Korsika entdecken

Kennen Sie die „malaise corse“, die korsische Krankheit? Sie ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum gerade wir Österreicher uns auf der Mittelmeerinsel so wohl fühlen. Wir verraten, wie und wo Letzteres am besten gelingt!

Gelangweilt schaut sie in Richtung des Autos. Ob sie näher kommt? Nein, sie bleibt stehen, lässt sich von der Kamera nicht irritieren. Dann senkt sie langsam den Kopf und beginnt das spärliche Gras am Straßenrand zu kauen.

Begegnungen wie diese verwundern auf Korsika nur zu Beginn. Später gewöhnt man sich an die Vierbeiner, ob es sich nun um eine Kuh handelt, um eine Ziege oder ein Schwein. Letztere sind auf der Insel übrigens gescheckt, Ergebnisse von Techtelmechteln zwischen Haus- und Wildschweinen. Aus der Ruhe bringen lassen sich die Tiere ohnehin nicht.

"Wir Korsen sind cool", verrät uns auch eine Einheimische und interpretiert die allgegenwärtige Gemütlichkeit neu. Nein, eilig sollte man es auf Korsika nicht haben - schon gar nicht auf den Straßen. Die ­scheinen nämlich nach dem Motto „Verbinden Sie alle Punkte (= am Hang klebende Dörfchen) mit nur einer Linie“ angelegt zu sein. Egal, wie viele Serpentinen bergauf und bergab man dazu bezwingen muss. Meist kommt man ohne Kratzer ans Ziel, hat in den Dörfern viele blumenumrankte, bunte Steinhäuschen gesehen und von den höheren Punkten die Aussicht über Meer und Macchie (= immergrüne Gebüschformation)genossen.

Angesichts der vielen verschlafenen Ortschaften fühlt sich man auf der Insel in vergangene Zeiten zurückversetzt, die Uhren scheinen anders zu ticken. Langsamer. Arbeitsscheu zu sein sagt man den Korsen nach, die sprichwörtliche „malaise corse“, ein Klischee, das auch in den Asterix-Comics bemüht wird - ein gut recherchierter Band der Komikserie, an den man auf Korsika immer wieder gern erinnert wird. Auch von Korsen selbst.

Hinter dem Vorurteil der Arbeitsscheue steckt eine unvorteilhafte Entwicklung: Die industrielle Revolution ging an der Insel spurlos vorüber, kleinbäuerliche Strukturen haben sich bis heute gehalten. Vom Stress des 21. Jahrhunderts keine Spur. Weniger hektisch als anderswo, somit ideal zum Ausspannen. Und vielleicht steckt ja hinter der "malaise corse" vielmehr die zitierte korsische Coolness...

Wo und wie es die auf der viertgrößten Mittelmeerinsel - nach Sizilien, Sardinien und Zypern - am besten zu erleben gibt, verraten wir auf Seite 2 >>

Probiers Gemuetlichkeit
Probiers Gemuetlichkeit
Saison: Mai bis Oktober
Anreise: Entweder mit Auto und Fähre (u. a. ab La Sepzia und Livorno) oder per Flug: NIKI fliegt täglich nach Nizza, dann weiter mit Air Corsica (mehrmals täglich) nach Ajaccio, Calvi, Bastia oder Figari nahe Bonifacio.
Weiterreise: Nachdem der öffentliche Verkehr auf Korsika schlecht ausgebaut ist, empfiehlt sich die Anmietung eines Autos.

Tipp Nebensaison

Wer von Anfang Mai bis Ende Oktober Korsika besucht, wird den Massen kaum ausweichen können. Zu den rund 300.000 Einwohnern kommen dann nämlich noch 2,8 der jährlich insgesamt drei Millionen Touristen auf die Insel. Besonders im Juli und August schwärmen Festland-Franzosen, Deutsche, Engländer, Italiener, Schweizer und auch Österreicher auf Korsika. Dann steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, sich bei der Herbergssuche schwer zu tun - auch das ohnehin schon hohe Preisniveau steigt noch weiter.

Anders hingegen in der Nebensaison im späten Frühjahr oder frühen Herbst, wenn die Temperaturen im Wasserreichen Korsika angenehm mild sind.

Kunst- & geschmackvoll

Auch wenn so mancher Korse noch immer nicht wahr haben möchte, dass die selbst regierte Insel zu Frankreich gehört: Genuss steht hier wie dort an der Tagesordnung. Der hat zwar seinen Preis, kommt aber so unprätentiös und entspannt daher, wie der Rest von Korsika.

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Zum Beispiel im Restaurant Chez Pechan der Route des Sanguinaires - Barbicaja. Da sitzt man draußen und weiß nicht, woran man sich eher erfreuen soll: Am Meer, das sich bei Sonnenuntergang rot färbt, oder an den Nachbarn auf den Nebentischen, die jedem Klischee gerecht werden. Aus welchem Film sind Sie denn gerade entsprungen, möchte man da schon mal fragen.

Ein Star könnte auch Olympe Ricco sein, Mitte 30 und zweifache Mutter, die im Bergdorf Pigna im Nordwesten Korsikas ein Paradies geschaffen hat: Im U Palazzu Pigna, das zwar neben dem gleichnamigen Hotel liegt, mit diesem aber nichts zu tun hat. Da deckt die Wirtin selbst den Tisch im Gastgarten mit Geschirr, das vom Flohmarkt genauso liebevoll zusammen gesucht worden ist wie der Rest der antik-bunten Einrichtung im Gewölbe des Lokals. Das Beste - neben der erfrischenden, lebhaften Unterhaltung durch Olympe - ist aber das Essen. Regionales und Lokales kommt da auf die Teller: Fisch, vom Bruder gefangen, und Bio-Wein des Cousins zum Beispiel. Beides wird in Zukunft wohl anderswo serviert, vielleicht im Restaurant "Napoleon & Joséphine", dem ersten korsischen Lokal, das Olympe gemeinsam mit Mann, Kindern und spanischem Koch in Los Angeles eröffnen wird. Ende September läuft ihr Pachtvertrag für das U Palazzu aus, ein neuer Pächter war bereit, ein Vielfaches zu bezahlen.

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Einen Besuch ist Pigna aber auch nach September wert, liegt es doch an der "Straße des Kunsthandwerks". Wer würde denken, dass diese Route von einem entzückenderen Bergdorf zum Nächsten ausgerechnet nahe der Stadt Calvi liegt? Die ist nämlich die am meisten besuchte Stadt Korsikas. Einen Hinweis darauf geben die vielen Touristenautos, die sich die steilen und vor allem für verwöhnte Zentraleuropäer ungewohnt engen Straßen hinaufquälen. Nein, allein ist man auf der Route im sogenannten "Garten Korsikas", wie die Balagne gern genannt wird, nicht. Muss man aber auch nicht: Hauptsache, man bleibt cool... oder besser gesagt, gemütlich!

 

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