Kunstvoll wohnen

Der neuste Trend in Sachen Wohnen steht ganz im Zeichen der Kunst: Große Gemälde, moderne Fotografien oder futuristische Skulpturen werden in den eigenen vier Wänden perfekt in Szene gesetzt. Wie das gelingt, weiß Anika Müth, Innenarchitektin bei der Cserni Gruppe. Im WIENERIN-Interview verrät sie ihre Tipps.

Mit welcher Beleuchtung kann man mit der Kunst den besten Effekt erzielen?

Anika Müth: Was ich sehr gerne mache, ist mit Spots direkt oberhalb der Kunst, bestimmten Lichtkegeln und einer schönen Lichtintensität die Kunst zu beleuchten. Oder auch das Licht zu dimmen ist sehr wichtig, um unterschiedliche Stimmungen und atmosphärisches Licht zu bekommen. Und gerade bei Skulpturen wird natürlich auch die Plastizität durch das Licht hervorgehoben. Ich denke auch, die Arbeit des Künstlers kommt so besser zur Geltung. Am besten ist warm-weißes Licht, ein schöner warmer Ton. Ich würde nicht mit farbigen Licht eine farbige Kunst beleuchten, immer sehr neutral.

Wo kommt die Kunst in einem Raum am besten rüber, beispielsweise eine Skulptur?

Also ich würde eine Skulptur nicht direkt mitten im Raum platzieren, sondern vor einer schönen Wand oder vor einer Kunst, oder vor einer Glasfläche präsentieren - mit einer Rückwand sozusagen, dass sie eine Basis hat. Nicht freistehend im Raum.

Worauf muss man bei der Einrichtung und der Gestaltung des Wohnraums achten, damit die Kunst nicht untergeht?

Ich würde bei der Einrichtung immer eher neutral bleiben. Oder was gerade die Rückwand betrifft: weiß geht natürlich immer oder auch neutrale Grautöne oder sogar schwarz. Gewisse Bilder kommen natürlich auf dunklen Flächen besser zur Geltung, sind noch aussagekräftiger. Aber ich würde mit knalligen Farben aufpassen, damit die Bilder nicht untergehen oder dass die Materialien und Farben nicht zu sehr mit der Kunst konkurrieren.

Woran sollte man bei der Kunst keinesfalls sparen?

Wichtig ist für mich immer die richtige Höhe von den Skulpturen und Bildern, die beginnt auf einer Unterkante von 75 cm, also auf Tischhöhe. Was den Rahmen betrifft: Ich finde, manche Bilder brauchen keinen Rahmen. Wenn man eine hochwertige Kunst hat wirkt sie oft ohne Rahmen besser. Fototarbeiten hingegen wirken mit einem schönen Passepartouts und filigranem Rahmen auch super.

Oder oft ist ein einfacher schlichter Rahmen mehr, und bei kleineren Formaten unterstützt der Rahmen auch oft das Motiv. Das gibt eine Bildbegrenzung. Man kann den Rahmen natürlich auch in das Kunstwerk integrieren, ihn mitbemalen, wie das Attersee zum Beispiel macht. Dann macht man den Rahmen zum Teil des Bildes. Oder bei klassischer Kunst, bei alten Werken aus der Renaissance und der Gotik, da sind Rahmen gar nicht wegzudenken, da ist alleine schon der Rahmen ein Kunstwerk, wenn er geschnitzt und vergoldet wurde. Das ist Teil des Kunstwerks. Aber moderne Kunst sehe ich eher rahmenlos. Und Skulpturen, muss ich sagen, die wirken schon auf einem passenden Sockel toll. Also wenn man den Sockel mit Farbe und Form mitgestaltet, finde ich das auch sehr gut. Oder man lässt oft den Künstler den Sockel mitgestalten.

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Ist es auch möglich ganze Räume in Kunstwerke zu verwandeln, beispielsweise durch Möbelstücke oder Accessoires?

Ja kann man schon. Ich denke, wenn man durch Möbel- also Designklassiker wie zum Beispiel Egg-Chair von Arne Jacobsen oder Le-Corbusier-Liege - wenn man solche Design-Klassiker in der Wohnung hat und alle anderen funktionalen Möbel ganz dezent und flächenbündig auswählt... Oder einen coolen Teppich mit einer Richard-Meier-Bank zum Beispiel - dann wird die Wohnung schon zu einem kleinen Museum, man sieht es als Gesamtkunstwerk.

Viele Menschen hängen wahrscheinlich einfach Bilder auf - Doch welche alternativen Methoden gibt es noch, um Kunst auszustellen? Etwa durch Vitrinen und Bilderleisten?

Man kann natürlich große Schiebetüren, Raumteiler oder Paravents benutzen um Kunst darzustellen. Man kann zum Beispiel bei einem Schrankraum die Türflächen als bemalte Leinflächen darstellen. Auch Vorhänge - gerade Flächenvorhänge - bieten sich an, um sie bemalen zu lassen oder sie zu bedrucken. Und so werden dann diese Raumelemente schon zur Kunst. Was ich auch sehr oft einsetze: Wenn man bei einem TV-Möbel den TV verstecken möchte, setzt man ein Schiebeelement davor und bemalt es als Leinwand, als Kunst. Diese schiebt sich dann zur Seite oder nach unten und dahinter kommt dann der TV zum Vorschein. So kann man Kunst auch sehr gut integrieren.

Welche Trends haben Sie in den letzten Jahren beim Wohnen mit Kunst wahrnehmen können? Gibt es eine spezielle Entwicklung bei Ihren Klienten?

Die Kunst wird mehr integriert und einbezogen. Aber ich habe meistens das Gefühl, dass es ein Qualitätsanspruch ist, der genauso bei den Möbel sehr hoch ist, wie auch bei der gesamten Haus-Architektur. Das soll sich dann wie ein roter Faden bis zur Kunst durchziehen. Und anspruchsvolle High-End-Kunden wollen natürlich auch die entsprechende Kunst im Haus oder auch im Außenbereich die entsprechenden Skulpturen, um ein gewisses Raumerlebnis zu schaffen, gerade wenn Gäste kommen. Oder auch für sich selbst. Vielleicht ist es auch ein gewisses Statussymbol oder ein gewisses Statement, das man damit angibt. Ich glaube auch, dass für immer mehr Menschen das Perfekte im Vordergrund steht, oder das Vielfältige - sagen wir so! Und ich habe das Gefühl, dass die meisten Kunden die Kunst mittlerweile stärker wahrnehmen.

Warum wollen Menschen generell mit Kunst leben - was glauben Sie?

Es schafft Atmosphäre und gehört einfach dazu. Ich finde, dass es dem Raum eine Vollkommenheit bietet. Es ist etwas sehr persönliches, etwas sehr individuelles. Man unterstreicht seinen eigenen Lebensstil, egal ob in der antiken Richtung oder ganz modern. Es gehört auch zur Persönlichkeit dazu. Und es hängen ja auch Erinnerungen an einem Kunstwerk: Entweder man verbindet es mit dem Atelierbesuch bei dem Künstler oder mit einer Auktion oder mit einer gewisse Reise, einem Urlaub oder einem Event. Es ist etwas ganz persönliches. Und wenn man selbst den Pinsel oder die Kamera in die Hand nimmt oder kreativ ist, hat das auch einen großen Stellenwert. Es muss kein teurer Nietsche sein.

 

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