Können dann bitte mal alle aufhören, über "Millenials" zu lästern?

Unsere Online-Redakteurin Teresa schreibt in ihrer Kolumne "Die Blume aus Stadlau", dass "Millenials" gar nicht so unterschiedlich zu WienerInnen sind.

Das Wichtigste an verschiedenen Generationen ist ja, dass man alle nachfolgenden Generationen hasst – bzw. sich zumindest so überlegen vorkommt, dass man über deren Werteverfall spricht und dabei Phrasen wie „die Jugend von heute“ verwendet. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wofür wir die nachkommende Generation hassen werden, aber ich vermute, es hat viel damit zu tun, dass sie verwöhnte Gschrappen sind. Das scheint zumindest die Legitimationsgrundlage zu sein, aufgrund derer sich jede vorangegangene Generation über die nachkommende beschwert hat. Ich kann dem auch kaum widersprechen, meine Eltern haben mich derart verwöhnt, dass ich, abgesehen vom stolzen Bezahlen meines Wiener Linien-Tickets, kaum lebensfähig bin und dreimal die Woche weine, weil mich der liebevolle Busfahrer oder eine virale Geschichte aus dem Internet „so berührt“. Übertrumpft wird das nur von heutigen jungen Eltern, deren hubschrauberhafte Liebe lauter „vagwehnte Bankert“, wie meine Mutter so schön zu sagen pflegt, hervorzubringen scheint, denen wohl noch mehr vegane Sandwiches und iPhones als mir zustehen werden.

Jüngere Generationen können es eh nie richtig machen.

Im Grunde scheint das so eine Art Naturgesetz zu sein, das etwas damit zu tun hat, dass 50-Jährige meist einen anderen Lebensstil pflegen und ein anderes Wertesystem haben als 20-Jährige. Im Fall meiner Generation hat man beschlossen, sie „Generation Y“ oder „Millennials“ zu nennen und unentwegt darüber zu sprechen, wie unentschlossen und freiheitsliebend sie sind. Sehr oft werden Artikel von Menschen, die nicht dieser Generation angehören – also quasi diesen „Babyboomern“ –, geschrieben, die sich über das mysteriöse Phänomen der Millennials wundern. Im Internet wurde es schon zu einem Witz, was Millennials alles zerstört haben sollen: Banken, die Autoindustrie, die Institution Ehe, Kinos, … Man sollte sich echt gefasst machen, denn niemand weiß, was wir uns als Nächstes vornehmen. Dieses Generationenbashing ist eben einfach nur eine emotionale Art, um festzuhalten, dass die Wirtschaft schon mal stabilere Tage gesehen hat, keiner mehr Geld für Statussymbole ausgibt und sich Konsummodelle ändern. Soweit ich das mitbekommen habe, ist aber die letzten 60 Jahre auch nicht alles gleich geblieben.

Der Wiener ist der ursprüngliche Millenial.

Es ist nämlich so: Der Wiener ist der ursprüngliche Millennial. Niemand legt sich weniger fest als er. Du möchtest von einem Wiener wissen, ob ihr nächste Woche in die Oper geht? „Schau ma mal.“ Gefällt dir mein neues Kleid? „Passt scho.“ Aber wenn wir die Wand gelb streichen, könnte es doch ganz gut aussehen, oder? „Kann ma nix dagegen sagen.“ Vielleicht tu ich mir schwer, mich auf Termine festzulegen, die mehr als eine Woche in der Zukunft liegen. Aber es ist doch so: Die Welt ändert sich immer und Menschen sind ein bisschen zu komplex, als dass wir sie auf Generationen-Stereotype festlegen könnten. Einigen wir uns einfach darauf, dass sich manche Dinge nie ändern, okay? Egal ob jung oder alt, auf einen beschwipsten Donauwalzer zu Silvester können wir uns doch alle einigen, oder? Und was dann das restliche Jahr passiert? Schau ma mal.

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