Kolumne: Nomen est omen

Kreativität ist in allen Lebenslagen von Vorteil. Nur bei der Namensfindung für den Nachwuchs ist sie absolut vernachlässigbar, findet unsere Autorin.

Eine Forscherin der Universität Oldenburg hat bewiesen, dass LehrerInnen Kindern mit bestimmten Vornamen nicht ganz vorurteilsfrei begegnen. "Ehrlich, wenn du jedes Jahr einen vorlauten Marvin in der Klasse hast, glaubst du schon nicht mehr, dass jemand mit dem Namen normal sein kann!", seufzt meine liebste Volksschullehrerin. Natürlich wissen wir, dass das gar nicht geht. Dass das voll unfair ist. Dass nicht jeder Marvin automatisch ein Gfrast sein muss. Und dann rammt dich so ein Stoppel beim Skilift und der Vater brüllt: "Marvin, bist deppat? Brems di ei, Oida!" Was sagt ein Name über dich aus? Wie sehr kann er dein Leben beeinflussen, die Karriere fördern oder gar zerstören? Weil der Familienname zunächst mal fix gesetzt ist, ist Feingefühl in der Kombination gefragt. Besonders bei heiklen Namen wie "Ficker" ist Exotisches unangebracht. (Wobei man jetzt ehrlicherweise sagen muss: Im angesprochenen Fall, hm, auch schon wurscht.)

Kombinationsgabe

Was haben sich die Dopplers dabei gedacht, ihre Tochter Lara zu nennen? Jeder andere Mädchenname wäre vollkommen okay, aber Lara zusammen mit Doppler? Wie eine geleerte Zwei-Liter-Flasche zu heißen ist maximal als pubertierende Komasäuferin witzig. Sagen darf man ja nix, weil die Eltern verschnupft reagieren. Die Altvorderen von meinem Bekannten Rainer Rainer hätte man aber wirklich zur Vernunft bringen müssen. Keine Ahnung, wie das ist, nur einen Namen zu haben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass in Österreich kein Pelé-Feeling aufkommt. (Ja, ich weiß, der hat in Wirklichkeit eh drei Namen, aber wie bei den meisten Brasilianern kennt man halt nur den einen.) Die Eltern vom Ritter Michi haben sich dagegen 1979 sicherlich nicht träumen lassen, welchen mega Namen sie ihrem Sprössling da verpasst haben. Michael Knight! Eh klar, dass der Typ Schulsprecher wurde. Es gibt immer wieder lustige Rankings, die uns zum Beispiel verraten, mit welchem Namen die Chancen steigen, einen Chefposten zu bekleiden - Elisabeth und Thomas nämlich. Ob Straßennamen Auswirkungen auf den Erfolg haben, sollte man auch mal untersuchen. Ob ein Optiker in der Blindengasse reüssieren könnte, oder ein Puff in der Domgasse? Wobei, in einer Stadt, in der man bei der U-Bahn-Station Taubstummengasse aussteigt, um zu einem Rundfunksender zu kommen, und Zahnärzte in der Schlachthausgasse ordinieren, sind Namen offensichtlich eh Schall und Rauch ...

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