Krankenpflegerin berichtet: Covid-Patient*innen glauben selbst am Sterbebett noch nicht an Corona

"Sie hören erst auf, dich anzuschreien, wenn sie intubiert werden müssen" - obwohl sie mit starken Schmerzen auf der Intensivstation liegen, leugnen Patient*innen in den USA nach wie vor, dass sie sich mit Corona infiziert haben.

Jodi Doering

Auch in den USA spitzt sich die Corona-Situation weiter zu. Seit zwei Wochen kommen jeden Tag über 150.000 Infizierte hinzu. Ein Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Schon jetzt sind viele Spitäler am Limit. Dennoch scheinen viele Menschen in den USA die Gefahr des Virus zu unterschätzen oder glauben nicht, dass Corona wirklich existiert.

Jodi Doering, Krankenschwester auf einer Covid-Intensivstation in South Dakota erlebt dies jeden Tag. Die Krankenpflegerin begleitet Corona-Infizierte bis in den Tod. Darunter Corona-Skeptiker*innen, die selbst dann das Virus leugnen, wenn sie bereits im Sterben liegen.

"Sie beschimpfen uns und fragen, warum wir dieses ganze 'Zeug' tragen müssen"

Auf Twitter berichtet die junge Frau, welche Erfahrungen sie Tag für Tag auf den Covidstationen macht: "Sie sagen uns, dass es einen anderen Grund geben muss, warum sie krank sind. Sie beschimpfen uns und fragen, warum wir dieses ganze 'Zeug' tragen müssen, weil sie doch kein Corona haben, weil es nicht echt ist. Ja. Das passiert wirklich", schreibt Doering.

Die Patient*innen seien fest davon überzeugt, dass Corona eine Erfindung sei. Dem Krankenhauspersonal würden sie daher in der Regel mit Wut und Hass begegnen. Doering mache dies sehr zu schaffen. Erst, wenn die Krankheit einen sehr schlimmen Verlauf nimmt, höre der Ärger allmählich auf: "Sie hören erst auf, dich anzuschreien, wenn sie intubiert werden müssen", beschreibt Doering die Situation.

Sterbende Coronapatient*innen wollen nicht mit Familie sprechen

Im Interview mit dem US-amerikanischen TV-Sender CNNerklärt Doering, dass es sie traurig und wütend mache, zu sehen, wie Menschen ihre letzten Stunden so hasserfüllt verbringen und sich weigern, ihre Familien zu kontaktieren, da sie davon überzeugt sind, dass es Corona nicht gibt und sie nicht daran sterben können. Die letzten Worte der Patient*innen seien oftmals: "Das kann nicht sein. Es ist nicht real".

Aufgrund der hohen Infektionszahlen und der knapper werdenden Betten gibt es für Doering und ihre Kolleg*innen kaum Zeit für Pausen. Es gehe ständig wieder von vorne los: "Es ist wie ein verdammter Horrorfilm, der nie endet. Es gibt keinen Abspann, der läuft. Man geht einfach zurück und macht alles nochmal."

 

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