„Krebs ist mein Beifahrer. Aber ich sitze hinterm Steuer, gebe Richtung und Tempo vor“

Claudia Altmann-Pospischek lebt seit fünf Jahren mit metastasiertem Brustkrebs ohne Chance auf Heilung. Auf ihrem Blog Claudia´s Cancer Challenge schreibt sie über ihr Leben als Krebsbetroffene und macht mit ihrer positiven Einstellung tausenden Menschen Mut. Uns hat sie erzählt, was ihr Kraft gibt und warum sie nie die Hoffnung verliert.

In der Artikel-Serie "Kämpferinnen" lässt die WIENERIN Frauen zu Wort kommen, die in der Diskussion über politische Veränderungen nur selten in den Blick genommen werden und in ihrem Leben gegen private, berufliche und gesellschaftliche Widerstände kämpfen und gekämpft haben.

„Die Diagnose kam 2013 aus dem Nichts und hat mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Mein winziges Mammakarzinom hatte bereits in die Leber und in die Knochen gestreut. Das alles ohne genetische Prädisposition und trotz regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen; prognostizierte Durchschnittsüberlebenszeit: 2 Jahre. Was folgte, war ein kräftezehrender Therapiemarathon mit Operationen, Chemos, Antihormon- und Antikörpertherapien, Bestrahlungen, Knochenaufbauspritze ... Getragen von viel positiver Energie und ausgestattet mit jeder Menge Lebensfreude, Zähigkeit und Optimismus, gelang es mir, den Krebs über all die Jahre halbwegs im Zaum zu halten. Stets an meiner Seite: mein Mann Peter, meine Familie und meine FreundInnen.

Mit Metastasen gilt man in der Regel als unheilbar/palliativ – ich bevorzuge allerdings den Terminus ‚chronische Krankheit‘. In meinem Fall liegt das Rückfallrisiko bei nahezu 100 Prozent. Das heißt er wird wieder etwas wachsen – die Frage ist nur: wann und wo? Die letzte Leber-OP hatte ich erst Anfang Dezember, zudem bekomme ich seit geraumer Zeit Dauer-Chemotherapie und habe demzufolge natürlich mit diversen Nebenwirkungen zu kämpfen.“

Claudia Altmann

Ich bevorzuge den Begriff 'chronische Krankheit'. Das ist irgendwie sympathischer als unheilbar. Chronisch hat für mich den Horizont, dass man damit noch eine Zeit lang leben kann.

Every day is an adventure

„Der Rucksack, den man von einem auf den anderen Tag ungewollt umgeschnallt bekommt, wiegt äußerst schwer. Doch es bringt nichts, heute daran zu denken, was morgen möglicherweise eintreten könnte. Es gilt, das Leben in vollen Zügen zu genießen – getreu meinem Motto: ‚Every day is an adventure!‘ Und das mache ich – mit zahlreichen Reisen, Konzertbesuchen, Treffen und allem, was mir sonst noch Spaß macht. Aber natürlich habe ich auch dunkle Tage, was angesichts dieser Krankengeschichte wenig verwundert. Man kann nicht immer nur lächeln. Es gibt sie – diese Heultage, diese ‚Ich seh‘ keinen Sonnenstrahl am Himmel‘-Zeiten. Alles gleicht einer rasanten Hochschaubahnfahrt."

Gesicht und Stimme einer Krankheit

„Mir ist bewusst, dass ich mein altes Leben nicht mehr zurückbekomme. Also habe ich meinen Fokus verändert. Ich sehe mich nun als Bloggerin, Brustkrebsaktivistin & Autorin. Ich habe früher selbst mit großer Freude Medienarbeit gemacht. Doch irgendwann war aufgrund meiner Erkrankung an einen geregelten Arbeitsalltag nicht mehr zu denken und deshalb musste ich mich – schweren Herzens – in die Berufsunfähigkeitspension verabschieden. Nicht das, was man sich mit Anfang 40 vorstellt.

Ich wollte aber nicht nur nutzlos daheimsitzen, sondern etwas für mich, für andere Betroffene und für Angehörige tun, das in Zusammenhang mit meiner Krankheit steht. Und so entstand die Idee zum Blog, mit dem ich dann am 1. Juli 2016 startete. Seither schreibe ich täglich - tagebuchähnlich. Und das mit großer Leidenschaft. Im Rahmen meiner 'Cancer Challenge' möchte ich alle Aspekte des umfangreichen Themenschwerpunkts ‚Metastasierter Brustkrebs‘ aus meiner ganz persönlichen Sicht beleuchten – von ‚Wie fühlt sich eine Chemo an?‘ bis hin zu ‚Wie geht man mit Glatze um?‘. Schreiben ist Teil meines Verarbeitungsprozesses. Es war mir von Anfang an klar, dass ein persönlicher Blog zum Thema ‚Krebs‘ nur funktionieren kann, wenn er authentisch rüberkommt, wenn ich schonungslos ehrlich bin. Mein Anspruch: Ich möchte Gesicht und Stimme einer Krankheit sein. Mittlerweile halte ich bei über 5.600 Likes, was ich vor ein paar Monaten nie zu träumen gewagt hätte.“

Was ist metastasierter Brustkrebs?

Jede 8. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Früh erkannt, stehen die Heilungschancen gut – somit kann Früherkennung Leben retten. Neue Therapien machen aber auch längere Überlebenszeiten in der metastasierten Situation möglich.

Frauen mit metastasiertem Brustkrebs …

  • leiden unter einer chronischen, unheilbaren Krankheit
  • können nie wieder in ihr altes Leben einsteigen
  • brauchen Dauertherapie
  • müssen mit Nebenwirkungen und Schmerzen zurechtkommen
  • tragen eine enorme psychische Belastung
  • können in den meisten Fällen nicht mehr (Vollzeit) arbeiten
  • müssen anhaltende finanzielle Einschnitte hinnehmen
  • sind gezwungen, ihre (familiäre) Lebensträume einzuschränken/aufzugeben
  • stellen ihre Familie und ihr Umfeld vor Herausforderungen
  • sind plötzlich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert

Zukunftsperspektiven

"Ich sehe meine Krankheit generell als große Herausforderung, die es mit Zuversicht, Zielgerichtetheit und jeder Menge Lebensfreude zu meistern gilt. In den letzten fünfeinhalb Jahren hatte ich viele Hochs und Tiefs, gute und schlechte Untersuchungsbefunde, inspirierende Begegnungen und interessante Erkenntnisse aber auch üble Schockerlebnisse und niederschmetternde Diagnosen. All meine Erfahrungen als metastasierte Brustkrebspatientin möchte ich in einem Buch festhalten, das gerade im Entstehen ist. Die logische Fortführung meines Blogs und eine Herzensangelegenheit.“


Für ihr Brustkrebsengagement wurde Claudia Altmann-Pospischek bereits mit dem myAID Award von Dancer against Cancer (2016) und mit dem Löwenherz vom Verein Pro NÖ (2017) ausgezeichnet.

www.facebook.com/claudiascancerchallenge

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