Kroatien: Frauen berichten über traumatische gynäkologische Eingriffe

Unter dem Hashtag "Breaking The Silence" (#PrekinimoŠutnju) machen Frauen in Kroatien gerade auf katastrophale Umstände im Frauengesundheitswesen aufmerksam.

Triggerwarnung: Dieser Text enthält Darstellungen von Gewalt.

"Das passiert halt, wenn du Männer zu sehr magst." Diesen Satz musste sich eine junge Frau vom einem Arzt in Zagreb während eines chirurgischen Schwangerschaftsabbruches anhören. Der Frau wurde die Gebärmutter ohne Narkose ausgeschabt, während der Arzt und das OP-Team Witze über ihr Sexleben machten.

Öffentlich gemacht wurde das schockierende Erlebnis von der kroatischen Elternrechtsorganisation RODA, und er ist nicht der einzige seiner Art. Die NGO bat Frauen darum, ihre Erfahrungen mit dem reproduktiven Gesundheitswesen in ihrem Land öffentlich zu machen. Innerhalb eines Wochenendes erreichten die Organisation 400 handgeschriebene Erfahrungsberichte.

Erfahrungsbericht

"Ich habe geweint, als der Arzt Abstriche genommen hat und er meinte nur: ,Du hast beim Sex auch nicht geweint, also sei still'", schrieb etwa eine Frau. Einer anderen wurde Alkohol angeboten, "um sich zu beruhigen". "Als Medizinstudentin in der Gynäkologie habe ich persönlich oft gesehen, wie Eizellen entnommen wurden, ohne jegliche Narkose. Der Schmerz und die Gesichter dieser Frauen haben sich in mein Gehirn gebrannt, ebenso die herablassenden Kommentare des medizinischen Personals. Und auch heute noch, 16 Jahre später, wird diese Prozedur oft ohne Narkose durchgeführt. Dafür schäme ich mich", schrieb auch eine Gynäkologin an die NGO. Viele Frauen berichteten auch über Gewalterfahrungen während und nach der Geburt

Die Vorgeschichte

Ausgelöst wurde der Hashtag durch die traumatischen Erfahrungen der Politikerin Ivana Ninčević Lesandrić, die sie im Parlament öffentlich geteilt hatte: "Ich hatte eine Fehlgeburt. Sie haben meine Hände und Füße zusammengebunden und mit der Ausschabung begonnen, ohne Narkose. Das waren die schlimmsten 30 Minuten meines Lebens. Ich kann jede Sekunde davon beschreiben. Dreißig Minuten der Degradierung. Ich stehe hier mit jenen tausenden Frauen, die schon lange sagen, dass solche grauenhaften Dinge nicht mehr passieren dürfen."

Auf ihre Erzählung folgten etliche PolitikerInnen - darunter auch der Gesundheitsminister - und JournalistInnen, die ihre Glaubwürdigkeit infrage stellten und sich durch diese "zu intime" Geschichte angegriffen fühlten. Auch die NGO RODA schreibt: "Die Reaktionen auf diese Erfahrungsberichte sind durch alle Gesundheitsorganisationen hindurch die gleichen: das Thema ist ihnen egal, sie verweigern die Existenz eines Problems, stellen die Glaubwürdigkeit der Frauen infrage, sowie ihren Schmerz generell, und schieben das Problem auf die AnästhesistInnen."

Die Organisation wünscht sich einen kulturellen Wandel - dass Frauen endlich zugehört wird und dass Frauen diese invasiven und schmerzhaften Eingriffe ohne Narkose nicht akzeptieren müssen.

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