Kunstfälscher

Ein Fälschungsskandal erschüttert die deutsche Kunstszene. Aber wie arbeiten Fälscher überhaupt? Mit alten Malkästen vom Flohmarkt, Papier aus alten Büchern oder ganz einfach mit einem Scanner? Eine Anleitung zum Nachlesen.

„Die Welt will betrogen werden", sagt Diane Grobe vom Fälschermuseum in Wien. Darüber, dass Kunst-Experten immer wieder behaupten, dass sich die Zahl der Fälschungen im Promille-Bereich bewegen würde, kann sie nur lachen: „Die Tochter des deutschen Fälschers Edgar Mrugalla sagt, dass alleine ihr Vater für 20 Millionen gefälscht hat. Mindestens 1.500 seiner Fälschungen sind angeblich noch im Umlauf. Und das war nur ein einziger Fälscher."

Im Herbst erschütterte der Skandal um die „Sammlung Jägers" den Kunstmarkt. Dabei wurden gefälschte Gemälde einer nie existierenden Sammlung über mehrere Jahre hinweg verkauft. Allein der Wert von jenen Bildern, die als Fälschung enttarnt wurden, beträgt 34 Millionen Euro. Wirklich überraschend ist das nicht: Denn immer mehr Millionäre, vor allem im asiatischen Raum, gieren nach Kunst. Auch deshalb, weil das Risiko für Investments an der Börse enorm hoch war. Kein Wunder, dass die Preise am Kunstmarkt längst schwindelerregende Höhen erreicht haben. Für Fälscher ein absolutes Traum-Szenario.

Doch Fälschen will gelernt sein. Ohne Ganzkörper-Schutzanzug geht gar nichts. In Zeiten von DNA-Analysen darf kein Haar auf dem Bild gefunden werden. Fälscher-Expertin Grobe gibt die Grundregel vor: „Je moderner, desto einfacher. Weil man die Materialien leichter bekommt." Als Bibel für alle Rookies gilt „Kunstfälschers Handbuch" von Eric Hebborn. Der Brite war ein perfekter Zeichner, spezialisiert auf Da Vinci. Wie viele seiner Fälschungen noch im Umlauf sind, weiß man nicht, da er frühzeitig den Tod fand.

Hat man sich in das Thema eingelesen, sucht man ein Werksverzeichnis des Künstlers, den man fälschen möchte. Darin stehen Informationen über die Größe des Kunstwerks und auch wie viele Stück davon im Umlauf sind. Werke aus dem druckgrafischen Bereich, wie Lithografien, lassen sich leichter fälschen als große Leinwand-Bilder. Von solchen Werken gibt es eine höhere Stückzahl am Markt und es gibt kein Verzeichnis, in dem alle Eigentümer aufgelistet sind. Grobe: „In Werksverzeichnissen sind die Werke meistens in einer sehr guten Qualität und in Originalgröße abgedruckt. Und dann muss man das Werk nur noch in den PC einscannen."

Weiter geht´s auf Seite 2.

Fälschermuseum
Löwengase 28, 1030 Wien
Dienstag - Sontag: 10-17 Uhr.
www.faelschermuseum.at

Berühmte Fälscher
Edgar Mrugalla. Im Oktober 1987 flog der Meister der Fälscher auf. Das Protokol seiner Beichte bei der deutschen Kripo umfast 167 Seiten. Egal ob Kokoschka, Liebermann oder Nolde, Kunstwissenschafter bescheinigten die Echtheit.

Tom Keating. Der verstorbene Brite wurde wie ein Volksheld verehrt. Sogar seine Fälschungen werden mittlerweile gefälscht. Er baute in seine Bilder böse Überraschungen ein: Entweder versteckte er Botschaften oder sie lösten sich auf.

Eric Hebborn. Er „verschönerte “ unverkäufliche Bilder für einen Kunsthändler. Als er unter seinem eigenen Namen als Maler nicht reüssierte, began er als Fälscher. Nach der Erscheinung seines „Kunstfälschers Handbuch“, wurde er ermordet.

