Kolumne: Wann sind WhatsApp-Gruppen so nervig geworden?

Martina Parker erkennt: WhatsApp-Gruppen sind ein gesellschaftliches Minenfeld.

Eigentlich sind WhatsApp-Gruppen ja superpraktisch. Unsere Beauty-Ressort-Gruppe zum Beispiel: Eine von uns sieht bei einer Pressereise einen neuen Trend. Zack, ist ein Foto gemacht, und alle in der Redaktion sind trendtechnisch auf dem neuesten Stand. Einfach genial! 

WhatsApp

Extrem praktisch finde ich auch die WhatsApp-Klassengruppe meines Sohnes. "Du hast schon wieder dein Bio-Heft in der Schule vergessen und morgen ist ein Test? Bitte schreib in die Gruppe, dass die dir den Stoff whatsappen sollen!" Funktioniert herrlich. Danke, liebe 4A! Andere WhatsApp-Gruppen, denen ich beigetreten bin bzw. zu denen ich hinzugefügt wurde, nerven aber extrem. Denn WhatsApp-Gruppen werden heute ja geradezu inflationär gegründet. Bei jeder Geburtstagsplanung, bei jeder Essenseinladung wird eine aufgemacht. Und wenn man Pech hat, ist dann auch noch eine Kettenbrief-/Katzenvideo-/Achtsamkeitsfanatikerin in der Gruppe und der ganze Speicherplatz am Handy geht für "spannende" Slideshows, Filme und Gifs drauf, die man schon auf Facebook für vernachlässigbar befunden hatte.

Denn WhatsApp-Gruppen werden heute ja geradezu inflationär gegründet. Bei jeder Geburtstagsplanung, bei jeder Essenseinladung wird eine aufgemacht.

Martina Parker

Letztens wurde ich nach einem sportlichen Wettkampf einer Turniergruppe hinzugefügt. Das Problem war nur: Die Hauptprotagonisten kämpften dort verbal weiter. Und zwar so ungut, dass ich mich beim Mitlesen richtig beklommen fühlte. Ich hatte das Gefühl, dass die vergessen hatten, dass ich neu dabei war, und kam mir vor wie eine Lauscherin im Dunkeln. Und weil ich das so peinlich fand, trat ich wieder aus. Danach machte ich mir Sorgen, wie das aufgefasst werden könnte. Denn eine WhatsApp-Gruppe ist nicht wie eine schlechte Party, bei der man einfach still und leise durch die Hintertür verschwindet. "Martina hat die Gruppe verlassen" - das ist immer ein Statement à la "Ihr nervt mit eurem Blabla!".

Jetzt erlebe ich das Problem gerade von der anderen Seite. Schauplatz ist die "Mädelstreff-Gruppe". Die hat tadellos funktioniert, bis die K. einmal die R. zu einem Mädelsabend mitgenommen hat und wir nach drei Flaschen Uhudlerprosecco beschlossen hatten, die R. auch in die Gruppe aufzunehmen. Das ist zehn Wochen her. Die R. war aber nie wieder auf einem Mädelsabend. Sie schreibt auch nicht in die Gruppe. Sie liest aber alles mit, und das stört uns. Sie ruiniert uns auch die Mädelsabende, weil wir jetzt bei jedem Mädelsabend nur noch darüber reden, dass es ein Witz ist, dass die R. nicht austritt, wenn sie doch so gar kein Interesse an unserer Gruppe hat. Aus der Gruppe entfernen wollen wir sie aber auch nicht. Das würde so unfreundlich wirken. Also machen wir das Einzige, was man in so einer Situation tun kann: Wir gründen eine neue Gruppe.

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