Last Minute-Tipps für einen entspannteren Jahreswechsel

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Es ist viel zu spät, die Silvesterangst deines Hundes jetzt noch in ein paar Tagen in den Griff zu bekommen. Diese Tipps können aber noch helfen.

Diese Last-Minute-Tipps können ihrem Hund aber helfen, die Silvesternacht etwas entspannter zu verbringen.

1) Kauen und Lecken

Ein großer, saftiger Kauknochen oder ein gefüllter KONG mit Frischkäse, Leberwurst oder ähnliche Leckerein lenken nicht nur ab, das Lecken und Kauen setzt auch Glücks- und Beruhigungshormone frei, die den Hund automatisch ein bisschen entspannen – ähnlich wie das Schnullernuckeln eines Babys. Tipp: Ist das "Leckobjekt" gefroren, ist der Hund umso länger damit beschäftigt.

2) Vorhänge zu, Musik an

Vorhänge und Jalousien am besten frühzeitig schließen. Entspannende Musik, die in höchstmöglicher, aber noch angenehmer Lautstärke läuft, dämpft Knallgeräusche gut ab. Wenn möglich, früh genug mit dem Hund in den Keller gehen. Dr. Deborah Wells von der Queen’s University in Belfast erforschte im Jahr 2000 übrigens an verschiedenen Tieren, dass klassische Musik bei ihnen nachweislich entspannend wirkt.

3) Rückzug bieten

Verkriechen ist zu Silvester überall erlaubt (auch wenn der Bereich sonst vielleicht verboten ist). Früh genug und richtig aufgebaut, kann auch eine eigene Transportbox eine gut geeignete Höhle für den Hund sein, nicht nur zu Silvester. Krabbelt Ihr Hund plötzlich aufs Sofa oder ins Bett, lasst es bitte zu. Versteht es als großes Kompliment in der Mensch-Hund-Beziehung – schließlich sucht der Hund eure Nähe und Sicherheit, um zu entspannen.

4) Nähe zulassen

Will dein Hund sich an dir kuscheln, gilt auch hier: Bitte zulassen. Der Rat, den Hund in einer Angstsituation nicht streicheln zu dürfen, um die Angst nicht zu verstärken, ist mittlerweile überholt. Wenngleich es schon wichtig ist, die Situation für den Hund durch übertriebene Aufmerksamkeit nicht noch aufregender 
zu machen. Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, hilft deinem Hund, möglichst nichts Außergewöhnliches an
 der Situation zu ändern. Eine sanfte Massage schüttet übrigens nachweislich das Bindungshormon Oxytocin aus.

5) Auslasten und müde machen

Dafür am besten tagsüber raus aus der Stadt, um Geräuschen und Geruch von Knallkörpern zu entkommen. Ist dein Vierbeiner dann geistig und körperlich gut ausgepowert, wird er froh sein, zu Hause seine Ruhe zu haben, und sich eher weniger mit seiner Angst beschäftigen. Nutzt also beispielsweise kreative Futtersuchspiele, komplexe Apportieraufgaben und ein bisschen körperliches Training, um deinen Hund richtig müde zu machen. Achtung: Sicherheitshalber sollte das Training bereits jetzt an der Schleppleine stattfinden.

6) Vorsicht bei Medikamenten

Achtung beim Wirkstoff "Acepromazin" (z. B. in „Sedalin“, „Vetranquil“, "Calmivet", "Prequillan" enthalten): Der Hund wird damit nur körperlich sediert und ist motorisch unfähig, sich gegen die Angst zu wehren, kriegt aber geistig alles mit. Vorsicht: Manche Tierärzte empfehlen diesen Wirkstoff noch immer. Doch nur ein Hund mit echten Angstzuständen sollte in Absprache mit einem guten Tierarzt medikamentöse Unterstützung bekommen. Die Wirkstoffe, die in diesen Fällen dann zur Anwendung kommen sollten, sind meist sog. „Benzodiazepine“ – sie wirken angstlösend, können aber auch Nebenwirkungen wie z. B. Enthemmung haben. Daher die Gabe und Dosierung unbedingt genau mit dem Tierarzt des Vertrauens abklären.

