Kolumne: Von Kleidergrößen nicht die Laune verderben lassen

Alles im Leben hat Vorteile. Gerade dann, wenn sich der Körper wieder einmal verändert.

Katharina Reményi

Neulich ging wieder einmal ein Virus um, bei dem man mehr Zeit auf dem Klo verbringt, als im Bett zu leiden. 24 Stunden Hölle und dann ist alles wieder vorbei. Die B. hat's diesmal wirklich voll erwischt. Mit Fieber und allem Drum und Dran. Aber es wäre nicht die B., wenn sie diesem Ungemach nicht auch etwas Positives abgewinnen könnte. In diesem Fall ist es die Hose, die ihr nur dann passt, wenn sie eine Speiberei überstanden hat. Also so circa ein-bis zweimal im Jahr. Dann ist der Bauch nämlich genau zwei Tage lang so flach, dass sie in das Teil von Stella McCartney hineinkommt, das sie sich irgendwann einmal gekauft hat. Und das macht ihr unglaublich gute Laune. Man muss allerdings auch sagen, dass die B. sonst keine Gewichtsschwankungen kennt. Die schaut immer gleich aus. Ganz anders als ich und unsere gemeinsame Freundin A.

Auf und ab

In meinem Kleiderkasten finden sich Lieblingsstücke in diversen Größen. Lieblingsstücke haben immer wieder einmal einen Preis, der es auf keinen Fall zulässt, dass man sie aussortiert. Da kann sich die Marie Kondo dreimal auf den Kopf stellen. Die Sachen "sparkeln" und passen vielleicht nicht mehr so wie früher, aber das ist mir in dem Fall egal. Und dass es bei mir Outfits in verschiedenen Größen gibt, hat ganz einfach damit zu tun, dass ich lebe. Mal mit mehr Schnitzeln, mal mit weniger Smoothies. Mal mit mehr Bauch, Bein und Po, mal mit weniger Sport. Um es kurz zu machen: Mein Gewicht schwankt immer wieder einmal, und damit eben auch meine Kleidergröße. Aber warum sollte ich alles wegschmeißen? Die Lieblingssachen in Groß haben ja auch den Vorteil, dass man sich auch bei wachsendem Umfang wirklich auf etwas freuen kann. Denn Kleider und Hosen, die an einem runterhängen wie nasse Säcke, machen ja auch nur bedingt Spaß.

Liebe deinen Körper

Meine Freundin A. hat einen ähnlichen Lebenswandel wie ich. Die findet es allerdings nicht so prickelnd, wenn sie einem Outfit wieder einmal auf Zeit Servus sagen muss, und hat sich angewöhnt, Kleidung mit Lieblingsteilpotenzial gleich in mehreren Größen zu kaufen. Nehmen wir zum Beispiel den Hosenanzug, der neulich seinen Weg in ihren Kleiderschrank gefunden hat. Bei dem war klar, dass er sie lange begleiten soll. Deshalb hat sie, clever, wie sie ist, die Hose gleich in 38 und in 42 bestellt. Das hat damit zu tun, dass sich ihr Körper eher um die Hüfte verändert, obenrum bleibt sie immer mehr oder weniger gleich.

So viel ist sicher: Welche Nummern in den Kleidungsstücken stehen, ist uns völlig egal. Wir gehören beide nicht zu den Kundinnen von Nicola aka Nina Proll bei den Vorstadtweibern, die immer Größe 34 in alle Fetzen näht, weil sie sicher ist, dass sie dann eher gekauft werden. Uns geht's um die Mode. Und da lassen wir uns von irgendwelchen Zahlen sicher nicht die Laune verderben.

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