Laura Karasinski, die "Kunstdirigentin"

Die WIENERIN traf die selbstbewusste Kreative in ihrem Atelier in der Wiener Strozzigasse und sprach mit ihr über ihre "Inspirationsquelle Supermarkt", männerdominierte Arbeitswelten und ihr Image als "junges Ausnahmetalent".

30 Jahre Wienerin – 30 Frauen im Porträt: Anlässlich des WIENERIN-Jubiläums widmen wir uns ein Jahr lang 30 starken Frauen, die uns bewegen und beeindrucken.

Laura Karasinski schwebt momentan auf ihrer ganz eigenen Welle des Erfolgs. Die 25-jährige Gestalterin arbeitet in ihrem „Atelier Karasinski“ für namenhafte Unternehmen, wie zuletzt das „Motto“ in Wien: Laura ist in aller Munde und es gibt momentan wohl kaum jemanden, der nicht von ihrer Arbeit schwärmt.


Du beschreibst dich selbst als „Art Director“. Wie genau kann man sich deine Arbeit vorstellen?
Eine Art Direktorin ist eine erfahrene Grafikerin - Gestalterin ist wohl am ehesten die richtige Bezeichnung für meinen Beruf: Eine Person, die „Kunst dirigiert“.
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, alles was man gestalten kann, kann eine erfahrene Art Direktorin übernehmen.

Welche Projekte, die du in letzter Zeit gemacht hast, liegen dir besonders am Herzen?
Natürlich hat jedes Projekt seinen eigenen Platz in meinem Herz, wobei die diesjährige Umgestaltung des Restaurant Motto eine ganz besondere Erfahrung, mit viel Liebe zum Detail, war.
Es war auch das langwierigste Baby. Insgesamt waren es neun Monate Planung und ein Monat Umbau, also quasi wie eine richtige Schwangerschaft. (lacht)

Deine Projekte sind vielfältig und zeitgemäß. Woher nimmst du deine Inspiration?
Oft passiert es, dass ich schon beim Erstgespräch mit neuen Kunden eine Vision im Kopf habe. Woher diese kommt, ist ungewiss, ich bin auf jeden Fall dankbar dafür.
Und sollte das einmal nicht der Fall sein, versuche ich meine Inspiration lesend in einem Buch oder bei einem Abend mit Freunden zu finden.
Designblogs und andere Websites aus meinem Metier versuche ich allerdings zu vermeiden.

Warum?
Man läuft schnell unbewusst Gefahr etwas zu abzuspeichern. Auch, wenn es nicht gewollt ist.

Außerdem liebe ich es, spazieren zu gehen. Einfach irgendwo hinsetzen und die Stadt zu beobachten.
Ich gehe beispielsweise sehr gerne zum Meindl am Graben „schöne Dinge ansehen“. Ich könnte Stunden in Supermärkten verbringen. (lacht)

Du bist momentan in aller Munde. Was denkst du macht dich so erfolgreich?
Warum ich die Ehre habe, so viele tolle Projekte zu machen, liegt wohl an der Vermarktung (Social Media) und der fabelhaften Mundpropaganda meiner lieben Kunden, denen ich dafür sehr dankbar bin.

Was macht deine Projekte so zeitgemäß?
Ich bin ein Schwamm. Ich bin sehr sensibilisiert darauf, was ich sehe, höre und spüre und anfasse, aufzunehmen und abzuspeichern.
Das kann allerdings sowohl in die positive als auch negative Richtung gehen.

Du wirst in der Öffentlichkeit gerne als sehr zielstrebige und arbeitsame Frau gezeigt, wurde das auch schon einmal negativ aufgegriffen?
Ich denke nicht, dass ich in diesem Kontext einmal öffentlich negativ präsentiert wurde.
Ich mache das, was ich kann und wüsste nicht, was ich sonst in meinem Leben tun sollte.

Hattest du schon jemals privat Probleme auf Grund deines Erfolges?
Im Jahr 2015 ist der Feminismus leider noch lange nicht da angekommen, wo er sein sollte. Oft wird einer Frau vorgeworfen, man habe Angst vor ihr, weil sie so zielstrebig ist, anstatt es zu akzeptieren und sich für sie zu freuen.
Das ist noch immer eine Sache, bei der der Mann versucht, sich über die Frau zu stellen und die Frau in eine Position bringt, in der sie sich schlecht fühlt.

Macht es eigentlich dir persönlich Druck, ständig als "das junge, erfolgreiche Ausnahmetalent" bezeichnet zu werden?
Ich denke, Menschen stellen andere Menschen gerne auf Podeste. Wenn es jemanden freut, mich auf jenes der "jungen, erfolgreichen Unternehmerin" zu stellen, dann ist auch das in Ordnung für mich.

Arbeitest du lieber im Team oder allein?
Ich arbeite insgesamt mit einem Team von zehn Freelancern zusammen. Die sind allerdings alle selbstständig und arbeiten nicht für mich, sondern mit mir. Wenn wir uns brauchen, dann helfen wir einander aus. Es gibt aber auch Projekte, bei denen ich auch großteils alleine arbeite. Ich brauche manchmal auch Zeit für mich allein.

Laut Definition fällst auch du in die „Generation Y“, die man gerne als politikverdrossen und erfolgshungrig bezeichnet. Kannst du dem etwas abgewinnen?
Ich kann nur von meinem Bekanntenkreis sprechen, wo sich aufgrund der momentanen politischen Situation sehr viele einsetzen und mitgeholfen haben - auch ich engagiere mich mittlerweile – mehr, als früher.
Auch weil es mich persönlich betrifft, schließlich sind meine Eltern auch 1975 aus Polen eingewandert und das wäre auch nicht gegangen, wenn die Grenzen zu gewesen wären. Deshalb: Refugees welcome!

Dein Lieblingsspruch?

Was hast du von einer Frau in deinem Leben gelernt?
Von meiner Mutter: Nie abhängig zu sein, sondern immer für sich selbst verantwortlich zu bleiben.

Was kotzt dich momentan an?
Wenn es etwas gibt, das momentan Unbehagen in mir ausübt, dann ist es die politische Situation in Wien mit 30% FPÖ-Anteil.

Was ist Feminismus für dich?
Gleichberechtigung der Geschlechter.

Welche Frage sollen sich Frauen in 30 Jahren nicht mehr stellen müssen?
Frauen sollten sich in 30 Jahren nicht mehr fragen müssen, warum sie (noch immer) das Gefühl verfolgt, in einer von Männern dominierten und vorurteilsvollen Welt leben.
Kein Frau soll sich die Frage stellen müssen, ob sie zu stark geschminkt, zu knapp angezogen oder unattraktiv für einen Mann im Beruf ist. Jeder Mensch, egal welchen Geschlechts oder welcher Orientierung, sollte frei in seinem Wesen friedlich leben können ohne verurteilt zu werden.

Welches Ereignis hat dich im vergangenen Jahr bewegt?
Der ESC-Sieg von Conchita Wurst. Noch nie zu vor – das muss man sich vorstellen – hat es eine Dragqueen davor geschafft, die Welt so sehr mit Talent & Musik zu bewegen.
Ein großer Schritt für Österreich, ein weiterer kleiner Schritt auf einem noch lange andauernden Weg für die Welt.

 

Aktuell