Können Füße zu schirch für offene Schuhe sein?

Spoiler: Natürlich nicht. Aber patriarchale Schönheitsnormen möchten uns mittlerweile selbst das gerne einreden – und leider funktioniert's zu oft, wie eine Diskussion auf Reddit zeigt.

Sandalen im Sommer

"In der Unterstufe habe ich das erste Mal bemerkt, dass meine Füße nicht so schön wie die von anderen Mädchen aussehen", schreibt eine Userin auf der Plattform Reddit. Es war auch der Moment, in dem sie aus dem Schwimmteam ausstieg, generell beschloss nicht mehr ins Schwimmbad gehen und in der Schule nur noch geschlossene Schuhe trug. "Warum kann ich nicht einfach schöne ladylike Füße haben?" fragt sie die anderen Userinnen im Reddit-Forum. "Und wie geht ihr mit Unsicherheiten bzgl. eurer Füße um?"

Ähnlich, wie sich herausstellt. "Ich habe tatsächlich immer Socken unter offenen Sandalen getragen", schreibt eine weitere Userin. "Ich habe total hässliche Entenfüße – viel zu breit und und flach", eine Andere. Die Geräusche, die ihre Füße auf einem Fließenboden machen seien nicht grazil genug. Eine wieder andere Userin in der Kommentarspalte kennt das. Ihre Füße hätten zudem viel zu viel Hornhaut vom vielen Joggen. Ihre Zehen seien außerdem viel zu haarig, kurz und dick und ihre Zehennägel dementsprechend zu klein. Sie versuche dann mit knalligem Nagellack davon abzulenken, schreibt sie. Und generell hilft nur eines, so ist man sich im Forum einig: Regelmäßige zur Pediküre gehen – und wenn die Zehen trotzdem immer noch unförmig wirken, dann halt geschlossene Schuhe tragen!

Wenn die Schönheitsideale aus sind, werden neue gemacht

Ich wusste nicht, dass mit Zehen so viel nicht stimmen kann, mögen jetzt die Einen denken. Ganz ehrlich, ich hadere auch manchmal im Sommer damit, meine Füße zu zeigen, die Anderen. Und wen überrascht's: Das Patriarchat und der Kapitalismus leben von der Unerreichbarkeit der Schönheitsideale. Wenn sich ein Schönheitsideal nicht mehr ausreichend vermarkten lässt, werden neue Normen geschaffen – in Form von Absurditäten wie Beauty-Elixieren für die Achseln oder aufhellende Cremes für Ellenbogen.

Schönheitsideale für Füße gab es schon früh: Da wurden etwa Zehen gebrochen und abgebunden, um die Schuhgröße möglichst klein zu halten. Wir erinnern uns an Cinderella, die so schön war und deren Füße so klein waren, dass niemand anderes im Königreich in ihren Glasschuh gepasst hätte. Zusätzlich zu den üblichen Tipps für den perfekten Beach Body scheinen Schönheitsideale für Füße jetzt ein Revival zu erleben: "Welche Sommerschuhe du tragen kannst, wenn du hässliche Füße hast", "21 Schuhe, die deine Zehen verstecken" oder "Süße Sandalen für schirche Füße" titeln namhafte, internationale Frauenmagazine.

Von Lookismus, also der Stereotypisierung und Diskriminierung auf Grund des Aussehens, sind in unserer patriarchalen Gesellschaft vor allem Frauen betroffen. Schönheitsnormen sind immer auch Unterdrückungsmechanismen, denn: Je näher man an das gesellschaftlich Ideal rankommt, desto mehr Vorteile bringt’s – im beruflichen genauso wie im privaten Kontext. Nur: Diese Ideale sind patriarchal-kapitalistische Konstrukte, die von ihrer Unerreichbarkeit leben.

Von Schönheitsnormen und Bewusstseinsarbeit

"Ich bin mir darüber bewusst, dass meine Füße nicht in das Ideal passen. Ich erinnere mich an meinen Schulabschluss, als ich hübsche Riemchensandalen anzog und mich darin den ganzen Tag unsicher gefühlt habe. Aber: Ich habe versucht, das abzulegen. Heute trage ich Flip-Flops und versuche, Schönheitsnormen zu ignorieren", schreibt eine weitere Userin am Ende der Reddit-Diskussion. Das klingt gut und schön und empowernd und das ist es vielleicht auch, aber: Das Einzige, das noch anstrengender ist als die Schönheitsarbeit zu betreiben, um den wandelbaren, flüchtigen Idealen hinterherzujagen, ist das genaue Gegenteil davon. Sich von gesellschaftlichen Normen zu befreien, ist immer noch mit Anstrengung, Bewusstseinsarbeit – und in weiterer Folge auch Nachteilen verbunden.

 

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