Kommentar: Brautpaare verlangen finanziell zu viel von ihren Gästen!

Denn ein Junggesell*innen-Abschied um 200 Euro und eine Location-Hochzeit in der Toskana summieren sich, vor allem wenn es nicht die einzige Hochzeit im Jahr ist, zu der man eingeladen ist. Ein Kommentar.

Kommentar: Brautpaare verlangen finanziell zu viel von ihren Gästen!

Jahr für Jahr werden Hochzeiten extravaganter, teurer, exklusiver. Und wenn sich ein Hochzeitspaar dafür entscheidet sein Geld so auszugeben, dann ist das vollkommen in Ordnung. Was aber meiner Meinung nach nicht in Ordnung ist, ist wenn auch von den Gästen erwartet wird, dass diese tiefer und tiefer in die Tasche greifen und für die Hochzeit einer*eines guten Freundin*Freundes mehrere hundert Euro ausgeben. Deswegen, ganz ehrlich, liebe Brautpaare wir müssen reden. Es ist ein bisschen mehr Zurückhaltung angebracht.

Junggesell*innenabschiede

Ganz ehrlich, es geht schon eine Weile vor der Hochzeit los. Junggesell*innenabschiede sind häufig nicht mehr einfach ein netter Abend mit Freund*innen und ein paar Gläsern Sekt. Nein, die*der beste Freund*in der Braut organisiert ein extravagantes Weekend-Gateway mit Private Spa und Bottomless Sekt. Was natürlich großartig ist. Aber nicht, wenn das Wochenende mit einer Übernachtung schnell mal 200-300 Euro kostet.

Denn was die Braut hier nicht vergessen sollte: Auch wenn alle Frauen in der Gruppe ihr superwichtig sind, die Frauen kennen (und mögen) sich untereinander vielleicht nicht. Und wahrscheinlich ist es für viele nicht der einzige Junggesell*innen-Abschied, der in diesem Jahr ansteht. Sich von 10 Menschen also zu wünschen, dass man schnell einen Kurztrip nach Amsterdam macht, ist ehrlich gesagt frech und unverschämt und schließt all die guten Freund*innen und lieben Menschen aus, die sich das vielleicht nicht leisten können.

Brautjungfrauen und Trauzeug*innen

Gerade die engsten Freund*innen oder Geschwister des Brautpaares bekommen häufig noch eine extra Rolle und zwar die der Brautjungfrauen und Trauzeug*innen. Und das ist natürlich eine riesige Ehre und ein Zeichen, wie wichtig eure Verbindung den Brautleuten ist! Was es aber nicht sein sollte, ist ein Stress- und erheblicher Kostenfaktor.

Meine Schwester war erst kürzlich Brautjungfrau bei einer Hochzeit, wo sich die Braut wünschte, dass all ihre Brautjungfrauen dasselbe Kleid tragen. Besagtes Kleid kostete knapp 200 Euro pro Person – was die Brautjungfrauen selbst zahlen mussten. Ignoriert wurde dabei die Frage, wo diese Personen das jemals wieder tragen sollten, ob es ihnen gefiel und ob es allen stand.

Nicht jeder Mensch hat die finanziellen Mittel, dass diese 200 Euro ein Klacks sind. Auch sonst kommen auf die Trauzeug*innen häufig zusätzliche Kosten zu, die davor nicht besprochen wurden und zu denen man vielleicht in dem Moment nichts sagt, weil man die Freude nicht trüben möchte. Aber liebe Brautpaare: Viele eurer Freund*innen sind deswegen genervt von euch und das ist doch nicht, was ihr wollt?

Mood-Boards für die Gäste

Auch vor Kurzem gesehen: Den Gästen wurden Mood Boards geschickt, welche Outfits sich das Brautpaar bei ihrer Hochzeit wünschen würden. Und sieht man sich all die Pinterest- und Instagram-Pinnwände von Hochzeiten an, versteht man, woher das kommt. Natürlich soll es farblich schön homogen sein, damit es auf Bildern gut aussieht.

Was man dabei aber offensichtlich ignoriert, ist dass sich manche nun extra einkleiden müssen und das ein zusätzlicher Kostenfaktor ist. Und verlangt man wirklich von der 86-jährigen Großmutter, dass sie passend zum Thema Vintage Chic kommt und von Onkel Hansi, der keine Ahnung von Mode hat? Oder freut man sich einfach, dass sich alle in ihrem Lieblingsoutfit da sind und diesen wichtigen Tag mit einem feiern möchten?

Geldgeschenke

Inzwischen ist es gängig, dass man bereits in der Einladung darauf hinweist, dass man sich nur Geld-Geschenke wünscht. Und wenn man bedenkt, dass früher Küchenmaschinen und Brotback-Automaten verschenkt wurden, ist das völlig verständlich. Schließlich hat das Paar meistens bereits einen gemeinsamen Haushalt. Immer öfter bekomme ich aber mit, dass Paare berechnen, wie viel sie von jedem Gast bekommen müssten, damit sie wieder auf 0 sind und das zum Teil auch kommunizieren. Besonders wenn es sich um eine Location-Wedding handelt, erhöht das den Druck, dass das Geldgeschenk hoch genug ausfallen muss.

Location-Wedding

Eine Hochzeit in den Alpen, in einem wunderschönen bayrischen Schloss oder in der Toskana auf einem Gutshof mit Pool? Klingt himmlisch, wie in einem Märchen! Und es ist verständlich, dass es dem Brautpaar durchaus wert ist, mal ein paar Tage etwas mehr Geld hinzulegen, um ihren Traumtag zu feiern. Aber was ist mit dem Rest? Gerade wenn die Hochzeit weder in der Nähe der Familie, noch in der Nähe des Wohnorts des Brautpaares ist, bedeutet das, dass alle anreisen müssen und sich dort Unterkünfte suchen müssen.

Eine Bitte an das Brautpaar: Natürlich habt ihr euch eine wunderschöne, atemberaubende Location ausgesucht. Wenn ihr aber in einem fancy Schloss heiratet und für die gesamte Hochzeitsgesellschaft Zimmer reserviert, denkt daran auch einige in Pensionen in der Nähe zu reservieren, denn vielleicht möchte oder kann nicht jeder 200 Euro für die Nacht ausgeben. Sorry, es gehört einfach mal gesagt!

 

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