Kündigungswelle: Wir wollen arbeiten, wie wir das wollen

Ausgehend von den USA schmeißen seit Pandemiebeginn viel mehr Menschen ihren Job hin. Die Arbeitswelt befindet sich in einem großen Umbruch. Ein Kommentar.

Arbeiten, wie wir das wollen

"The Great Resignation" und "The Big Quit": Das sind die neuen Buzzwords, die knackig das Phänomen beschreiben, dass Arbeitnehmer*innen ihre Jobs hinschmeißen. Die Kündigungszahlen übersteigen derzeit die normale Fluktuation. Wie fast alle Trends kommt auch dieser aus den USA und schwappt nun zu uns herüber. Viele überrascht, dass sich diese Arbeitsmüdigkeit gerade in der Pandemie entwickelt, aber Corona war in vielen Bereichen Katalysator – man denke nur an den Digitalisierungsschub. Und ist eine Veränderung am Arbeitsmarkt nicht überfällig?

Die junge Generation ist nicht bereit, sich verkrusteten, stark hierarchisch geführten Unternehmensstrukturen unterzuordnen – 40 Wochenstunden, die in der Firma abgesessen werden müssen, viele Überstunden, großer Druck, Erreichbarkeit rund um die Uhr, bei mäßigem Lohn und am Ende ein Burn-out oder eine Kündigung? Noch bis vor Kurzem lautete ein anderes Buzzword "Hire and Fire". Diese Arbeitswelt haben die Millennials bei ihren Eltern erlebt – und sich entschieden, so nicht arbeiten zu wollen.

Innere Kündigung

Ich kenne die Arbeitsbedingungen bei US-Konzernen, weil ich bei einer Nachrichtenagentur gearbeitet habe. 50 Wochenstunden waren das Minimum, 70 keine Seltenheit, gekoppelt mit Leistungsdruck und 24/7-Verfügbarkeit. Als mich einmal meine Chefin nach einem 15-Stunden-Tag um ein Uhr nachts anrief, weil ich ihre E-Mail, die sie kurz davor geschickt hatte, nicht beantwortet hatte, und mir mangelnde Einsatzbereitschaft vorwarf, kam der Augenblick der inneren Kündigung. Kurz darauf verließ ich die Agentur.

Da ich der Generation X angehöre, habe ich mir zuerst einen neuen Job gesucht und erst dann gekündigt. Die Millennials haben den Vorteil, eine geburtenschwache Generation zu sein, die am Arbeitsmarkt begehrt ist, denn (um bei Buzzwords zu bleiben) es herrscht ein "War for Talents", ein Krieg um die besten Köpfe. Davon profitieren auch Ältere. Corona hat den Pauseknopf gedrückt und den Menschen Zeit gegeben, ihre Situation zu reflektieren. Gleichzeitig hat die Pandemie die Voraussetzungen für eine flexible, selbstbestimmte Arbeitswelt geschaffen. Und ein kleiner Tipp an die Unternehmen: Zufriedene MitarbeiterInnen sind motivierter.

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