"Krone" zahlt Strafe wegen Nennung von Vergewaltigungsopfer

Die Frau wurde nach einer mehrfachen Vergewaltigung in der "Krone" erkennbar gemacht.

Das Wiener Oberlandesgericht (OLG) hat vergangene Woche ein wichtiges Urteil für den Opferschutz gefällt: Weil die "Kronen Zeitung" (print und online) ein Vergewaltigungsopfer erkennbar gemacht hatte, muss das Boulevardblatt jetzt 40.000 Euro Strafe zahlen, wie die APAberichtet. Das ist die nach dem Medienrecht vorgesehene Höchststrafe.

Die Berichte der "Krone" hätten bei dem Opfer eine Retraumatisierung ausgelöst und ihren ohnehin schlechten Gesundheitszustand noch verschlimmert, heißt es im Gutachten. Die betroffene Frau war Anfang 2016 von mehreren Männern in einer Wohnung im 2. Bezirk vergewaltigt worden. Die acht Täter wurden Anfang März 2017 zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt, die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Meilenstein für Opferschutz

Die "Kronen Zeitung" hat vor dem Gerichtsprozess den abgekürzten Namen des Opfers, sowie den Namen ihrer Freundin und ihr Herkunftsland preisgegeben. Auch Einvernahmeprotokolle, die eigentlich geheim sind, wurden öffentlich. Die Rechtsanwältin Maria Windhager klagte daraufhin wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes. Gegen die zunächst zugebilligten 8.000 Euro legte sie Berufung ein.

Es liege "ein außergewöhnlicher Fall einer besonders eingreifenden Berichterstattung" vor, der für die Betroffene sehr nachteilige Auswirkungen hatte, lautete die Urteilsbegründung. Das Urteil ist ein Meilenstein für den Opferschutz und betroffene Personen, die durch solche Medienberichte retraumatisiert werden.

 

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