Köstliche Vielfalt!

Alte Sorten erhalten – und genießen! Helmut Österreicher kocht für Slow Food Wien mit vergessenen Gemüsen und Früchten

Alte Sorten erhalten – und genießen! Helmut Österreicher kochte für Slow Food Wien mit vergessenen Gemüsen und Früchten

Text Elisabeth Ruckser

Sie heißen „Znaimer Gurkerl", „Steinfelder Tellerlinse“, oder „ Kritzendorfer Ribisel“ - doch wer kennt sie heute noch? Die große Vielfalt österreichischer landwirtschaftlicher Produkte, die noch um die letzte Jahrhundertwende jedem Koch und jeder Köchin so geläufig war wie Gramm und Deka, ist längst dahin. Viele Arten sind bereits unwiderbringlich verloren, weltweit schätzt man, dass 75 Prozent des Saatgutes für immer von unserer Erde verschwunden sind.

Die internationale Slow Food-Foundation hat dieser erschreckenden Entwicklung bereits seit Jahren die „Arche des Geschmacks“ entgegen gesetzt, in deren Rahmen lokale und regionale Lebensmittel aus der ganzen Welt – Nutztier- und Nutzpflanzenarten, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen können oder „aus der Mode gekommen sind" –, vor dem Vergessen gerettet werden sollen.

Wer an Bord der Arche des Geschmacks mitreisen will, muss dabei strenge Auswahlkriterien erfüllen. Zwei unabhängiger Gutachten müssen unter anderem nachweisen, dass das Produkt nachhaltig und verantwortungsvoll (ohne Gentechnik, artgerechte Tierhaltung, etc) produziert wurde, dass die geschmackliche Qualität erstklassig ist und dass das Produkt eine lange Historie hat.

Weltweit es gibt bereits eine recht ansehnliche Liste dieser Produkte: In Italien wurden etwa bereits über 180 – vom Sambucano Lamm bis zum Pistoian Pecorino – registriert, Frankreich, Griechenland, Norwegen, oder Spanien sind ebenso vielfältig vertreten, wie die Schweiz, England, Holland, Ungarn, Polen oder Rumänien.

Einzig in Österreich gibt es zur Zeit kein einziges Arche-Produkt, obwohl nicht nur etwa eine Wachauer Marille oder Steirische Käferbohne gut und gern das Zeug dazu hätten. Slow Food Wien und der Verein „Arche Noah“ zur Erhaltung der Artenvielfalt wollen nun erstmals österreichische Arche-Produkte benennen, die in den Kreis der internationalen Arche des Geschmacks aufgenommen werden könnten. Köstlicher Auftakt dazu: Helmut Österreicher kochte „die Arche des Geschmacks“ in fünf Gängen im Restaurant Österreicher im MAK. Barbara van Melle von Slow Food Wien dazu: „Ich halte die Arche-Produkte für so unglaublich wichtig, weil durch sie weltweit kulinarische Schätze und damit die regionale Vielfalt der Lebensmittel bewahrt werden können.“



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