Kommentar: Öffnet die Golfplätze - aber die Schulen bleiben schön zu!

Die Bundesregierung präsentierte gestern neue Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Mit 1. Mai können wir endlich wieder Golf spielen und Bogen schießen. Wann unsere Kinder wieder in Kindergarten und Schule dürfen? Auf diesen Plan warten 2,5 Millionen Familien hingegen vergeblich.

Erste Hälfte des Bildes zeigt einen Golfspieler, die zweite leere Schulbänke

In seiner Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch hat Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) verkündet, dass mit 1.Mai Golfanlagen wieder aufsperren. Segelfliegen, Tennis spielen, Bogenschießen – endlich wieder erlaubt, Millionen Österreicherinnen und Österreicher haben darauf gewartet. Not. Während die seit einem Monat geltenden Ausgangsbeschränkungen gelockert werden, ist die Prioritätensetzung bei der Öffnung öffentlicher Orte für viele schwer nachvollziehbar: Nach Ostern durften alle jene die Auferstehung aus dem Social Distancing im Baumarkt feiern, die dringend Blumenerde und neue Geranien für Balkon und Garten brauchen. In zwei Wochen kann der - nach all der Daheimsitzerei dringend nötigen – Zerstreuung endlich wieder beim Golfen gefrönt werden. Zeit war’s! Oder?

Kinder, geht’s Golf spielen!

Währenddessen sitzen 2,5 Millionen Familien zuhause und warten darauf, dass die Regierung endlich einen Plan verkündet, wie mit der Öffnung der Schulen und Kindergärten umgegangen wird. Wann wird es möglich sein, Kinder zumindest tage- oder stundenweise in die Betreuung zu geben? Wie lange müssen Home Office, Home Schooling und Kinderbetreuung noch parallel geschultert werden? Wie soll die Betreuung in den Sommerferien geschupft werden, wenn der Jahresurlaub aufgebraucht ist und die Kinder nicht zu den – wenn überhaupt vorhandenen – Großeltern können?

Bildungsminister Heinz Faßmann und Bundeskanzler Sebastian Kurz wiederholen beharrlich die Ansage, dass frühestens Ende April, also in weiteren zwei Wochen, eine Entscheidung über die Öffnung der Schulen und Kindergärten getroffen werde. Während es also fürs Shoppingerlebnis, fürs Freizeitvergnügen Pläne gibt, fehlen sie für Eltern und ihre Kinder. Ich wage zu behaupten, dass die Belastung für sie aber weitaus höher ist als für Segelflieger*innen.

Ja, Sicherheitsmaßnahmen wie Abstand halten sind in pädagogischen Einrichtungen bestimmt schwierig einzuhalten. Ja, es geht um den Schutz des pädagogischen Personals. Es geht auch um über eine Million Kinder und deren Eltern. Es braucht dringend eine Perspektive, klare Lösungen und Vorgehensweisen für alle Beteiligten.

Wo bleiben Plan und Perspektive für Eltern und ihre Kinder?

Eine solche erläuterte der Public-Health-Experte Martin Sprenger kürzlich im Corona-Podcast von Ö1: Eine Öffnung der pädagogischen Einrichtungen in drei Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Steiermark, nach einer Evaluierung könnten die restlichen Bundesländer folgen. Seiner Einschätzung nach hätte das nicht nur den Effekt, dass Kinder wieder Kontakt mit Gleichaltrigen hätten und schulisch weiterkommen würden. Es würde auch berufstätige Eltern entlasten und könnte für ein besseres Verständnis der Epidemie sorgen: "Wir könnten genau monitoren, was es bewirkt, wenn Schulen und Kindergärten wieder aufsperren. Wenn man sieht, dass sich in zwei bis drei Wochen nichts tut beim Krankheitsgeschehen, könnten die anderen sechs Bundesländer nachziehen. Sollte sich erschreckend viel tun, womit ich persönlich nicht rechne, dann müsste man auch die Konsequenzen ziehen." Sprenger, bis vor kurzem noch im Corona-Krisenstab der Bundesregierung, forderte in der Strategie der Regierung einen verstärkten Fokus auf Kinder. Die Maßnahmen zur sozialen Isolierung der Kinder seien teilweise unverzeihlich, meinte Sprenger, und bezog sich damit vor allem auf die gesperrten Spielplätze und Parks. Es sei klar, dass Kinder zum Infektionsrisiko beitragen würden, das sei aber vor allem eine Frage des Wie-damit-Umgehens und brauche ein klares Management. Ein solches ist an sich übrigens auch bei der Öffnung von Baumärkten und Tennisplätzen nötig.

Dass die Regierung in einer Zeit wie dieser, die gesamtgesellschaftliche Missstände und Tatsachen so klar aufzeigt, nicht sieht oder sehen will, welchen Kraftakt berufstätige Erziehungsberechtigte immer und vor allem jetzt meistern, wie wichtige soziale Interaktion für die Entwicklung von Kindern jeden Alters ist, ist ein Schlag ins Gesicht.

 

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