Kolumne: Was ist gut an Ghosting?

Keine Antwort ist auch eine Antwort? Naja!

Theresa Lachner Ghosting

"Ich versteh’s einfach nicht: Da trag ich einmal im Monat Wimperntusche auf, rasier mir sogar die Beine – und der Depp schafft’s noch nicht mal, mir abzusagen!" Meine Freundin N. schüttelt wütend den Kopf. "Der hat dir einen Gefallen getan", tröste ich sie. "Wer so mit anderen umgeht, disqualifiziert sich eh selbst."

Empathie gesucht

Ge­ghostet zu werden ist einfach immer scheiße – und passiert statistisch gesehen jedem*r Fünften von uns. Je weiter fortgeschritten und intensiver die Verbindung war, auf die dieser unkommentierte Kontaktabbruch folgt, desto schwieriger ist er zu verarbeiten.

"Wenn Menschen uns so behandeln, als könnte man uns ignorieren, glauben wir irgendwann, dass das in Ordnung ist, und behandeln uns selbst so, als hätten wir keine Gefühle. Dann behandeln wir auch andere, als hätten sie keine, und dann gibt’s keine Empathie mehr", so die Soziologin Sherry Turkle in einem Interview mit der Huffington Post.

Deswegen, klar: Einfach nicht machen! Ein simples "Du bist cool, aber ich fühl’s nicht so" entspricht wohl der Genfer Konven­tion in Sachen eines möglichst charmanten Kontakt­abbruchs.

Ciao, Kakao!

Und auf der anderen Seite? "Keine Antwort ist eben auch eine Antwort!", findet (männlich-pragmatisch) mein Kumpel G. Aber nicht nur das: Keine Antwort ist gleichzeitig auch eine Blanko­karte – eine Blumenwiese an möglichen vulgär­psychologischen Erklärungsversuchen, aus der wir uns den rauspicken können, der uns gerade am besten passt.

Mein Favorit: "Du bist einfach so großartig, seine Gefühle für dich haben ihn eben so unglaublich überwältigt, dass er gar nicht anders konnte, als sich vor lauter ­Bindungsangst zurückzuziehen."

"Realistischer ist doch, dass er von Aliens entführt wurde, inzwischen auf einem anderen Planeten lebt, sein Gedächtnis gelöscht wurde. Handys haben die da nicht mehr", sagt N. zufrieden. Wir prosten uns zu: "Möge er in Frieden ruhen!"

 

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