Kolumne: Wiedersehen macht Freude

Es gibt nichts, was in dieser Stadt nicht verloren geht: Etwa 80.000 Gegenstände -vom Kinderwagen bis zum Gebiss - landen Jahr für Jahr beim Zentralen Fundamt. Ein Dank den FinderInnen!

Andrea Burchhart

Ich war nahe dran, dem Mann einen Heiratsantrag zu machen. Nicht, dass ich nicht eh schon verheiratet bin und der Anrufer vermutlich null Bock darauf gehabt hätte, aber ich war einfach so glücklich! Zwei Stunden vor dem Telefonat mit ihm -nennen wir ihn einfach "den Glücklichmacher" - war ich quasi am Ende. Meine Geldbörse war futsch! "Kommt vor, ist blöd, aber es gibt Schlimmeres", denken Sie sich jetzt vielleicht. Ja, mag sein, aber ich war selbst schuld. Mit der Opferrolle könnte ich leben, aber Mittäterin zu sein ist enervierend. Okay, der Mann -also meiner jetzt - war auch nicht ganz unschuldig. Weil der nämlich gerne losfährt, ohne zu wissen, wo wir genau hinmüssen, vorher aber immer so tut, als wüsste er es ganz genau.

Wir waren jedenfalls mit dem Rad zu einem Geschäft unterwegs, um dort total wichtige Dinge für zwei Kindergeburtstagspartys (andere Horrorgeschichte!) zu besorgen. Es gab Navigationsschwierigkeiten. Ich zücke mein Handy und denke mir noch, die Handtasche zuzuzippen wäre kein Fehler. Aber schließlich haben wir keine Zeit zu verlieren, weil ja der Laden gleich zusperrt. Tja, Luftballons und Co konnte ich dann eh nicht bezahlen, weil gähnende Leere in der Handtasche. Wir sind alles abgefahren ("Wo hast du es zuletzt gesehen?"), dann hab ich mir kurz eingebildet, ich hab das Börsel ja vielleicht gar nicht mitgehabt - ein Haus verliert nichts! Nach Telefonaten mit dem Fundamt, der Polizei sowie sämtlichen Gewerbetreibenden und Tschocherlbesitzern des halben zweiten Bezirks habe ich aus lauter Verzweiflung sogar den heiligen Antonius um Hilfe angefleht. Die vielen ermutigenden Erfolgsstorys auf heiligerantonius.de haben mich aber nur kurz von meinem Leid abgelenkt.

Irgendwann findet man, was man sucht.

Stunden später der erlösende Anruf: Meine Geldtasche ist bei ihm, einem türkischen Friseur, in Gewahrsam. Ausweise und Geld -alles noch da! Vor der feierlichen Abholung war ich mir sicher, nicht nur mein Portemonnaie, sondern auch endlich den Friseur meines Vertrauens gefunden zu haben. Jetzt schneidet der aber nur Männer und ich bleibe in dieser Hinsicht verloren. Was man nicht verlieren darf, ist der Glaube: Irgendwann findet man, was man sucht. Meine Freundin E. hat auch zwei Jahre lang nach ihrem Ehering gesucht, den sie eine Woche nach ihrer Hochzeit verlegt hatte. "Der wird schon irgendwann auftauchen!", wiederholte sie mantraartig. Und wirklich: Beim finalen Putzen vor dem Auszug in die neue Wohnung fand sie ihn im Gefrierfach. Irgendwie cool!

LOST & FOUND

Bargeld, Schmuck, Geldbörsen, Computer und Co sollte man beim Zentralen Fundamt (1050, Siebenbrunnenfeldgasse 3) oder einem Bezirksamt abgeben. So haben Sie Chancen auf einen Finderlohn (ca. zehn Prozent des Gegenstandswerts!) - und noch viel wichtiger: gutes Karma!

Wer sein Haustier vermisst, wendet sich an den Fundservice für Haustiere der MA 60,24 Stunden erreichbar: 01/4000-8060. Wer eines findet, kontaktiert am besten das TierQuartier: 01/734 11 02-113.

 

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