Lass es gleich bleiben: Unser Gehirn ist nicht für Neujahrsvorsätze gemacht

Die Wissenschaft liefert die Erklärung, auf die wir all die Jahre gewartet haben: Unsere Neujahrsvorsätze sind nicht (nur) an Faulheit und Inkonsequenz gescheitert. Es war uns quasi physisch unmöglich, sie einzuhalten (oder so).

Sprühkerzen

"Mit dem neuen Jahr werde ich endlich regelmäßig laufen gehen, nur noch selbst kochen statt Fast Food zu bestellen und mindestens ein Buch pro Woche lesen!“ Joa. Oder halt nicht. Wahrscheinlich haben wir uns alle schon mal etwas fürs neue Jahr vorgenommen – und kurze Zeit später wieder verworfen. Unser Gehirn kann mit Vorsätzen à la "ab 1.1. esse ich keinen Zucker mehr“ nämlich so goar nix anfangen. Warum ist das so?

Wir stecken uns zu hohe Ziele

Bei unseren Vorsätzen fürs neue Jahr geht meistens unsere Fantasie mit uns durch. Soll heißen: Wir streben nach Perfektion und setzen uns meist unrealistischen Ziele, erklärt Psychologin Sasha Heinz, Ph.D. gegenüber InStyle. In unserer Vorstellung haben wir dank unserer neuen Lebenseinstellung in kurzer Zeit den perfekten Körper, eine stets top aufgeräumte Wohnung oder einen gesunden Lifestyle (etwa dank des Verzichts auf Alkohol oder Zigaretten).

Meist erhoffen wir uns eine radikale Veränderung von heute auf morgen - unser Gehirn kann damit aber nur ganz schlecht umgehen. Psychologin Krista Scott-Dixon, Ph.D. findet die Erklärung in der kognitiven Neurowissenschaft: Dort werden riesige, weitreichende, plötzliche Veränderungen, die unsere Fähigkeit, mit ihnen umzugehen, überfordern, als Trauma bezeichnet. Versuchen wir also radikale Veränderungen vorzunehmen, traumatisieren wir uns womöglich selbst. Die einfache Lösung unseres Gehirns: So schnell wie möglich alles wie vorher machen.

Oft erkennen wir das eigentliche Problem nicht

Oftmals setzen wir mit unseren Vorsätzen auch an der falschen Stelle an: Nehmen wir uns etwa vor, im neuen Jahr zehn Kilo abzunehmen (nach wie vor gehört Abnehmen und Fitness zu den häufigsten Neujahrsvorsätzen), so sehen wir uns in unserer Vision nicht einfach nur ein paar Kilo leichter. In unserer Vorstellung ändert sich mit unserem Körper nämlich gleich unser gesamtes Leben: So glauben wir (vielleicht auch nur unbewusst), dass mit dem "Idealgewicht“ auch mehr Lebensfreude, Erfolg im Job und der*die perfekte Partner*in einhergehen.

Anstatt uns unrealistische (und möglicherweise ungesunde) Ziele zu setzen, sollten wir lieber versuchen, an der Sache zu arbeiten, die wahrscheinlich eher eine bisserl Nachhilfe braucht, in diesem Fall also zum Beispiel an unserem Selbstbewusstsein.

Wir wollen nichts für unsere Ziele tun

Dazu kommt, dass unsere Vorsätze in der Regel mit Anstrengung und Überwindung verbunden sind. "Menschen sind darauf gepolt, Mühe und Leid zu vermeiden, Freude anzustreben und so wenig Energie wie möglich aufzuwenden“, erklärt Psychologin Heinz gegenüber InStyle. Wollen wir unsere Vorsätze allerdings wirklich realisieren, müssen wir das genaue Gegenteil tun und ordentlich Energie und Arbeit hineinstecken – was unserer Natur nun mal widerstrebt.

Menschen sind Gewohnheitstiere

Ein weiteres Problem ist, dass wir Routinen lieben - und sich so eine Routine abzugewöhnen, ist keine leichte Sache (was wohl jede*r bestätigen kann, der*die es schon probiert hat). Nehmt ihr euch also vor, ab 1. Jänner keinen Kaffee mehr zu trinken, seid bisher aber jeden Morgen mit einer heißen Tasse Arabica in den Tag gestartet, wird es ziemlich hart werden, mit dieser Gewohnheit zu brechen. Ihr werdet euch frustriert und unzufrieden fühlen, auch wird es eine Menge an Selbstbeherrschung brauchen, um euren Vorsatz einzuhalten. Vielleicht gelingt es euch, das Ganze eine Weile auszuhalten, wahrscheinlich ist allerdings, dass ihr dem Druck nicht allzu lange standhaltet.

Drei Tipps, damit es vielleicht doch gelingt

Falls ihr nach alldem trotzdem nicht ganz auf einen Neujahrsvorsatz verzichten wollt, so haben wir noch drei Tipps für euch: Steckt euch realistische Ziele, die ihr auch tatsächlich erreichen könnt (oder teilt eurer großes Ziel in mehrere kleine Etappen), überlegt euch, was bei eurem Vorhaben schief gehen könnte und wie ihr auch in schwierigen Situationen dranbleiben könnt und (ganz wichtig!) belohnt euch regelmäßig fürs erfolgreiche Einhalten eures Vorsatzes. Wer weiß, vielleicht klappt es ja doch (und wenn nicht, dann ist das ja auch nicht so schlimm).

 

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