Können wir bitte Jennifer Aniston aus Brad und Angelinas Trennung raushalten?

Brad und Angelina trennen sich, das Internet explodiert, und es werden andere Frauen in die Sache gezogen.

Vorgestern Nachmittag eroberten die Nachrichten, dass Angelina Jolie die Scheidung von Brad Pitt einreichte das Internet. Offenbar brach mit dem Internet auch eine Welt in den Köpfen vieler Menschen zusammen, in der man noch an Liebe glauben konnte. Trotzdem waren es nicht ihre Gesichter, die am nächsten Tag vom Cover der New York Post schauten, sondern Jennifer Anistons. Die New York Post war nicht der einzige, das Internet wurde überschwemmt mit Memes und Reaktions-Gifs darüber, wie glücklich Jennifer Aniston vor Schadenfreude jetzt wohl sei.

Tragischerweise definieren wir Jennifer Aniston 11 Jahre nach der Trennug noch immer über ihre Ehe zu Brad Pitt. Wir drängen sie in einen Stereotyp einer verbitterten, verlassenen Frau. All dieses Gifs basieren irgendwie auf der Annahme, dass Jennifer Aniston gerade eine kleine Feier in ihrer Hollywood-Villa abhält, weil sie sich so über das Karma freut, dass Angelinas unsägliche Ehe mit Pitt genauso wenig funktioniert hat, wie ihre. Als hätte Jennifer Aniston die letzten 11 Jahre nicht ihr Leben weitergelebt.

Genau wie die unsäglichen Boulevard-Spekulationen über Anistons Fruchtbarkeit und Fortpflanungsmotivation, ist dieser mediale Narrativ furchtbar sexistisch und in einem Frauenbild verortet, dass sie ausschließlich über Männer und die Mutterrolle definiert. Bei Männern setzen wir irgendwie andere Maßstäbe an, immerhin können wir über Tom Cruise reden, ohne Katie Holmes zu erwähnen. Jahrelang ließen wir George Clooney einen zufriedenen, älter werdenden Junggesellen sein, ohne zu spekulieren, ob er eventuell gerade ein Kind gezeugt hätte und wie unglücklich er über seine Kinderlosigkeit sei.

Brangelinas Fall deckt sogar noch mehr Sexismen auf: Page Six beispielsweise gab Marion Cotillard die Schuld an der Trennung, weil Brad Pitt mit dem Allied-Co-Star angeblich einen Affaire gehabt haben soll. Der Fokus auf die "andere Frau" im Gegensatz zum angeblichen Betrüger ist altbekannt, und spricht Männer von jeglicher Schuld frei, während Frauen permanent für ihre Sexualität bestraft werden.

Während die Öffentlichkeit also kollektiv Brad und Angelinas Trennung verarbeitet, können wir auch Jennifer Aniston Trennung von Brad langsam verarbeiten? Und bitte einfach keine weiteren Frauen mehr in diese Geschichte reinziehen. Danke.

 

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