typisch Bub? Alles mit Autos, Mut und Computern? Diese Fragen sollten sich die SchülerInnen einer Grundschule im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt stellen. Sie mussten einen Ethik-Test absolvieren. Das Thema: Geschlechterrollen und Gender-Stereotype. Oder vielmehr, wie man diese beibehält.

Die SchülerInnen sollten bestimmte Begriffe rot oder blau einkringeln und sie so als "Mädchensache" oder "Bubensache" definieren. Auf dem Test finden sich Worte wie "Schminke" und "Fußball spielen", "Seil springen" und "Computer spielen" und die beiden Adjektive "mutig" und "ängstlich".

Auf dem im Internet veröffentlichten Testbogen sind beide Adjektive den Mädchen zugeordnet, das rot eingekringelte "mutig" wird aber als Fehler gemeldet. Nach Ansicht der Lehrperson können Mädchen also nicht mutig sein, Mut ist wohl "Bubensache".

Der Test hätte auch dazu dienen können, die SchülerInnen mit ihren eigenen Klischees zu konfrontieren - sie in ihrem eigenen Denken herauszufordern und zu ermutigen, die Grenzen der gesellschaftlich oft transportieren Geschlechterklischees zu sprengen. Stattdessen zementiert er überholte Stereotype unreflektiert ein.

Facebook-Nutzerin Sandra Goldschmidt hat den Test geteilt. Sie habe ihn von einer befreundeten Mutter bekommen, erzählt sie bento. In den Kommentaren postet eine andere Frau den gleichen Test, den ihr Kind mit nach Hause gebracht haben soll. Dort wurde falsch bewertet, das Mädchen kurze Haare haben können.

Ist der sexistische Test echt?

Ein Sprecher des Bildungsministeriums von Sachsen-Anhalt bestätigt gegenüber bentodie Echtheit des Ethik-Tests. Am Freitag hätten sich außerdem die betreffende Lehrerin, die Schulleitung und die Eltern zum Gespräch getroffen. Die Lehrerin sei engagiert und die Sache "nicht ganz rund gelaufen". Zur weiteren Vorgehensweise ist nichts bekannt. Goldschmidt schreibt unter das Foto: "Ich finde das skandalös. Geschlechterstereotype nicht zu diskutieren und analysieren, sondern zu zementieren und dann auch noch mit richtig oder falsch zu bewerten."

Kinder sind empfänglich für Stereotypisierungen

Die Grundlage für Stereotypisierung ist schon bei Kindern im Alter von etwa einem Jahr gegeben - in diesem Alter können Kleinkinder bereits recht gut Frauen und Männer unterscheiden. Gender-Stereotypen werden zwischen dem 5 und 7. Lebensjahr definiert. In einem Video-Kampagne der britischen Arbeitsgruppe für Bildung und Unternehmer Inspiring The Future sollten VolksschülerInnen als typisch männlich empfundene Berufe zeichnen. Sie produzierten eine Herscharr männlicher Feuerwehrmänner, Chirurgen und Kampfpiloten - und waren umso überraschter, als eine Feuerwehrfrau, eine Chirurgin und eine Kampfpilotin zu Besuch kamen. So kann Unterricht zu Geschlechterrollen auch aussehen.

Sexistische Lehrpläne gibt es auch in Australien:

 

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