Kommentar: Die Mama und die Pension

WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas hält das geplante verpflichtende Pensionssplitting für nicht mehr als eine Beruhigungspille für Frauen.

WIENERIN Chefredakteurin Barbara Haas

Wer ist in Österreich arm? Frauen, die Kinder haben und diese alleine erziehen. Wer noch? Frauen, die Kinder haben, später in Teilzeit arbeiten und dadurch wenig Pension bekommen. Es gibt viele Umstände, die in die Armut führen, aber Kinder zu kriegen - und nicht reich zu sein oder in einer Erbfolge zu stehen - zählt zu den sichersten. Was könnte helfen? Na ja, man könnte Mütter, die Erziehungsarbeit übernehmen, an der Pension des Partners beteiligen, vulgo Pensionssplitting. Das war bis jetzt freiwillig, und daher hat es (fast) niemand gemacht. Jetzt soll es verpflichtend werden und wird sofort kritisch diskutiert -ob es nicht eine Beruhigungspille für Frauen wird.

Aha. Die Frau geht also nimmer arbeiten, weil sie sich nicht mehr um Pensionsjahre kümmern muss. Sie bleibt lieber wieder hinterm Herd, um eine Retrofloskel zu bemühen. Ist das realistisch? Vielleicht - zumindest, wenn der Mann seine hohe Pension gerne teilt. Und wenn die Frau in passenden Abständen neue Kinder bekommt, sonst ist das Spiel nach maximal sieben Jahren vorbei. Und noch was: Das alles hat auf das Geld, mit dem das Leben finanziert wird, keinen Einfluss. Hier geht es nur um die Pension. Und das Ganze ist natürlich nicht die Lösung für das Problem der Vereinbarkeit.

Aber eines scheint mit dem Pensionssplitting erreicht: Der Staat ist ein bisserl aus dem Schneider. Die Frage nach einer fairen Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben wird ins Private gedrängt. Es geht nur noch um die Pension, und das sollen sich die Partner*innen/Eheleute ausschnapsen. Wenn man überhaupt welche hat - und somit werden Alleinerzieherinnen weiterhin zu den ärmsten Menschen bei uns gehören.

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