7) Pheromone und Nahrungsergänzung

Hunden, die zwar auch ängstlich sind, aber ihre Angst noch irgendwie kontrollieren können, kann oft mit etwas harmloseren Mitteln geholfen werden. Das sogenannte. „Dog Appeasing Pheromone“ (DAP) wird von der Mutterhündin in der Zitzenregion produziert und soll auf ihre Welpen eine beruhigende, sicherheitsgebende Wirkung haben. Die Firma Adaptil stellt dieses Pheromon als einzige synthetisch her und schwört auf eine ebenso beruhigende Wirkung bei erwachsenen Hunden. In Form von Steckern, Halsbändern und Sprays kann damit also zumindest ein Versuch der Verbesserung unternommen werden. Zusätzlich werden in diesem Zusammenhang oft auch Tabletten wie „Zylkene“- oder auch Adaptil-Tabletten genannt. Diese enthalten keine Pheromone, sondern Nahrungsergänzungen wie zum Beispiel die Aminosäure L-Tryptophan, die als Vorläufer und Türöffner des Stimmungsmachers Serotonin gilt. Sie können bei frühzeitiger Gabe Hilfe leisten.

8) Alternativmedizin: Globuli, Bachblüten und Co

Ich bin ganz ehrlich und glaube hier, wenn überhaupt, an einen Placebo-Effekt, der beim Halter entsteht. Sofern dieser dann zu einer entspannteren Stimmungsübertragung auf den Hund beiträgt, haben auch rituelle Tänze (bitte nur zu Musik von Mozart), Schüssler Salze, Bachblüten und Co. ihre Berechtigung. Angst gehört in der Verhaltenstherapie zu den komplexesten und schwierigsten Themen, und ich finde einfach, wenn es das alternative Mittelchen gäbe, das wirklich nachweislich dagegen hilft, würde es mit Sicherheit jeder kennen und bei Bedarf nutzen.

Der wichtigste Rat

Sei ein starker Partner für dein Hund. Nicht nur in der Angstsituation selbst, sondern im gesamten Zusammenleben. Nur wenn ein Hund sie auch sonst im Alltag ernst nehmen kann, wird er dir in schwierigen Momenten vertrauen. Wie du dazu beitragen kannst? Sei in deinem Vorhaben konsequent – nur wer wirklich weiß, was er will und dem auch nachgeht, ist glaubhaft. Lass dich von von deinem Hund im Alltag nicht zu sehr manipulieren und lenken. So blöd es klingt: Du machst dich damit, bewusst oder unbewusst, zu seiner Marionette und damit sicher nicht zu einer schutzgebenden Vertrauensperson. Und gerade in Angstsituationen möchtest du ja genau das Gegenteil vermitteln.

GANZ WICHTIG: Hunde sollten an und um Silvester vorsichtshalber immer an der (Schlepp-)Leine geführt werden! Selbst wenn vorher keine Angst bestand – ein überraschender Knall kann immer ein Angstauslöser sein.

Nach ihrem 2-jährigen Hundetrainer-Studium bei Martin Rütter in Bonn, leitet Conny Sporrer nun seit über 4 Jahren gemeinsam mit ihrem Team ihre eigene Hundeschule nach der Philosophie des „Hundeprofis“ in Wien. Bei DOGS werden aber vor allem die Menschen im richtigen Umgang mit ihren Hunden trainiert – Verständnis und Beziehung zwischen Hund und Halter spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Mittlerweile ist Conny selbst Dozentin für das DOGS Studium und gefragte Referentin und Fachautorin rund ums Thema Hund. www.martinruetter.com/wien

 

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