Kolumne: "Tuats bitte endlich weida!"

Was heißt das jetzt - grinsen oder knurren? Martina Parker kämpft mit Smileys und Emojis.

Martina Parker

Letztens entbrannte in der Redaktion eine heftige Diskussion über die nicht zu unterschätzende Bedeutung von Interpunktion. Es ging um ein Mail mit dem Satz "Könnt ihr das bitte erledigen?!": Die Absenderin hatte das "?!" als fragendes "Ja oder nein?" angedacht, die Adressatin las aber in diesen Zeichen ein forsches "Tuats bitte endlich weida!". Es brauchte eine halbstündige Diskussion, um dieses Missverständnis aufzuklären.

BUCHSTABENSALAT. Die Person, die rein von Berufs wegen tatsächlich "Tuats bitte weida"-Mails verschickt, ist unsere Chefin vom Dienst. Ihre Aufgabe ist es, Artikel einzufordern, damit die Redaktionsschlüsse eingehalten werden. Sie weiß, dass jede von uns diese Mails fürchtet, deshalb entschärft sie sie mit Smileys. Wir Kolumnistinnen bekommen besonders oft solche Smileys, was daran liegt, dass man eine Kolumne nicht so einfach aus der Hüfte schießen kann, nur weil gerade Redaktionsschluss ist. Weil unser Mailprogramm aber keine Smileys überträgt, kommen die symbolischen Botschaften der Chefin vom Dienst immer als Satzzeichen oder Buchstaben bei uns an. Inzwischen haben wir geschnallt, dass ein J ein fröhliches Smiley ist. Leider bekommen wir eher selten Js. Eher schon :S, :'D oder ;0). Die Modekolumnistin hat gehört, man könne die Bedeutung erkennen, wenn man diese Zeichenfolge seitlich anschaut. Seither liegt sie oft ratlos am Schreibtisch, statt zu schreiben.

EMOJI-FAILS. Viele bunte Symbole sind auch die Spezialität digitalaffiner Beauty-Firmen, die mich über WhatsApp auf dem Laufenden halten. Weil es unglaublich nüchtern und emotionslos wirkt, auf diese mit Regenbögen, Cupcakes und Einhörnern gespickten Kurznachrichten einfach nur mit Worten zu antworten, habe ich letztens die Silbe "herz" in "herzliche Grüße" durch ein lila Herzsymbol ersetzt. Lila passte gut zur Farbe des neuen Parfums der Firma. Als unsere Social-Media-Redakteurin das mitbekam, bekam sie einen Lachkrampf: Peinlicherweise hatte ich laut offiziellem Übersetzungskodex der 2.823 existierenden Emojis sexuelles Interesse an der PR-Dame signalisiert.

REDEN IST GOLD. Die Social-Media-Redakteurin klärte mich auch auf, dass das Emoji-Maxerl, das den Kopf auf die Tischplatte knallt, nicht gefrustet ist, sondern sich demütig verneigt, und dass gefaltete Hände nicht für "Tuats endlich weida" stehen, sondern für Beten.

Weil mich das alles gerade überfordert, bin ich nun auf Emoji-und Smiley-Abstinenz. Was ich stattdessen tue? Ich rede. Letztens war ich direttissimo bei zwei Kolleginnen und habe mit charmantem Grinsen "Tuats bitte endlich weida?!" gerufen. Und siehe da, die beiden waren nicht sauer, sondern haben nur zurückgegrinst. Abgefahren, wie einfach Kommunikation manchmal ist!

 

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