La vierge de fer Serge Lutens im Test

Martina Parker nimmt die neuesten Parfumkreationen unter die Lupe. Diesmal: Wie bitte riecht eine "eiserne Jungfrau?"

„Der Kult des Eisens brauchte eine eiserne Jungfrau, und die Jungfrau brauchte eine Lilie. Haben Sie es gerochen?" - "Ja." - "Wie war es?" - "So prägnant wie eine tätowierte Lilie auf dem Arm einer Gangsterbraut." - "Nein!" - "Und in der Tiefe so stechend wie ein Büßerhemd. Eine köstliche Höllenqual!“

So und nicht anders denkt und spricht Parfümkreateur Serge Lutens und das Ganze ausschließlich auf Französisch. Man ahnt, dass seine Poesie bei der Übersetzung ins Deutsche etwas verloren geht.

Interviews mit dem „Godfather des Nischenduftes“ sind eine Herausforderung. Auch die zu Hilfe gerufenen Übersetzer verstehen meist nur Bahnhof. Die einzig klare Antwort erhält man, wenn man ihn NICHT zu seinen Oeuvre befragt, sondern nach Banalitäten wie seinem Lieblingshotel. Die Antwort, die er mir dazu gab: „Das Ritz, denn das ist nicht parfümiert! Ich hasse parfümierte Hotels.“

Serge Lutens ist zwar ein Duftkreateur, aber kein Parfümeur per se. Seine Düfte mixt Christopher Sheldrake (Chanel), der die Zusammenarbeit mit Lutens als eine Art Psychotherapie für Letzteren beschreibt. Lutens erklärt seine Gefühle. Sheldrake versucht diese in Düften auszudrücken. Die Zusammenarbeit funktioniert bestens.

In diesem Herbst kommt der Lutens Duft „Le vierge de fer“ – „Die Eiserne Jungfrau“ in den österreichischen Handel. Im Flagship Store im Pariser Palais Royal gibt es ihn schon seit 2013.

Überraschenderweise ist der Duft warm und weich, statt kalt und hart, wie man es von einer eisernen Lady erwarten würde. Die etwas hysterische, blumige Kopfnote schreit „Attacke“. Warum nur denke ich dabei an Kilian Hennessy? Sie beruhigt sich aber schon nach wenigen Sekunden. Lilien sind zu riechen, aber auch Jasmin, Ylang Ylang und etwas Rose. Dazu duftet es ein zart und sehr mädchenhaft nach Birne und Lychee.

Die angeblich vorhandenen metallischen Duftanklänge von Eisen und Blut klingen dramatischer als sie sind. Die kühlen Töne verhindern aber, dass der Blumenstrauß gar zu schwül und klebrig duftet. Der Abgang mit Amber, Vanille und Sandelholz ist brav und gefällig.

Fazit: ein schön balancierter Blumenduft. Alle die "Un Jour d´Hermès" lieben, werden auch La vierge de fer lieben.

**** Sterne

La vierge de fer Eau de Parfum (50 ml) ist als limitierte Edition ab Ende Oktober 2015 um ca. € 102,- in ausgewählten Parfümerien erhältlich.

 

Aktuell