Kolumne "Walking Dad": Der Insta-Husband

Vor zehn Jahren hätten wir wohl noch die Augen verdreht, wenn wir geahnt hätten, wie wir einmal Familienfotos machen. Instagram hat uns "ein bisschen" verändert.

Florian Danner

Da sitzen meine Frau und ich also im Restaurant, nachdem der Kellner die Getränke gebracht hat. Einmal im Monat nehmen wir uns einen Abend Zeit nur für uns. Keine Kinder, keine anderen Begleiter. Nur wir beide. Entweder bei einem Konzert, im Kino oder eben in einem guten Restaurant. Meine Frau nennt das "Datenight", ich manchmal auch "Selfieabend".

Es kommt an solchen Abenden immer der Moment, an dem wir die Situation fotografisch festhalten wollen. Der Hintergrund muss passen und natürlich einen Hauch von Tiefenunschärfe haben. Optimal ist auch ein Gegenstand, der mit uns beiden im Fokus ist: ein Accessoire der jeweiligen Konzerttour, ein Maskottchen aus dem Kinofilm, eine beeindruckend angerichtete Speise. Und dann sollten unsere Gesichter natürlich auch noch halbwegs herzeigbar sein.

Fürs Fotografieren bin dabei ich zuständig. Einerseits, weil ich auch bei Fotos einen Hang zum Perfektionismus entwickle und bei mir auf ein brauchbares Bild 15 unbrauchbare mit demselben Motiv kommen, und andererseits, weil ich einfach die längeren Arme habe - und damit der peinliche Selfiestick obsolet wird.

Meine Frau verbringt nach dem Fotografieren dann etwa eine Minute am Handy. So schnell geht das, und @christina_diedanners zeigt dann auf Instagram schon, was wir gerade machen. @floriandanner wiederum hat zum selben Zeitpunkt gerade erst einmal die 14 suboptimalen Fotoversuche gelöscht und öffnet die Instagram-App. Und bevor ich die nächste halbe Stunde der Datenight am Handy herumbastle, poste ich das Bild lieber erst am nächsten Tag -dem Hashtag #latergram sei Dank.

Dementsprechend konzentriere ich mich in unserer Ehe eher auf meine Rolle als Insta-Husband. Der Satz "Schatz, mach doch schnell ein Foto von mir!" existiert bei uns nicht -fotografiert wird ganz von selbst. Und unsere zwei kleinen Söhne haben das auch vollkommen verinnerlicht: Entweder sie nehmen sich selbst das Mama-oder Papa-Handy und fotografieren drauflos, oder sie haben uns Eltern total durchschaut, wenn wir ein Insta-Foto schießen wollen.

Weil unsere Kids einmal selbst entscheiden sollen, ob ihr Gesicht öffentlich sein soll oder nicht, zeigen wir auf unseren Accounts Theo und Noah nur unkenntlich. Wenn wir also ein Familienselfie machen, stellen sich unsere Kids automatisch so hin, dass sie nicht in die Kamera schauen. Unrund wird die Situation dann nur, wenn wir die zwei auffordern, doch einmal mit uns in die Linse zu lächeln und ihr Gesicht zu zeigen. "Aber da erkennt man uns ja!", hören wir dann gerne. Das Foto fürs gute alte analoge Familienalbum ist halt nicht mehr so präsent im Kopf. Erst recht nicht für unsere Insta-Kids.

 

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