Kritik am Partner

Frauen sind vernünftiger, zumindest wenn es um die Gesundheit geht. Denn Männer sind Vorsorgemuffel, außerdem haben sie es gerne riskant. Bei Übergewicht, Alkohol- und Zigarettenkonsum haben sie die Nase vorne. Doch wie weit darf frau gehen, um Mann zu einem gesünderen Lebensstil zu bringen?

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Mann. Ihre Feundin schreibt ihnen auf einmal vor, dass ab sofort Schluss mit Fast food ist und Sie künftig wieder mehr Sport machen müssen. Und all das nur, weil Sie einige Kilos am Bauch angesetzt haben. Würden Sie es machen? Wahrscheinlich nicht, oder?

Der Mann, von dem die Rede ist, hält sich angeblich an Diät und Trainingsplan. Gemeint ist Tänzer und ChoreografenCasper Smart (26). Seine Partnerin keine geringere als Sängerin Jennifer Lopez(44). Und die versteht bei ihrem Lover offenbar keinen Spaß. Ob aus gesundheitlichen oder optischen Gründen, ist schwer zu sagen. Vermutlich aber auch, weil sie einfach nicht die einzige sein will, die hungernd Sport macht.

Sketch: Mann beim Arzt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde es super, dass die beiden versuchen sich gesund zu ernähren und Sport machen. Das ist gut und das ist wichtig. Ob an Casper Smart wirklich ein Gramm zu viel hat, wage ich zu bezweifeln, wirklich beurteilen kann ich es natürlich nicht.

Typisch ist hingegen, dass die Frau dem Mann die Richtung vorzugeben versucht, was er für seine Gesundheit machen muss. Ihn daran erinnert, dass gesunde Ernährung und Sport wichtig sind. In dem Fall für den Körper und wahrscheinlich auch für den Job. Denn Männer reflektieren nicht gerne, ob sie in Sachen Wohlbefinden Nachhilfe brauchen oder ob eh alles zum Besten steht. Wird schon passen, hoffentlich. Wenns dann weh tut, dann aber richtig. Auch nicht weiter verwunderlich, denn wenn die Vorzeichen einer Krankheit missachtet werden, dann kommt es halt gleich ganz dicke.

Nur wann sollte frau eingreifen? Wie weit darf frau sich einmischen? Darf frau überhaupt etwas dazu sagen? Zwei Szenarien, um zu erklären, was passieren könnte.

Szenario 1: Ein Mann hat Probleme, sagen wir, er schläft schlecht. Das könnte viel bedeuten. Es könnte darauf hindeuten, dass er falsch isst, zu wenig Bewegung hat, es könnte aber genau so gut ein Hinweis auf Diabetes sein, oder die ersten Anfänge von Burnout oder einer Depression. Vielleicht hat er es im Beruf gerade stressig. Seine Partnerin schickt ihn zum Arzt. Dieser kann nichts feststellen und rät ihm zu mehr Sport. Er geht darauf heim zu seiner Freundin und sagt: "War eh nichts." Der Lerneffekt ist gleich null.

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Szenario 2: Der gleiche Mann, nur ein halbes Jahr später. Er hält den Stress kaum noch aus, schlaft kaum noch, hat überhaupt wenig Zeit für irgendetwas. Vom Gesellschaftsleben zieht er sich völlig zurück. Und selbst fühlt er sich jeden Tag so als wäre ein Lastwagen drübergefahren. Zum Arzt will er jetzt erst recht nicht gehen, denn beim Burnout erlangen Betroffene irgendwann ein Stadium, in dem sie alles leugnen und keine Hilfe annehmen wollen. Trotzdem ist er kurz vor dem völligen Zusammenbruch.

Ist es jetzt die richtige Zeit, um einzugreifen? Fast schon zu spät oder? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen diesen beiden Szenarien. Ich glaube, dass man seinem Partner durchaus sagen kann, wenn er mehr für seine Gesundheit oder zur Prävention machen sollte. Allerdings sollte man ihn schon für voll nehmen, sprich: ihn selbst entscheiden zu lassen, ob er das dann auch macht oder nicht. Schließlich wird sich nicht jeder so viel sagen lassen wie der Partner von J.Lo. Der Moment, in dem frau ihn zwingt zum Arzt zu gehen, sollte also bei offensichtlich ernsthaften Problemen sein. Etwa, wenn die Schlafstörungen andauern. Denn dann ist Handeln gefragt!

 

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