Der deutsche Meister-Fälscher Edgar Mrugalla ging anders vor: Er schnitt die Werke aus dem Werksverzeichnis aus, legte sie auf den Beamer, zeichnete die Umrisse spiegelverkehrt auf eine Druckplatte und machte auf altes Papier Abdrücke. Mrugalla verwendete bei seinen Drucken UV-Licht, um das Papier altern zu lassen. Schwieriger als Drucke sind gemalte Bilder zu fälschen. Wer glaubt, dass die Beschaffung des Materials ein Hindernis birgt, liegt falsch. Das fehlende Fachwissen birgt die Probleme. Rookies benötigen schwer erhältliche Fachliteratur: „Hat der Maler mit der linken Hand oder rechten Hand gemalt? Von oben nach unten? Welche Nägel hat er verwendet? Wo waren diese eingeschlagen? Welche Verdünnung hat er genommen? Olivenöl, Walnussöl, Terpentin?" All diese Antworten muss man kennen, bevor es an die Materialbeschaffung geht, warnt Grobe. Und Eric Hebborn warnte davor, die großen Meister zu fälschen. Er empfahl, sich eher auf Zweit- und Drittligisten zu konzentrieren.


Das notwendige große Papier findet man bei Restauratoren, auf Dachböden oder Flohmärkten. Kleinformatiges Papier für Zeichnungen oder Drucke lässt sich in Antiquariaten finden: Auf der ersten Seite eines Buches steht meist nichts, es empfiehlt sich also, diese Leerseite einfach rauszutrennen. Für eine Schiele- oder Klimt-Skizze eignen sich solche Seiten besonders gut. Aber was tun bei Künstlern, die ihre Werke auf Leinwand malten? „Altes Leinen findet man oft bei Ritterspielen! Altes Holz für den Rahmen oder auch für das Bild, weil früher viel auf Holz gemalt wurde, findet man in alten Holzböden." Die meisten Fälscher täuschten jedoch mit einem anderen Trick: „Sie kauften ein altes Bild aus der richtigen Epoche bei einem Händler oder auf einem Flohmarkt und kratzten das Bild vorsichtig ab."

Weiter geht´s auf Seite 3.

Üblicherweise werden kostspielige chemische Analysen nur bei großen Auktionen und bei den großen Meistern gemacht. Diane Grobe vom Fälschermuseum erstand einen hundert Jahre alten Malkasten um 20 Pfund. Auch hier wird man auf Flohmärkten leicht fündig. Farben oder Malkasten müssen aber aus der Region des Malers stammen. Und auf einen alten Pinsel darf nicht vergessen werden.


Hat der Fälscher alle Punkte beachtet, geht es an den Verkauf. Tom Keating fertigte Fälschungen von Werken an, die bei Auktionen an anonyme Private verkauft wurden. Ein paar Wochen nach der Auktion erzählte er einem Galeristen, er habe das Bild vor einigen Wochen ersteigert, es sei aber nun doch nichts für ihn. Eine andere Möglichkeit besteht durch einen Nachlass-Stempel, der im Internet bei prominenten Künstlern leicht zu finden ist. Kombiniert man den Stempel mit der Umschreibung „möglicherweise Klimt, Privatauktion" auf Ebay, kann man sich Aufmerksamkeit sicher sein. Variante 3: Man geht mit einer Mappe voll Zeichnungen vom Flohmarkt und einer Fälschung zu einem Galeristen, der nicht groß nachfragt. Wenn dieser den Schatz entdeckt, wird er den Verkäufer übers Ohr hauen wollen, nichts von seiner Entdeckung verraten, aber gut zahlen.

Böses Ende für Fälscher. Edgar Mrugalla fälschte aus Wut, weil er als unbedarfter Altwarenhändler Bilder als Kunstwerke nicht erkannte und beim Preis übers Ohr gehauen wurde. Der Brite Eric Hebborn wurde 1996 in Rom erschlagen, nachdem sein Buch „Kunstfälschers Handbuch" erschienen war. Ob von einem wütenden Fälscher-Kollegen, einem betrogenen Galeristen oder einem enttäuschten Sammler, blieb unklar. P.S. Was alle Fälscher gemeinsam haben? Diane Grobe: „Den Hang zu Drogen und Alkohol."

 

Aktuell