Könntet ihr in einer offenen Beziehung glücklich sein?

Anna und Sebastian haben vor sieben Monaten ihre Beziehung geöffnet. Eigentlich aus reiner Neugier. Jetzt können sie es sich nicht mehr anders vorstellen.

Nicht monogame Beziehungen

Wie viel Nähe braucht eine funktionierende Beziehung? Und wie viel Freiraum muss man sich lassen, um die Liebe und Lust nicht zu ersticken. Diese Fragen stellen sich Paare nicht erst in den letzten paar Jahren, sondern schon lange und immer mehr entscheiden: Liebe und Vertrauen haben für viele nichts mit Exklusivität zu tun. Das Beziehungsmodell "CNM", kurz für "consensual non-monogamy", wird für immer mehr Menschen zur gewünschten Beziehungsform.

Zuerst Neugier, jetzt die einzige Option

Aber wie funktioniert das genau? Es handelt sich dabei um moderne, einvernehmlich nicht-monogame Beziehungen, bei denen auch weitere Personen gedatet und geliebt werden. Aber wie funktioniert so eine Öffnung einer Beziehung? Was muss man dabei bedenken? Was braucht es dafür?

Key Account Managerin Anna (36) aus Köln und ihr Mann Sebastian (38) haben im vergangenen Jahr ihre Beziehung geöffnet und sich damit gegenseitig die Freiheit gegeben, mit mehreren Personen intime Verbindungen einzugehen. Diese Entscheidung trafen die Eheleute aus reiner Neugierde heraus, waren dabei jedoch immer darauf bedacht, ehrlich zu sein und ihre Partnerschaft zu respektieren. Nach sieben Monaten Beziehung ziehen sie die erste Bilanz.

Nähe bedeutet nicht Exklusivität

"Eine gut funktionierende Beziehung muss nicht automatisch Exklusivität und absolute Nähe bedeuten," sagt Anna. "In meinen Augen haben Paare, die in einer offenen Beziehung leben, erkannt, dass es vor allem darum geht, sich gegenseitig zu ergänzen. Doch nicht immer kann der eine Partner oder die eine Partnerin dem anderen alles bieten, was sich dieser wünscht: Durch unterschiedliche Interessen und Vorlieben kann das Gefühl entstehen, seinem Gegenüber nicht gerecht zu werden. Indem wir uns auch mit anderen treffen, wird dieser Druck reduziert, weil man nicht mehr erwartet, dass eine Person alle Bedürfnisse erfüllt."

Unterschiedliche Bedürfnisse

Sebastian ergänzt: "Wir haben erkannt, was wir wollen und was wir einander geben können. Anna geht zum Beispiel abends gern schick essen, zum Tanzen oder ins Theater. Ich möchte mich nach der Arbeit lieber zuhause entspannen und genieße die Ruhe. Das hat früher häufig zu Streitigkeiten zwischen uns geführt. Sich selbst einzugestehen, dass man verschieden ist und dem Partner allein nicht gerecht wird, mag sich vielleicht erst nach Scheitern anfühlen – das Gegenteil ist jedoch der Fall. Obwohl wir uns lieben, müssen wir nicht alles gemeinsam machen. Aber es muss eben auch keiner von uns zurückstecken. Nun hat jeder von uns auf respektvolle Art die Freiheit, sich auch in Gesellschaft anderer selbst zu verwirklichen."

Online-Dating

Regeln gibt es in ihrer Beziehung selbstverständlich trotzdem. So haben sie vereinbart, dass niemand Bekannte, Freund*innen oder Arbeitskolleg*innen daten oder treffen darf. Diese Ebenen wollen sie bewusst nicht vermischen. Da aber beispielsweise Anna auch keine Lust darauf hat, Männer in Bars anzusprechen, sucht sie Dates vor allem auf Dating-Plattform. Die Dating-Plattform Seeking.com beispielsweise reagiert auch auf die Bedürfnisse moderner Beziehungen.

 

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